Niedrige Übertragungsrate von SARS-CoV-2 in australischen Schulen29. Dezember 2020 © Syda Productions – stock.adobe.com (Symbolbild) Schulschließungen zum Zwecke der Infektionskontrolle im Rahmen der COVID-19-Pandemie sind umstritten, empirische Daten zur SARS-CoV-2-Übertragung bei Kindern und in Bildungseinrichtungen gibt es nur wenige. Eine australische Arbeitsgruppe hat sich der Frage nach dem Sinn und Nutzen einer solchen Maßnahme angenommen. In ihrer Studie stellten die Wissenschaftler fest, dass die SARS-CoV-2-Übertragungsraten in Bildungseinrichtungen im australischen Bundesstaat New South Wales (NSW; inkl. Einrichtungen für frühkindliche Bildung und Betreuung [FBBE]) während der ersten COVID-19-Epidemiewelle niedrig waren. Dies stimmte mit einer leichten und nur selten auftretenden COVID-19-Erkrankung bei 1,8 Mio. Kindern überein. Mit effektiven Fall-Kontakt-Tests und Strategien zum Epidemiemanagement und der damit verbundenen geringen Anzahl von Unterrichtsteilnehmern im Falle einer Infektion trugen Kinder und Lehrer durch den Schulbesuch nicht wesentlich zum Infektionsgeschehen bei, wie die Forscher berichten. Eingeschlossen in die Analyse wurden laborbestätigte pädiatrische (Alter ≤18 Jahre) und erwachsene COVID-19-Patienten, die ab dem 25.01. und bis zum 10.04.2020 in NSW eine Schule oder eine FBBE besuchten, während sie als infektiös eingestuft wurden (definiert als 24 h vor Auftreten der Symptome basierend auf nationalen Richtlinien während des Studienzeitraumes). Sie wurden auf eine Weiterverbreitung des Virus hin beobachtet. Alle identifizierten engen Kontakte im Kontext von Schule oder FBBE mussten sich für 14 Tage in Quarantäne begeben. Sie wurden überwacht und man bot ihnen einen Test zur Detektion von SARS-CoV-2-Nukleinsäure an, sofern bei ihnen Symptome auftraten. Zu den erweiterten Untersuchungen in ausgewählten Bildungseinrichtungen gehörten Tests auf SARS-CoV-2-Nukleinsäure und Antikörper bei symptomatischen und asymptomatischen Kontaktpersonen. Sekundärangriffsraten wurden berechnet und mit den landesweiten COVID-19-Raten verglichen. In 15 Schulen und 10 FBBE-Einrichtungen nahmen 12 Kinder und 15 Lehrer bzw. Erzieher am Unterricht teil, während sie infektiös waren; in der Folge wurden 1448 Kontaktpersonen überwacht. Bei 633 von ihnen (43,7%) wurden Tests auf SARS-CoV-2-Nukleinsäure oder -Antikörper oder beides durchgeführt. Dadurch konnten 18 Sekundärfälle ermittelt werden (Angriffsrate 1,2%). In 3 Schulen wurden 5 Sekundärfälle (3 Kinder; 2 Erwachsene) identifiziert (Angriffsrate 0,5%; 5/914). In 9 von 10 FBBE-Einrichtungen trat unter 497 Kontaktpersonen keine Sekundärübertragung auf. Bei einem Ausbruch in einer FBBE-Einrichtung kam es jedoch zu einer Übertragung des Virus auf 6 Erwachsene und 7 Kinder (Angriffsrate 35,1%; 13/37). Über alle Settings betrachtet verliefen 5 (28,0%) von 18 Fällen einer Sekundärinfektion asymptomatisch (3 Säuglinge [alle im Alter von 1 Jahr], 1 Jugendlicher [15 Jahre] und 1 Erwachsener). Fazit Die SARS-CoV-2-Übertragungsraten waren in Bildungseinrichtungen im australischen Bundesstaat New South Wales während der ersten COVID-19-Epidemiewelle niedrig. Dies stimmte mit einer leichten und nur selten auftretenden COVID-19-Erkrankung bei 1,8 Mio. Kindern überein. (ac) Autoren: Macartney K et al. Korrespondenz: Kristine Macartney; [email protected] Studie: Transmission of SARS-CoV-2 in Australian educational settings: a prospective cohort study Quelle: Lancet Child Adolesc Health 2020;4(11):807–816. Web: https://doi.org/10.1016/S2352-4642(20)30251-0
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