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Liebe Leserinnen und Leser,
die finalen Überlebensergebnisse der TALAPRO-2-Studie wurden kürzlich in „The Lancet“ höchstrangig publiziert. Es zeigten sich statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserungen im radiologischen progressionsfreien wie auch im Gesamtüberleben bei den Patienten, die zusätzlich zu Enzalutamid den PARP-Inhibitor Talazoparib erhalten hatten, dessen Therapierationale auf das DNA-Reparatursystem abzielt. Das Erstaunliche: Auch Patienten ohne Defekte in den DNA-Reparaturgenen konnten in gewissem Maße profitieren. Wenn man gar nicht erst eine Genanalyse vorschalten müsste, um geeignete Patienten herauszufiltern, würde dies natürlich die Therapie vereinfachen (und den Hersteller freuen). Doch ist der Nutzen dafür wirklich groß genug? KOMPAKT-UROLOGIE-Herausgeber Prof. Michael Stöckle ist skeptisch und zeigt sich in der aktuellen Ausgabe von den Überlebenskurven des Patientenkollektivs ohne DNA-Reparaturdefizite wenig überzeugt. Er warnt davor, sich nun wieder von dem personalisierten therapeutischen Ansatz einer zielgerichteten Therapie zu entfernen.
Diskussionsbedarf besteht auch bei der Organspende: Eine aktuelle Studie ergibt, dass sich die Zahl der Organe durch eine Widerspruchsregelung, wie sie etwa die Deutsche Gesellschaft für Urologie befürwortet, nicht zwangsläufig erhöhen würde. Als Grund führen die Wissenschaftler Verdrängungseffekte zuungunsten der Lebendspenden an. Letztere sollen künftig leichter möglich werden, wie das Bundeskabinett kürzlich beschlossen hat. Die Bundesärztekammer begrüßt den Entschluss. Ob die Möglichkeit von Überkreuz-Lebendspenden aber den Verlust wettmacht, den die genannte Studie errechnet, kann bezweifelt werden.
Eine aufschlussreiche Lektüre und eine gute Woche wünscht Ihnen
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