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Liebe Leserinnen und Leser,
wer schon einmal selbst im Labor experimentell mit menschlichen Blutproben gearbeitet hat, kennt das Problem: Um einen Unterschied zwischen zwei oder mehr Konditionen ausmachen zu können, wird meist ein deutlich größeres N benötigt als in Tierversuchen. Ansonsten können die hohe Variation und entsprechend wilde Fehlerbalken einem (Doktoranden) durchaus das Leben schwer machen.
Doch die Heterogenität von Blutproben scheint weitaus komplexer als gedacht. Ein Forschungsteam des Exzellenzclusters Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen (PMI) hat die natürlichen Schwankungen der Genaktivität bei Menschen untersucht. Sie fanden heraus, dass für rund 85 Prozent der untersuchten Gene die Veränderungen über die Zeit deutlich größer sind als die Unterschiede zwischen zwei Individuen. Dabei spielen sowohl die Jahres- als auch die Tageszeit eine Rolle. Außerdem fielen die zeitlichen Schwankungen bei weiblichen Personen stärker aus als bei männlichen. Zwar hatten die Forschenden mit dieser Beobachtung gerechnet – allerdings scheint der Menstruationszyklus den Zusammenhang nicht vollständig zu erklären. Der Effekt blieb nämlich auch nach der Menopause bestehen.
Immunologische Gene, insbesondere B- und T-Zell-Gene, blieben den Daten zufolge hingegen weitgehend stabil. Das Prinzip eines individuellen „immunologischen Fingerabdrucks“ hat demnach Bestand. Dennoch fordern die Autorinnen und Autoren der aktuellen Studie, dass Geschlecht und zeitliche Variation vor allem in Biomarkerstudien stärkere Berücksichtigung finden. Bisherige Forschungsergebnisse seien zwar nicht zwingend falsch, betonen sie. Um sicherzustellen, dass Biomarker wirklich pathologische Zustände und Krankheitsverläufe präzise erfassen, sei jedoch ein Umdenken erforderlich: Mehrfachmessungen statt einmalige Blutabnahmen sowie die systematische Erfassung von Tages- und Jahreszeit der Blutabnahmen.
Eine weitere Studie deutet darauf hin, dass bei Populationen mit hoher Prävalenz des Sichelzellmerkmals zudem die Bestimmung des Hämoglobin-Genotyps sinnvoll sein könnte. Und zwar dann, wenn es um die Messung des HbA1c-Wertes beziehungsweise die Diagnose von Diabetes oder Prädiabetes geht. So scheint die Immunturbidimetrie im Vergleich zur HPLC den HbA1c-Wert bei Menschen mit Sichelzellmerkmal (HbAS) nämlich deutlich zu unterschätzen.
Unterschätzen sollten wir auch weiterhin nicht die extreme Belastung durch die anhaltende Hitze. Also passen Sie gut auf sich auf! Eine informative Lektüre wünscht
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