Weniger Narkosen bei Kindern: Neues MRT-Konzept soll Versorgung verändern

Untersuchungen im Magnetresonanztomographen sind für Kinder schwer zu bewältigen, viele benötigen eine Narkose. Symbolbild. (Foto: © luuuusa -stock.adobe.com)

Viele Kinder benötigen für eine MRT-Untersuchung noch immer eine Narkose. Das Projekt KidsMRI hat hierfür einen Lösungsansatz entwickelt, der nun erprobt werden soll. Dafür hat die Mainzer Universitätsmeidzin einen Antrag beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) eingereicht.

„Unser Ziel ist es, Kindern die MRT-Untersuchung so stressfrei wie möglich zu ermöglichen – ohne Narkose und möglichst wohnortnah“, erklärt Prof. Ahmed Othman, Geschäftsführender Oberarzt für Radiologie & Neuroradiologie an der Universitätsmedizin Mainz, der das Projekt leitet. „Dafür kombinieren wir medizinische, pädagogische und technische Ansätze zu einem neuen Versorgungskonzept“, ergänzt PD. Dr. Haidara Al Mansour, Facharzt für Radiologie an der Universitätsmedizin Mainz und stellvertretender Leiter des Projektes.

Da die Magnetresonanztomographie (MRT) ohne ionisierende Strahlung auskommt, gilt sie für Kinder als grundsätzlich gut geeignet. In der Praxis zeigt sich jedoch ein zentrales Problem: Während der Untersuchung müssen die Patientinnen und Patienten vollkommen stillliegen – was insbesondere jüngeren Kindern oft schwerfällt.

Deshalb erhalten viele Kinder bis zum Alter von etwa acht Jahren eine Narkose. Diese ist nicht nur mit medizinischen Risiken verbunden, sondern bindet auch personelle und technische Ressourcen und führt dazu, dass viele MRT-Untersuchungen derzeit überwiegend im stationären Setting stattfinden. Ambulante Angebote sind bislang selten – mit Folgen für Kapazitäten, Wartezeiten und die wohnortnahe Versorgung. Besonders betroffen sind dabei Kinder mit chronischen Erkrankungen, die regelmäßig auf bildgebende Diagnostik angewiesen sind.

Vorbereitung, Betreuung und Technik kombinieren

Spielerische Vorbereitung auf die MRT-Untersuchung: Im Rahmen des Projekts KidsMRI sollen Kinder mit altersgerechten Trainings- und Betreuungskonzepten an die Untersuchung herangeführt werden. (Foto: © Katja Beiser / Universitätsneuroradiologie Mainz)

Hier setzt das geplante Projekt KidsMRI an. Ziel ist es, ein Konzept zu erproben, mit dem Kinder ab etwa vier Jahren auch ohne Narkose untersucht werden können. Der Ansatz kombiniert mehrere Bausteine: Die Kinder werden bereits zu Hause mit altersgerechten Materialien auf die Untersuchung vorbereitet. In der Praxis oder Klinik begleiten speziell geschulte Fachkräfte den Prozess spielerisch. Zudem wird die Untersuchungsumgebung kindgerecht gestaltet. Ergänzend kommen beschleunigte MRT-Sequenzen zum Einsatz, die die Untersuchungsdauer deutlich verkürzen sollen.

Nächster Schritt: Umsetzungsphase

Das Projekt KidsMRI hat bereits für eine Konzeptentwicklungsphase einen Zuschlag vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten und in dieser Phase die strukturierte neue Versorgungsform und einen Vollantrag ausgearbeitet. Über diesen wird bis November 2026 entschieden. Die Mainzer planen eine größere Studie mit rund 500 Kindern, in der geprüft werden soll, ob und wie sich der Ansatz im Versorgungsalltag umsetzen lässt. Dabei geht es vor allem um die diagnostische Qualität der Untersuchungen, Belastung von Kindern und Eltern, gesundheitsökonomische Aspekten sowie die praktische Umsetzbarkeit im klinischen und ambulanten Setting.

„Unser Projekt adressiert ein zentralesVersorgungsproblem. Mit der Breite des Konsortiums und der Einbindung von Krankenkassen haben wir eine belastbare Grundlage geschaffen, um das Konzept systematisch zu evaluieren“, ist Othman überzeugt. „Wir sind zuversichtlich, dass unser Ansatz einen relevanten Beitrag zur Weiterentwicklung der Versorgung leisten kann.“

Konsortium aus Versorgung, Wissenschaft, Kostenträgern und Patientenvertretungen

Koordiniert wird das Projekt von der Universitätsmedizin Mainz. Beteiligt sind darüber hinaus radiologische Einrichtungen aus Klinik und Praxis, wissenschaftliche Partner aus Biometrie, Psychologie und Pädagogik sowie gesetzliche Krankenkassen und Patientenvertretungen. Ziel ist eine praxisnahe Entwicklung mit Blick auf eine Überführung in die Regelversorgung.
Zusätzlich werden die Deutsche Röntgengesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie das Vorhaben fachlich begleiten und ihre Expertise in die Bewertung des Konzepts einbringen.

Perspektive: Bessere Versorgung, weniger Belastung

Ziel des Projekts ist ein Versorgungskonzept, das MRT-Untersuchungen bei Kindern künftig häufiger ohne Narkose ermöglicht. Damit könnten Belastungen für Kinder und Familien reduziert und zugleich neue Spielräume für eine ambulante, wohnortnahe Diagnostik geschaffen werden.