Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Regeln sind wichtiger Bestandteil unseres Lebens – privat, beruflich und gesellschaftlich. So sorgen sie beispielsweise dafür, dass Abläufe reibungslos und effizient funktionieren. Und sie helfen, Gefahren zu minimieren und die Sicherheit von Individuen und Gemeinschaften zu gewährleisten. Im medizinischen Kontext sind hierfür vor allem Hygieneregeln von besonderer Bedeutung. Zu diesen zählt beispielsweise die Vorgabe, bei Kontakt mit Frühgeborenen Schutzkleidung und Handschuhe zu tragen, um die Übertragung von Keimen zu verhindern. Die Umsetzung dieser Vorschrift ist allerdings zeitintensiv und verursacht viel Müll, weshalb eine deutsche Forschergruppe der Frage nachgegangen ist, ob diese erweiterten Barrieremaßnahmen tatsächlich einen klaren Vorteil gegenüber konsequenter Händehygiene bieten. Die Ergebnisse der BALTIC-Studie mit mehr als 10.000 Frühgeborenen sind eindeutig: Die zusätzlichen Schutzmaßnahmen schützen die Kinder nicht besser vor schweren Blutinfektionen als eine konsequente und sorgfältige Desinfektion der Hände.
Keine Regel, aber eine deutliche Empfehlung gilt seit 2016 in Australien: Dort sollen Eltern bereits im ersten Lebensjahr ihres Kindes Eier in den Speiseplan einführen. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass es sich lohnt, sich an diese Empfehlung zu halten: So ist die Inzidenz der Hühnereiweißallergie in Down under von 9,2 Prozent im Zeitraum vor der Leitlinienempfehlung auf 7,6 Prozent in den Jahren 2018–2019 gesunken – ein Rückgang um 17 Prozent. Bei Säuglingen mit Atopischer Dermatitis, die ein bekannter Risikofaktor für Nahrungsmittelallergien ist, war der Effekt einer frühen Exposition ebenfalls spürbar. In dieser Gruppe ging der Anteil der Kinder mit Hühnereiweißallergie von 35 Prozent auf 22 Prozent zurück.
Damit zeigen die aktuellen Studienergebnisse, dass es wichtig und sinnvoll ist, sich an Empfehlungen und Regeln zu halten. Genauso sinnvoll kann es aber auch sein, Regeln hin und wieder auf ihre Sinnhaftigkeit zu hinterfragen und neue Wege auszuprobieren – allerdings nicht einfach munter drauf los, sondern mit Bedacht und Konzept.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein entspanntes Wochenende sowie eine aufschlussreiche Lektüre dieser und weiterer interessanter Neuigkeiten in unserem Newsletter!
|