|
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
hohe Hygienestandards haben dazu geführt, dass wir viel weniger Kontakt zu pathogenen Keimen haben. In Verbindung mit Impfungen und Antibiotika durchleben wir heutzutage weit weniger Infektionskrankheiten als noch vor einigen Jahrzehnten. Der Preis dafür ist jedoch, dass sich unser Immunsystem in einem quasi untrainierten Zustand befindet und eigentlich harmlose Expositionen, beispielsweise gegenüber Pollen oder bestimmten Nahrungsmitteln, bei immer mehr Kindern und Jugendlichen eine pathologische Reaktion auslösen. Dass der Kontakt zu Tieren in der Kindheit – sei es durch ein Haustier oder in der Landwirtschaft – Allergien verhindern kann, ist längst bekannt. Nun liefern Forschende aus Yale (USA) eine mögliche Erklärung für den sogenannten Bauernhofeffekt. Danach führt die frühe, vielfältige Antigenexposition zu einem kreuzreaktiven Immungedächtnis, das Immunantworten von IgE-getriebenen Überreaktionen hin zu tolerierenden IgG-Antworten verschiebt.
Parallel zu den Arbeiten in Yale haben zwei neue Studien aus Dänemark und Deutschland die Mechanismen genauer untersucht, die allergische Erkrankungen antreiben. Das Forschungsteam hat die Funktionsweise von IgE auf molekularer Ebene beschrieben und zugleich eine neue Möglichkeit demonstriert, allergische Reaktionen zu blockieren. Mit maßgeschneiderten Antikörpern konnten die Forschenden Allergene gezielt blockieren, bevor Mastzellen überhaupt aktiviert werden. Damit wird die passive Immuntherapie statt jahrelanger Hyposensibilisierung zu einer potenziellen neuen Therapieoption.
Eine nicht IgE‑vermittelte Form der Nahrungsmittelallergie, die bereits im Säuglingsalter entsteht und zu schwerem Erbrechen, Diarrhö und Kreislaufsymptomen führen kann, ist das seltene Food-Protein‑Induced-Enterocolitis-Syndrom (FPIES). Nun haben Forschende aus Schweden bei betroffenen Kindern ein deutlich abweichendes Darmmikrobiom identifiziert. Damit liefert die Studie nicht nur neue Erkenntnisse zu dem Zusammenhang zwischen der frühen Darmmikrobiota und der Entwicklung allergischer Erkrankungen, sondern stärkt auch die Sichtweise, dass frühe biologische Faktoren langfristige Konsequenzen für die Gesundheit von Kindern haben können.
Eine aufschlussreiche Lektüre und ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
|