Nur schwache Evidenz zur Wirksamkeit der Lasertherapie bei hypertrophen Narben11. November 2022 Starke Narben können die Lebensqualität beeinträchtigen. (Foto: © damato-fotografie.de – stock.adobe.com) Hypertrophe und keloide Narben können das Leben von Patienten physisch und psychisch beeinträchtigen. In Jüngster Zeit wird zunehmend die Lasertherapie als Therapieansatz zur Linderung der Narben angeboten, die Studienlage zu Wirksamkeit und Sicherheit ist bislang allerdings dünn, wie ein Cochrane-Review zeigt. Hypertrophe und keloide Narben sind auf eine gestörte Wundheilung zurückzuführen. Sie können Juckreiz und Schmerzen verursachen und das Leben der Patienten nachhaltig beeinträchtigen. Zur Verbesserung dieser Narben gibt es verschiedene Ansätze, darunter intraläsionale Kortikosteroide, chirurgische Eingriffe und in jüngster Zeit auch die Lasertherapie. Allerdings liegen für letztere bislang nur unzureichende Studiendaten zu Wirksamkeit und Sicherheit vor, wie ein aktueller Cochrane-Review brasilianischer Wissenschaftler zeigt. In diesen flossen 15 randomisierte klinische Studien mit 604 Teilnehmern (Kinder und Erwachsene) ein, wobei die Stichprobengröße der Studien zwischen zehn und 120 Teilnehmern betrug (Mittelwert 40,27). Die Studien widmeten sich der Behandlung von hypertrophen oder keloiden Narben (oder beiden) und verglichen die Lasertherapie mit Placebo, keiner Intervention oder einer anderen Intervention. Wenn in den Studien verschiedene Teile derselben Narbe randomisiert wurden, bildete jedes Narbensegment die Analyseeinheit (906 Narbensegmente). Die Dauer der Nachbeobachtung der Teilnehmer lag zwischen zwölf Wochen und 12 Monaten. In Studien, die Laser versus keine Behandlung verglichen, fanden die Autoren Hinweise mit geringer Evidenz, dass sich hypertrophe und keloide Narben bei der Behandlung mit einem 585-nm-Pulsfarbstofflaser (PDL) im Vergleich zu keiner Behandlung stärker verbessern (Risk Ratio [RR] 1,96; 95 % Konfidenzintervall [KI] 1,11–3,45; 2 Studien, 60 Narbensegmente). Unklar sei, ob der nichtablative fraktionierte Laser (NAFL) im Vergleich zu keiner Behandlung einen Einfluss auf den Schweregrad hypertropher Narben hat (sehr niedrige Evidenz), erklärten die Autoren. Unklar sei auch, ob der fraktionierte Kohlendioxid(CO2)-Laser den Schweregrad hypertropher und keloider Narben im Vergleich zu keiner Behandlung beeinflusst (sehr geringe Evidenz). Acht Studien berichteten über behandlungsbedingte unerwünschte Wirkungen, lieferten aber nicht genügend Daten für weitere Analysen. Studien, die die Lasertherapie mit anderen Behandlungen verglichen, konnten den Autoren zufolge nicht klären, ob sich die Behandlung mit 585-nm-PDL auf den Schweregrad hypertropher und keloider Narben auswirkt, verglichen mit intraläsionalem Kortikosteroid Triamcinolonacetonid (TAC), intraläsionalem Fluorouracil (5-FU) oder der kombinierten Anwendung von TAC + 5-FU (sehr geringe Evidenz). Es sei auch unklar, ob Erbium-Laser im Vergleich zu TAC einen Einfluss auf den Schweregrad hypertropher Narben hat (sehr geringe Evidenz), erklären die Autoren. Andere Vergleiche umfassten 585-nm-PDL gegenüber Silikongelfolie, fraktionierten CO2-Laser vs. TAC und fraktionierten CO2-Laser vs. Verapamil. Die Studien enthielten zu wenig Angaben zum Schweregrad der Narben, um die Eingriffe zu vergleichen. Da zu behandlungsbedingten unerwünschten Wirkungen wie Schmerzen, Verbrennung bzw. Verkohlung der Haut, Teleangiektasie, Hautatrophie, purpurne Verfärbungen, Hypopigmentierung und Erosion als Folge der Blasenbildung nur sehr wenig gesicherte Erkenntnisse vorlägen, könnten keine Schlussfolgerungen zum Vergleich dieser Behandlungen gezogen werden. Studien, die Laser + andere Behandlung vs. andere Behandlung testeten, ergaben ebenfalls nur sehr geringe Evidenz, ob 585-nm-PDL + TAC plus 5-FU im Vergleich zu TAC + 5-FU zu einem höheren Prozentsatz an guter bis ausgezeichneter Verbesserung des Schweregrads hypertropher und keloider Narben führt. Aufgrund der sehr geringen Evidenz sei auch ungewiss, ob CO2-Laser + TAC im Vergleich zu Kryochirurgie + TAC Auswirkungen auf den Schweregrad von Keloidnarben hat. Auch in Bezug auf die Wirkung von Neodym-dotiertem Yttrium-Aluminium-Granat(Nd: YAG)-Laser + intraläsionales Kortikosteroid Diprospan + 5-FU auf den Schweregrad der Narben im Vergleich zu Diprospan + 5-FU und über die Wirkung von Helium-Neon(He-Ne)-Laser + Decamethyltetrasiloxan, Polydimethylsiloxan und Cyclopentasiloxan-Creme auf den Schweregrad der Narben im Vergleich zu Decamethyltetrasiloxan, Polydimethylsiloxan und Cyclopentasiloxan-Creme sei die Evidenz sehr gering. Zu den behandlungsbedingten unerwünschten Wirkungen, einschließlich Schmerzen, Atrophie, Erythem, Teleangiektasie, Hypopigmentierung, Nachwachsen, Hyperpigmentierung und Depigmentierung, liegen nur Hinweise mit sehr geringer Evidenz vor. Daher seien keine Schlussfolgerungen über den Vergleich dieser Behandlungen zu ziehen, erklären die Autoren. „Es gibt keine ausreichenden Belege für oder gegen die Wirksamkeit der Lasertherapie bei der Behandlung hypertropher und keloider Narben. Die verfügbaren Informationen sind auch unzureichend, um eine genauere Analyse der behandlungsbedingten unerwünschten Wirkungen der Lasertherapie durchzuführen“, fassen die Autoren zusammen. Aufgrund der Heterogenität der Studien, der widersprüchlichen Ergebnisse, des Studiendesigns und der geringen Stichprobengröße sollten weitere qualitativ hochwertige Studien mit validierten Skalen und zentralen Ergebnissen entwickelt werden. Diese sollten die Wünsche von Patienten, die Notwendigkeit einer langfristigen Nachbeobachtung und die Rezidivrate von Narben berücksichtigen, um festzustellen, ob Laser im Vergleich zu anderen Therapien zur Behandlung hypertropher und keloider Narben bessere Ergebnisse erzielen können. (ej)
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