Obstruktive Schlafapnoe: Hilft Medikament gegen Übelkeit auch bei Schlafapnoe?

Ein altes Medikament könnte eine neue Therapie gegen obstruktive Schlafapnoe sein – das zeigen Forschungsergebnisse, die US-amerikanischer Forscher, die diese auf der SLEEP 2017-Konferenz vorstellten, die kürzlich in Boston (USA) stattgefunden hat.

David Carley, Professor für Gesundheitsverhaltenswissenschaft, Medizin und Bioengineering an der University of Illinois in Chicago (USA), Phyllis Zee, Professorin für Neurologie an der Northwestern Universtity und ihre Kollegen haben herausgefunden, dass Dronabinol nicht nur Chemotherapiepatienten gegen Übelkeit hilft, sondern auch zur Behandlung von Schlafapnoe eingesetzt werden könnte. Dronabinol ist ein Cannabisprodukt, das in den USA seit 25 Jahren zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapiepatienten zugelassen ist.

„Im Moment gibt es in den USA keine offiziell zugelassenen Substanzen zur medikamentösen Therapie der Schlafapnoe und daher gibt es einen bisher ungedeckten Bedarf an effektiven und akzeptablen Behandlungsmöglichkeiten“, so Carley. Schalfbezogene Erkrankungen, insbesondere die obstruktive Schlafapnoe, können beträchtliche Gesundheitsprobleme verursachen. Schlafapnoe-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheiten, Schlaganfall, hohen Blutdruck und Diabetes Typ 2.

Im Rahmen einer früheren Studie hatte Carley herausgefunden, dass der Cannabinoid-Agonist Dronabinol das Potenzial zur Behandlung der Schlafapnoe hat. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurde die Forschung von Carley und Zhee durch das Natianal Institute of Health gefördert. Die Forscher initiierten die Pharmacotherapy of Apnea by Cannabimimetic Enhancement (PACE)-Studie.

Die erwachsenen Studienteilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe bekam eine niedrige Dosis des Medikaments, die zweite Gruppe eine hohe Dosis und die dritte Gruppe erhielt Placebo. Die Studienteilnehmer nahmen das Medikament für sechs Wochen vor dem Schlafengehen ein.

„Verglichen mit Placebo korrelierten sechs Wochen Einnahme der höchsten Dosis Dronabinol (10 mg) mit einer geringeren Häufigkeit von Apnoen und Hypopnoen während des Schlafes, einer geringeren subjektiven Müdigkeit und einer größeren allgemeinen Zufriedenheit mit der Behandlung“, fasste Carley die Ergebnisse zusammen. „Allerdings verbesserten sich weder der Schlafumfang noch die objektive Schlafqualität.“

Laut Carley hätten Forscher seit rund 35 Jahren versucht, Medikamente, die für eine Therapie der obstruktiven Schlafapnoe geeignet sind, zu identifizieren – bislang erfolglos.„Indem wir einen Weg zur ersten tragfähigen medikamentösen Therapie bei Schlafapnoe aufzeigen, könnten unsere Studien große Auswirkungen auf die klinische Praxis haben“, sagte Carley. Allerdings müssten noch erweiterte klinische Studien und Zulassungsstudien durchgeführt werden, um den besten Ansatz einer Cannabinoidtherapie bei obstruktiver Schlafapnoe zu etablieren.

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