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Totgesagte leben länger: Zwei Substanzen, die in der Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms eigentlich „out“ sind, Pazopanib und Bevacizumab, haben beim Kongress der European Society For Medical Oncology (ESMO) vom 13. bis 17. September in Barcelona (Spanien) ein erstaunliches Comeback gefeiert: Sie erreichten zusammen ein progressionsfreies Überleben von 23,3 Monaten. Wie die Studienautoren betonen, könnte die Kombination eine Option besonders für Patienten mit günstiger Prognose sein.
Negative Daten wurden hingegen auf dem ESMO-Kongress zur wiederholten Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom präsentiert – hiervon sollte den Wissenschaftlern zufolge abgeraten werden. Die Ergänzung der Behandlung mit dem VEGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor Tivozanib durch Nivolumab brachte bei Patienten, die bereits zuvor einen Immuncheckpoint-Inhibitor erhalten hatten, keinen Vorteil gegenüber der Tivozanib-Monotherapie.
Für das seltene Nierenzellkarzinom mit Fumarathydratase-Defizienz haben chinesische Wissenschaftler offenbar eine Option und einen Biomarker gefunden: Laut ihrer Studie ist die Aktivierung von Gedächtnis- und Effektor-T-Zellen mit dem Ansprechen auf eine Kombinationstherapie aus Immun-Checkpoint-Inhibitor und Tyrosinkinase-Inhibitor verbunden.
Neuigkeiten zur Prostatakarzinom-Diagnostik gibt es aus Österreich: Ein Forschungsteam der MedUni Wien hat mithilfe von maschinellem Lernen ein neues Verfahren entwickelt, um das Risiko einer Prostatakrebserkrankung zu beurteilen. Ob sich der aufwendige Ansatz aus Biopsie plus Multi-Omics mit einer AUC von 0,87 gegenüber 0,75 mit der alleinigen Biopsie aber durchsetzen wird, bliebt abzuwarten.
Nicht durchsetzen konnten sich bei den Verhandlungen zum Orientierungspunktwert offenbar die niedergelassenen Ärzte. Die Steigerung um 3,85 Prozent sei „ein Schlag ins Gesicht der ambulant tätigen Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands“, schäumt der Berufsverband der Deutschen Urologie. Die Patienten müssten sich auf „unvorstellbar lange Wartezeiten“ einstellen, so die dystopische Aussicht.
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