Nierentransplantation: Neuer Ansatz zur Vorhersage der Eignung von Spendern und Empfängern entwickelt

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Laut einer Studie der Universität Pittsburgh, USA, können im Rahmen von Nierentransplantationen SIRP-alpha-Fehlpaarungen zu Abstoßungen, vorzeitiger Narbenbildung und Transplantatversagen beitragen.

Die neue Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“, beschreibt ein neuartiges Instrument zur Stratifizierung des Abstoßungsrisikos in Form eines Zelloberflächenrezeptors namens SIRP-alpha, der auf Monozyten vorkommt. Die Forschung baut auf einer 2017 in der Fachzeitschrift „Science Immunology“ veröffentlichten Studie auf. Darin wurde festgestellt, dass SIRP-alpha an der Unterscheidung zwischen körpereigenen und nicht-körpereigenen Zellen bei Mäusen beteiligt ist.

In der neuen Studie wurden nun Hinweise darauf gefunden, dass ähnliche SIRP-alpha-Fehlpaarungen zu Transplantatabstoßungen, vorzeitiger Narbenbildung und Transplantatversagen beim Menschen beitragen. Die Ergebnisse legen laut den Autoren nahe, dass die Übereinstimmung der SIRP-alpha-Gene zwischen Spendern und Empfängern ein wichtiges klinisches Instrument zur Risikostratifizierung und letztendlich zur Verbesserung der Transplantationsergebnisse sein könnte.

Beurteilung des Abstoßungsrisikos

Die Forscher stellten zunächst den Zusammenhang zwischen SIRP-alpha-Fehlpaarungen und einer stärkeren Abstoßung bei Mäusen fest und untersuchten anschließend Tausende menschlicher Genome aus öffentlich zugänglichen Datenbanken. Sie kategorisierten die zehn am häufigsten vorkommenden SIRP-alpha-Genvarianten in zwei Gruppen, die sie A und B nannten. Anschließend verglichen sie 455 Spender-Empfänger-Paare aus Transplantationen, die am UPMC durchgeführt wurden.

Dabei zeigte sich, dass bei nicht übereinstimmendem SIRP-Alpha-Typ – also wenn einer A und einer B hatte – häufiger eine frühe akute Transplantatabstoßung, mehr Narbenbildung und schlechtere langfristige Transplantationsergebnisse auftraten als bei übereinstimmenden Transplantaten. Sie validierten diese Ergebnisse auch in einer unabhängigen Kohorte von 258 Nierentransplantat-Spender-Empfänger-Paaren der Northwestern University, USA.

Ergänzung des HLA-Abgleichs

Die Forscher sind der Ansicht, dass der SIRP-Alpha-Test den HLA-Abgleich bei Nierentransplantationen ergänzen, aber nicht ersetzen könnte. „Der Test auf den SIRP-Alpha-Typ könnte Ärzten zusätzliche Unterstützung bei der Stratifizierung des Abstoßungsrisikos bei Transplantationspatienten bieten“, kommentiert der Letztautor Aravind Cherukuri. „Er könnte uns helfen, eine Patientengruppe zu identifizieren, die von einer verstärkten Immunsuppression profitieren könnte. Das ist spannend, denn es ist ein Schritt in Richtung einer personalisierten Immunsuppression.“

Nach eigenen Angaben wollen die Forscher nun untersuchen, ob Therapeutika, die auf Monozyten abzielen, wie etwa Kortikosteroide, die Ergebnisse von Nierentransplantationen verbessern könnten, wenn bei Spendern und Empfängern eine SIRP-Alpha-Fehlpaarung vorliegt.