Nocebo-Effekt bei Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität?9. Mai 2024 © Andrey Popov – stock.adobe.com (Symbolbild) Viele Menschen ohne Zöliakie oder Weizenallergie reduzieren ihren Glutenkonsum, weil sie glauben, dass Gluten ihre gastrointestinalen Symptome verursacht. Die Symptome könnten durch eine negative Erwartungshaltung beeinflusst werden. Daher untersuchte nun ein internationales Team die Auswirkungen der Erwartungshaltung vs. tatsächlichen Glutenkonsum auf die Symptome bei Menschen mit Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NCGS). Alle Probanden mussten vor (und während) der Teilnahme ≥1 Woche lang eine glutenfreie oder reduzierte Diät einhalten und durften dabei symptomfrei oder nur leicht symptomatisch sein (Gesamtwert der gastrointestinalen Symptome ≤30 mm auf der visuellen Analogskala [VAS]). Es gab 4 Studiengruppen, in der basierend auf der Erwartung glutenhaltiges (E+) oder glutenfreies (E−) Haferbrot zum Frühstück und zum Mittagessen verzehrt wurde (jeweils 2 Scheiben) sowie auf dem tatsächlichen Verzehr von glutenhaltigem (G+) oder glutenfreiem (G−) Haferbrot. Primäres Ergebnis war die Gesamtbewertung der gastrointestinalen Symptome auf der VAS, die zu Beginn der Studie (vor dem Frühstück) und stündlich über 8 h gemessen und korrigiert wurde, wobei das Mittagessen nach 4 h serviert wurde. Insgesamt 83 Personen (mittleres Alter 27,0 Jahre; 83% Frauen) mit selbstberichteter NCGS (d. h. gastrointestinale Symptome innerhalb von 8 h nach Glutenverzehr) ohne Zöliakie und Weizenallergie wurden zufällig auf E+G+ (n=20), E+G− (n=21), E-G+ (n=20) oder E−G− (n=22) randomisiert. Der mittlere Gesamtwert der gastrointestinalen Symptome war bei E+G+ signifikant höher (16,6 mm; 95%-KI 13,1–20,0) als bei E−G+ (6,9 mm; 95%-KI 3,5–10,4; ∆ 9,6 mm; 95%-KI 3,0–16,2; p=0,0010) und E−G− (7,4 mm; 95%-KI 4,2–10,7; ∆ 9,1 mm; 95%-KI 2,7–15,6; p=0,0016), aber nicht für E+G− (11,7 mm; 95%-KI 8,3–15,1; ∆ 4,9 mm; 95%-KI −1,7 bis 11,5; p=0,28). Vergleichbare Ergebnisse lagen vor bei E+G− vs. E−G+ (∆ 4,7 mm; 95%-KI -1,8 bis 11,3; p=0-33), E+G− vs. E−G− (∆ 4,2 mm: 95%-KI -2,2 bis 10,7; p=0,47) sowie E−G+ vs. E−G− (∆ −0,5 mm; 95%-KI −7,0 bis 5,9; p=1,0). Unerwünschte Ereignisse meldeten 2 Teilnehmer in der E+G-Gruppe (Kieferjucken [n=1]; Schwindelgefühl und Magengrummeln [n=1]) und 1 Teilnehmer in der E−G+-Gruppe (Erbrechen). Fazit Die Kombination aus Erwartung und tatsächlicher Glutenaufnahme hat laut den Autoren den größten Effekt auf gastrointestinale Symptome, was einen Nocebo-Effekt widerspiegelt. Ein zusätzlicher Einfluss von Gluten kann aber nicht ausgeschlossen werden. (je) Autoren: de Graaf MCG et al. Korrespondenz: Daisy M. Jonkers; [email protected] Studie: The effect of expectancy vs. actual gluten intake on gastrointestinal and extra-intestinal symptoms in non-coeliac gluten sensitivity: an international, multicentre study Quelle: Lancet Gastroenterol Hepatol 2024;9(2):110–123. Web: https://doi.org/10.1016/S2468-1253(23)00317-5
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