Offene Schulen tragen bei verpflichtender Testung zur Eindämmung der Pandemie bei19. November 2021 Foto: © Oliver Boehmer – bluedesign – stock.adobe.com Schulen sind laut einer Untersuchung des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) derzeit offenbar keine Treiber der Pandemie, sondern könnten sogar einen wichtigen Beitrag zu ihrer Eindämmung leisten. Durch die obligatorischen Schnelltests an Schulen ließen sich Ausbrüche frühzeitig erkennen und isolieren, was gerade beim aktuellen Anstieg der Fallzahlen von entscheidender Bedeutung sei, schlussfolgert IZA-Forscher Ingo Isphording gemeinsam mit Nico Pestel von der Universität Maastricht sowie Marc Diederichs und Reyn van Ewijk von der Universität Mainz. Die Forscher hatten die Auswirkungen des Schulstarts nach den Sommerferien auf das Infektionsgeschehen untersucht. Angesichts der Wucht der vierten Welle scheinen erneute Schulschließungen politisch nicht mehr ausgeschlossen. Dabei gibt es für deren Wirksamkeit den Forschern zufolge keine eindeutigen Belege. Bisherige Erkenntnisse stammten zudem aus einer früheren Phase der Pandemie, seit der sich die Lage durch Impfungen und Delta-Variante stark verändert hat. Vor allem aber komme den Schulen durch die Pflicht zu regelmäßigen Testungen inzwischen eine ganz neue Rolle in der Pandemiebekämpfung zu. Die Studie nutzte die zeitliche Staffelung der Sommerferien 2021 in den deutschen Bundesländern, um den Beitrag offener Schulen zur Verbreitung von COVID-19 zu ermitteln. Dazu verglichen die Forscher jeweils Bundesländer, in denen die Schulen gerade wieder geöffnet oder ferienbedingt noch geschlossen waren. Veränderungen in der Mobilität nach den Ferien, etwa durch mehr Fahrten zum Arbeitsplatz, rechneten sie statistisch heraus, um den Effekt des Schulbeginns auf die Corona-Zahlen getrennt betrachten zu können. Demnach führte der Schulstart nach den Sommerferien nicht zu einem beschleunigten Wachstum der Infektionszahlen. Zwar kam es in der Altersgruppe der Fünf- bis 14-Jährigen einige Tage lang zu vermehrten positiven Tests von Schülerinnen und Schülern, die während der Ferien ungetestet geblieben waren. Längerfristig jedoch wirkten sich die Schulöffnungen weder bei Kindern und Jugendlichen noch bei den über 60-Jährigen maßgeblich auf die Fallzahlen aus, die ähnlich anstiegen wie in Bundesländern mit weiterhin geschlossenen Schulen. In der Altersgruppe der 15- bis 59-Jährigen blieben die Infektionszahlen sogar langfristig niedriger als sie sich ohne Öffnung der Schulen entwickelt hätten. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die frühzeitige Erkennung und Quarantäne der an Schulen aufgedeckten Fälle im Kampf gegen die Pandemie hilfreich sind. Gerade weil COVID-19 bei Kindern häufig ohne Symptome verlaufe und trotzdem ansteckend sei, könnten solche Fälle nur bei offenen Schulen mit obligatorischer Testung erkannt und dadurch weitere Ansteckungen verhindert werden, resümieren die Autoren. „In Kombination mit den weiteren Hygienemaßnahmen bleiben Schulen in Deutschland also sicherer als oft vermutet. Gleichzeitig spielen sie eine unverzichtbare Rolle bei der Überwachung des Infektionsgeschehens“, sagt IZA-Forscher Ingo Isphording. Originalpublikation: Isphording I et al. Schools under Mandatory Testing Can Mitigate the Spread of SARS-CoV-2. IZA Discussion Paper No. 14844, November 2021
Mehr erfahren zu: "Antimykotika in der Schwangerschaft mit Veränderungen fetaler Hormonproduktion assoziiert" Antimykotika in der Schwangerschaft mit Veränderungen fetaler Hormonproduktion assoziiert Die Anwendung gängiger Azol-Antimykotika während der Schwangerschaft ist mit Veränderungen der fetalen Steroidhormonproduktion und der reproduktiven Entwicklung assoziiert.
Mehr erfahren zu: "Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz der Kassen bleibt stabil bei 2,9 Prozent" Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz der Kassen bleibt stabil bei 2,9 Prozent Der GKV-Schätzerkreis hat seine Prognosen für die finanziellen Rahmenbedingungen für 2027 abgegeben. Der Bundesgesundheitsminister wertet es als Erfolg des GKV-Spargesetzes, die KBV übt daran weiter Kritik.
Mehr erfahren zu: "Kinderschutz in O & U: Vom Verdacht zur Handlung – Strukturiertes Vorgehen im Alltag" Kinderschutz in O & U: Vom Verdacht zur Handlung – Strukturiertes Vorgehen im Alltag Kaum eine Fachdisziplin sieht körperliche Gewalt gegen Kinder so früh wie die Orthopädie und Unfallchirurgie – und kaum eine steht dabei so oft vor derselben Frage: Verletzung behandeln – Verdacht […]