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Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt Urologie,
es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die künftige Regierung, wenn sie denn tatsächlich aus CDU/CSU und SPD gebildet wird, ein Primärarztsystem einführen will. Fachärzte sollen dann nur noch nach Erstkontakt bei einem Hausarzt aufgesucht werden können – es sei denn, die Fachgruppe ist selbst als Primärversorgerin definiert. Als solche sieht der Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) sein Fachgebiet. Wichtigstes Argument: Die von den angehenden Koalitionären angestrebte Prävention, bei der Prostatakrebs explizit genannt wird, ist kaum zu erreichen, wenn den Versicherten der Zugang zum Urologen auch noch erschwert wird. Auf dem 11. Fachärztetag des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschlands wurde das Thema Patientensteuerung ausführlich diskutiert. Außerhalb der Ärzteschaft trifft Insbesondere die Idee, durch einen Zusatztarif doch direkten Facharztzugang zu erhalten, auf Widerstand.
Im Bereich Prostatakrebs gibt es wichtige Meldungen: Die Konsultationsfassung der S3-Leitlinie Prostatakarzinom ist online. Die Überarbeitung enthält wesentliche Änderungen gegenüber der Vorversion. Ein aktuelles Forschungsprojekt unter deutscher Beteiligung zielt darauf ab, mithilfe molekularer Analysen und künstlicher Intelligenz Diagnostikverfahren bei Prostatakrebs weiterzuentwickeln. Ziel ist es, das Behandlungsparadoxon – Übertherapie bei klinisch insignifikanten, Untertherapie bei aggressiven Tumoren – durch bessere Diagnostik zu überwinden.
Beim Jahreskongress der European Association of Urology (EAU) vom 21. bis 24. März in Madrid (Spanien) gab es wieder ein Feuerwerk spannender Arbeiten. Häufig ging es dabei darum, den Patienten invasive oder unangenehme Diagnostik zu ersparen. Lesen Sie in unserem Newsletter, wie das bei so unterschiedlichen Gebieten wie Inkontinenz der Frau und Nierenzellkarzinom möglich werden könnte.
Eine spannende Lektüre und eine gute Woche wünscht Ihnen
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