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Liebe Leserinnen und Leser,
die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) liefert weiterhin Diskussionsstoff. In einer aktuellen Mitteilung spricht sich die Bundestierärztekammer (BTK) dafür aus, die GOT im Zuge der anstehenden Evaluation sachgerecht weiterzuentwickeln – nicht aber, sie im Kern infrage zu stellen. Denn sie schützt in aller erster Linie die Tierhaltenden, so die BTK. Besser begründbar als eine einmalige Anhebung wäre sicher eine regelmäßige jährliche Anpassung der Gebührenhöhe: „Denn planbare, schrittweise Anpassungen schützen Tierhaltende besser als sprunghafte Erhöhungen nach langen Zeiträumen.“ Tatsächlich hatte der sprunghafte Anstieg der GOT im Jahr 2022 viele Tierhaltende unvorbereitet getroffen. Und wenn wir uns den Standpunkt des Deutschen Tierschutzbundes ansehen, stellen wir fest, dass dieser vieles ähnlich sieht. So betrachtet der Tierschutzbund nicht die Änderungen der GOT als Auslöser des Grundproblems: Die GOT sei eine wichtige Maßnahme, um Tierarztpraxen, Kliniken und Notdienste flächendeckend zu erhalten. Weil sie aber mit höheren Kosten etwa für Futter und Energie zusammenfiel, habe sie Tierheime, Tierschutzvereine und Tierhalter hart getroffen. Doch es liegt in keines Tierarztes Interesse, dass ausgerechnet die Tierheime die gestiegenen Tierarztkosten ausbaden müssen. Ich denke, da sind sich alle Beteiligten einig. Tierheime und Tierärzte sitzen im gleichen Boot. Sie wollen, dass es Tieren gut geht.
Meines Erachtens ist der Staat hier in der Pflicht, einen Ausgleich zu schaffen. Und zwar nicht, indem er die GOT abschafft, sondern indem er die Tierheime unterstützt. Eine zentrale Frage ist doch, wie die Leistungsfähigkeit von Tierarztpraxen aufrechterhalten werden kann und gleichzeitig der Tierschutz gestärkt wird. Wäre die Einführung staatlich vorgeschriebener Tierkrankenversicherungen nicht ein guter Hebel? Die Verantwortung bei denen belassen, bei denen sie letzten Endes liegen muss: Bei den Menschen, die sich für die Haltung eines Tieres entschieden haben. Eine Studie der Vetmeduni Wien (Österreich) bringt hier einen interessanten Aspekt mit in die Debatte ein. Das internationale Team von Wissenschaftlern hat festgestellt, dass nicht das Einkommen darüber entscheidet, ob Tierhaltende in die Behandlung ihres Tieres investieren, sondern in aller erster Linie die Tierliebe.
Darüber hinaus, was können Tierärzte tun, um sich ins rechte Licht zu setzen, wie dies den humanmedizinschen Kollegen so vortrefflich gelingt? Braucht es die Realität ebenso maximal verklärende Fernsehserien? Manchmal frage ich mich, was wäre, wenn alle Tierärzte an einem einzigen Tag ihre Tätigkeit niederlegen würden und in den Streik gingen? Von der Lebensmittelüberwachung bis hin zur Notfallversorgung für den Hamster? Von den Veterinärämtern bis in die Forschungseinrichtungen? Dann würde klar werden, wieviel Arbeit Tierärzte tagtäglich stemmen und auch wieviel ein einzelner im Stande ist zu leisten. Ist es nicht an der Zeit, Tierärzten die Anerkennung zukommen zu lassen, die sie verdienen? In Worten, in Zahlen, aber vor allem in mitmenschlichem Respekt.
Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre und eine sonnige Woche!
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