Virtuelle Konsultationen führen zu mehr Besuchen in der Notaufnahme5. Mai 2026 Videosprechstunden können Eltern und Praxen entlasten, geben den Eltern aber möglicherweise nicht genug Sicherheit. (Foto: © Robert Kneschke – stock.adobe.com) Der Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur Reform der Notfallversorgung sieht auch das Angebot von Videosprechstunden vor. Dass das zumindest im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin nicht automatisch zur Entlastung der Notaufnahmen beiträgt, zeigt eine Studie kanadischer Wissenschaftler. Diese ergab nämlich, dass telemedizinische Konsultationen bei Kindern im Alter von drei Monaten bis 17 Jahren mit einem höheren Risiko für einen Folgebesuch in einer Notaufnahme innerhalb von drei Tagen verbunden waren als persönliche Arztbesuche. Um herauszufinden, welchen Einfluss die virtuelle Versorgung auf die anschließende Inanspruchnahme der Notaufnahme durch Kinder hat, analysierte das kanadische Forscherteam mehr als 2,6 Millionen Kontakte mit der pädiatrischen Primärversorgung im Zeitraum September 2020 bis März 2024. Dafür teilten die Forschenden die Kinder in drei Altersgruppen ein: null bis drei Monate, drei Monate bis zwei Jahre und zwei bis 17 Jahre. Wahrscheinlichkeit für einen „dringenden“ Besuch in der Notaufnahme steigt Von 64.241 telemedizinischen Konsultationen bei Kindern im Alter von drei Monaten bis Jahren Jahren führten 2851 (4,4%) zu einer Nachsorge in der Notaufnahme. Von 218.479 persönlichen Konsultationen führten 7636 (3,5%) zu einer Nachsorge in der Notaufnahme. Virtuelle Arztbesuche waren zudem mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für einen „dringenden“ Besuch in der Notaufnahme verbunden (2,5% vs. 1,6%), jedoch mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für eine Krankenhauseinweisung oder einen Todesfall (0,2% vs. 0,4%). Kinder im Alter von zwei bis 17 Jahren, die telemedizinisch behandelt wurden, wiesen im Vergleich zu persönlich behandelten ebenfalls ein erhöhtes Risiko für einen nachfolgenden Notaufnahmebesuch auf, wenn ein Modell verwendet wurde, das demografische Faktoren, mögliche zukünftige Besuche im Zusammenhang mit der ursprünglichen Erkrankung und andere Faktoren berücksichtigte (bereinigtes Risikoverhältnis 1,19; 95%-KI 1,15–1,24). Bei Kindern unter drei Monaten wurde kein signifikanter Unterschied bei den Notaufnahmen festgestellt (2,9% bei virtuellen Konsultationen gegenüber 2,8% bei persönlichen Konsultationen). „Während die meisten (>97%) Kinder, die wegen einer Erkrankung in der Primärversorgung behandelt werden, letztendlich nicht innerhalb von 3 Tagen eine Notaufnahme aufsuchen, deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass (…) persönliche Konsultationen einen kleinen Vorteil bieten könnten, um die gesundheitlichen Probleme eines Kindes angemessen anzugehen“, schreiben die Autoren. Videosprechstunden geben Eltern weniger Sicherheit Die Ergebnisse stehen im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, die zeigten, dass erwachsene Patienten nach Telemedizin-Konsultationen ebenso häufig oder seltener die Notaufnahme aufsuchen. „Einige wichtige Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern könnten erklären, warum unsere Ergebnisse abweichen“, schrieben die Autoren. Sie vermuteten, dass bestimmte Symptome wie Atemnot oder Anzeichen von Dehydrierung während eines Video- oder Audioanrufs schwer zu erkennen sein könnten. Außerdem schreiben sie: „Eine Konsultation, bei der keine körperliche Untersuchung stattfindet, gibt Betreuungspersonen möglicherweise nicht die nötige Sicherheit, weshalb sie in der Notaufnahme eine zweite Meinung suchen.“ Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass bei der Festlegung von Telemedizin-Richtlinien die besonderen Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt werden sollten. (ej/BIERMANN)
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