Ausgabe 34/2026

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Donnerstag, 20. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

zur Therapie des muskelinvasiven Blasenkarzinoms gibt es aktuell viele spannende, hochkarätig publizierte Studiendaten, die therapieverändernd wirken können. So sind im „New England Journal of Medicine“ die Ergebnisse der randomisierten Phase-III-Studie KEYNOTE-B15/EV-304 erschienen. Sie zeigen einen deutlichen Vorteil einer neuartigen perioperativen Kombinationstherapie gegenüber der neoadjuvanten Standardtherapie.

So weit, so klar. Die Autoren schlussfolgern jedoch auch, dass die hohe Komplettremissionsrate zum Zeitpunkt der Zystektomie einen Einstieg zur Testung organerhaltender Strategien öffnen könnte. In dieser Hinsicht hauen Galsky und Kollegen in die gleiche Kerbe wie zuvor schon Mellema et al. und Necchi et al. unter anderen Therapieregimen. Das bleibt nicht unwidersprochen: „Die zugegebenermaßen hohe Gesamtansprechrate von knapp 56 Prozent bedeutet eben immer noch einen Resttumor bei den verbleibenden 44 Prozent“, gibt KOMPAKT-UROLOGIE-Herausgeber Prof. Michael Stöckle zu bedenken. „Wie anders als durch Zystektomie will man einen Resttumor ausschließen, der sich in mikroskopischer Form unter abgeheilter Schleimhaut in tiefen Muskelschichten oder in Lymphspalten verstecken kann?“, fragt der frühere Generalsekretär und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Die Ergebnisse der radikalen Zystektomie werden nach Ansicht des Herausgebers in neueren Studien zu schlecht dargestellt, und er belegt dies mit einer ausführlichen Quellenrecherche. Sein Ergebnis: „Will man die organerhaltende Therapie jenseits einer hochselektonierten Gruppe von Patienten mit T2-Tumoren als Standard für alle muskelinvasiven Blasenkarzinome etablieren, dann hielte ich ein tumorspezifisches Überleben von etwa 65 Prozent für die Latte, die man überspringen muss, aber eben nicht nur nach fünf, sondern auch nach zehn oder 15 Jahren, weil organerhaltend therapierte Patienten ein lebenslanges Risiko für Tumorrezidiv und Tumortod behalten, während zystektomierte Patienten nach drei Jahren Rezidivfreiheit als vom Blasenkarzinom geheilt angesehen werden können“, so der ehemalige Direktor der urologischen Klinik des Universitätsklinikums des Saarlandes im Editorial der Print/ePaper-Ausgabe 4/2026, die morgen erscheint.

Lesen Sie außerdem zum Thema Zystektomie und Harnableitung, welche Alternative ein Colon-Conduit bieten kann. Im Bereich Infektiologie gibt es spannende neue Forschungsergebnisse zur Therapie von rezidivierenden Harnwegsinfektionen bei Frauen mittels Bakteriophagen und Darmbakterientransplantation sowie zu Risikofaktoren für Rezidive der bakteriellen Vaginose und vulvovaginalen Candidose. Zum Schluss finden Sie noch eine Metaanalyse aus der Andrologie zur optimalen Therapie bei epididymaler obstruktiver Azoospermie. Auch einen Blick auf die Personalien möchte ich Ihnen nahelegen, denn nach knapp zwei Jahren kommissarischer Leitung ist endlich eine Nachfolge für Prof. Michael Stöckle als Klinikdirektor an der „Wiege der deutschen Urologie“ gefunden worden.

Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre und eine gute Woche!

   

   Ihr
   Markus Schmitz
   Dipl.-Biol. Redaktion Urologie

 

 
 
Muskelinvasives Blasenkarzinom: Perioperative Kombinationstherapie schlägt neoadjuvante Standardtherapie

Muskelinvasives Blasenkarzinom: Perioperative Kombinationstherapie schlägt neoadjuvante Standardtherapie

In einer aktuellen Studie zur Therapie des muskelinvasiven Blasenkarzinoms schlägt die perioperative Gabe eines Antikörper-Wirkstoff-Konjugats gemeinsam mit einem Checkpoint-Inhibitor die bisherige neodadjuvante Chemotherapie vor einer radikalen Zystektomie.

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Methenaminhippurat: Wirkstoffprofil für die Urologie

Methenaminhippurat (z. B. Cystohipp®) kann als antibiotikasparende Option zur HWI-Rezidivprophylaxe beitragen. Der Wirkstoff entfaltet im sauren Urin eine lokale antiseptische Wirkung – ohne relevante Resistenzentwicklung und mit hoher Relevanz für die urologische Praxis. Mehr über den Wirkstoff erfahren? Hier entlang!

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Colon-Conduit als Option für die Harnableitung

Die Verwendung von Colon bleibt eine wichtige Option für die chirurgische Harnableitung, wenn die Verwendung von Ileum klinisch nicht möglich ist. Zu diesem Schluss kommen US-Urologen in einer retrospektiven Studie.

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Aktuelle Print/ePaper-Ausgabe:

Für die Print/ePaper-Ausgabe 4/2026 von KOMPAKT UROLOGIE hat Herausgeber Prof. Michael Stöckle 28 aktuelle Top-Studien aus der internationalen Literatur herausgesucht, die wir für sie in deutscher Sprache zusammengefasst haben. Schwerpunkt ist diesmal die Niere, insbesondere das Nierenzellkarzinom, für das neue Therapien am Horizont sichtbar werden. Weitere Studien beleuchten den Zusammenhang von Nierenkrebs und Adipositas, was der Herausgeber ausführlich kommentiert. Doch auch Themen wie Blasen- und Prostatakrebs erhalten im neuen Heft breiten Raum.

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Jenseits von Antibiotika: ein neuer Ansatz zur Behandlung von Harnwegsinfektionen

Jenseits von Antibiotika: ein neuer Ansatz zur Behandlung von Harnwegsinfektionen

Ein Forschungsteam aus der Schweiz und Deutschland hat den kombinierten Einsatz von Phagen- und Darmfloratransplantationstherapie zur Behandlung von Patientinnen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen, die auf herkömmliche Therapien nicht ansprechen, untersucht.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Bestimmung der Langzeitinzidenz urethraler Komplikationen nach der Behandlung von Prostata­krebs: Eine populationsbasierte Analyse.
J Urol 07.08.2026

Behandlung von Hitzewallungen bei Männern mit Prostatakarzinom unter Androgendeprivations­therapie.
Prostate 02.08.2026

Ergebnisse der Radium-223-Therapie bei metastasiertem kastrationsresistentem Prostata­karzinom in der klinischen Praxis: Prädiktiver Wert der PSA-Verdopplungszeit und der Fortführung der Enzalutamid-Behandlung.
Int J Urol 2026;33(8):e70591.

 
 

Risikofaktoren für Rezidive der bakteriellen Vaginose und vulvovaginalen Candidose

Eine retrospektive Studie aus Australien zeigt, welche Faktoren mit bakterieller Vaginose und vulvovaginaler Candidose sowie insbesondere den häufigen Rezidiven bei diesen Infektionen assoziiert sind.

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Obstruktive Azoospermie: Gute Erfolge mit longitudinaler Intussuszeptions-Vasoepididymostomie

Obstruktive Azoospermie: Gute Erfolge mit longitudinaler Intussuszeptions-Vasoepididymostomie

Eine Metaanalyse aus China bestätigt die Wirksamkeit der mikrochirurgischen Vasoepididymostomie (MVE) bei epididymaler obstruktiver ­Azoospermie (EOA). Dabei hat die longitudinale Intussuszeptions-Vasoepididymostomie (IVE) die End-zu-End- beziehungsweise End-zu-Seite-Techniken (EE/ES) abgelöst.

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PERSONALIEN:

Prof. Steffen Rausch, bisher stellvertretender Direktor der Tübinger Universitätsklinik für Urologie, ist seit 17. August 2026 neuer Direktor der urologischen Klinik am Universitäts­klinikum des Saarlandes.
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Ex-US-Präsident Joe Biden kämpft weiter gegen seinen Prostatakrebs. Wie Sohn Hunter berichtet, hat der Krebs Knochenmetastasen entwickelt.
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TERMINE:

Planung und Implementierung digitaler Prozesse in der Facharztpraxis
1. September 2026
online

82. Jahreskongress der Schweizerischen Gesellschaft für Urologie
2.–4. September 2026
St. Gallen (Schweiz)

29. Bamberger Gespräche: Blasenfunktionsstörungen in der Praxis
5. September 
Bamberg

 
 

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