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Liebe Leserinnen und Leser,
zur Therapie des muskelinvasiven Blasenkarzinoms gibt es aktuell viele spannende, hochkarätig publizierte Studiendaten, die therapieverändernd wirken können. So sind im „New England Journal of Medicine“ die Ergebnisse der randomisierten Phase-III-Studie KEYNOTE-B15/EV-304 erschienen. Sie zeigen einen deutlichen Vorteil einer neuartigen perioperativen Kombinationstherapie gegenüber der neoadjuvanten Standardtherapie.
So weit, so klar. Die Autoren schlussfolgern jedoch auch, dass die hohe Komplettremissionsrate zum Zeitpunkt der Zystektomie einen Einstieg zur Testung organerhaltender Strategien öffnen könnte. In dieser Hinsicht hauen Galsky und Kollegen in die gleiche Kerbe wie zuvor schon Mellema et al. und Necchi et al. unter anderen Therapieregimen. Das bleibt nicht unwidersprochen: „Die zugegebenermaßen hohe Gesamtansprechrate von knapp 56 Prozent bedeutet eben immer noch einen Resttumor bei den verbleibenden 44 Prozent“, gibt KOMPAKT-UROLOGIE-Herausgeber Prof. Michael Stöckle zu bedenken. „Wie anders als durch Zystektomie will man einen Resttumor ausschließen, der sich in mikroskopischer Form unter abgeheilter Schleimhaut in tiefen Muskelschichten oder in Lymphspalten verstecken kann?“, fragt der frühere Generalsekretär und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie.
Die Ergebnisse der radikalen Zystektomie werden nach Ansicht des Herausgebers in neueren Studien zu schlecht dargestellt, und er belegt dies mit einer ausführlichen Quellenrecherche. Sein Ergebnis: „Will man die organerhaltende Therapie jenseits einer hochselektonierten Gruppe von Patienten mit T2-Tumoren als Standard für alle muskelinvasiven Blasenkarzinome etablieren, dann hielte ich ein tumorspezifisches Überleben von etwa 65 Prozent für die Latte, die man überspringen muss, aber eben nicht nur nach fünf, sondern auch nach zehn oder 15 Jahren, weil organerhaltend therapierte Patienten ein lebenslanges Risiko für Tumorrezidiv und Tumortod behalten, während zystektomierte Patienten nach drei Jahren Rezidivfreiheit als vom Blasenkarzinom geheilt angesehen werden können“, so der ehemalige Direktor der urologischen Klinik des Universitätsklinikums des Saarlandes im Editorial der Print/ePaper-Ausgabe 4/2026, die morgen erscheint.
Lesen Sie außerdem zum Thema Zystektomie und Harnableitung, welche Alternative ein Colon-Conduit bieten kann. Im Bereich Infektiologie gibt es spannende neue Forschungsergebnisse zur Therapie von rezidivierenden Harnwegsinfektionen bei Frauen mittels Bakteriophagen und Darmbakterientransplantation sowie zu Risikofaktoren für Rezidive der bakteriellen Vaginose und vulvovaginalen Candidose. Zum Schluss finden Sie noch eine Metaanalyse aus der Andrologie zur optimalen Therapie bei epididymaler obstruktiver Azoospermie. Auch einen Blick auf die Personalien möchte ich Ihnen nahelegen, denn nach knapp zwei Jahren kommissarischer Leitung ist endlich eine Nachfolge für Prof. Michael Stöckle als Klinikdirektor an der „Wiege der deutschen Urologie“ gefunden worden.
Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre und eine gute Woche!
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