Ohne Tiernutzung: Antikörper aus Algen für Schwangerschaftstests13. November 2024 Vom Labor in den Markt: Das Startup will aus Kieselalgenkulturen produzierte Antikörper unter anderem in Schwangerschaftstests einsetzen. Das ist umweltentlastend und vermeidet Tierversuche. Copyright: Phaeosynt GmbH Das aus der Universität Hannover heraus gegründete Unternehmen Phaeosynt forscht an aus Kieselalgen gewonnenen Antikörpern für die medizinische Diagnostik. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Startup mit 125.000 Euro. Das Unternehmen fokussiert sich laut Gründerteam Stephanie Pfeil-Coenen, Dr. Alina Eilers und Stas Hans auf die Herstellung artfremder Proteine in Kieselalgen. Meistens handelt es sich dabei um Antikörper. Diese werden häufig in der medizinischen Diagnostik eingesetzt. Zu den bekanntesten Beispielen einer solchen Nutzung zählen die während der Corona-Pandemie eingeführten Covid-19-Schnelltests, aber auch Schwangerschaftstests. Aktuell wird nach Angaben des Startups ein Großteil der benötigten Antikörper mithilfe tierischer Zellen hergestellt. „Wir lösen mit unseren Antikörpern aus Kieselalgen gleich mehrere Probleme der bisherigen Produktion“, so Eilers. Zunächst benötigen demnach tierische Zellkulturen für die Züchtung zur Antikörpergewinnung erheblich mehr Ressourcen, Energie und Platz als ihre pflanzlichen Pendants. „Diese gedeihen schon bei niedrigeren Temperaturen, nämlich 20 statt üblicherweise 37 Grad Celsius, und haben somit weniger Energiebedarf“, erläutert Eilers. Zudem sei die Algenkultivierung wesentlich simpler und robuster. „Noch immer werden einige diagnostische Antikörper in lebendigen Tieren gezüchtet“, erklärt Eilers einen weiteren Nachteil der aktuellen Produktionsstandards. Dies betrifft zunächst polyklonale Antikörper, die nach Immunisierung eines Tieres aus der Blutbahn entnommen werden. Dieser Tierversuch bildet laut Eilers oft den ersten Schritt jedes tierisch produzierten Antikörpers. Eine weitere Methode funktioniere mithilfe von im Bauchraum platzierten Krebszellen, die wiederum die gewünschten Antikörper generieren. Nach mehrfacher Gewinnung der Antikörper sterben laut Eilers die Tiere aufgrund der Größe der Tumore. Das Verfahren sei zwar innerhalb der Europäischen Union (EU) noch mit Sondergenehmigung zulässig, überwiegend finde eine derartige Antikörperproduktion jedoch in Asien statt. Durch eine pflanzliche Alternative ist man für diese Antikörperproduktion nicht mehr auf Tiere angewiesen. Auch zusätzliche Transportkosten sowie der erhebliche Ressourcenverbrauch für allein wegen Antikörpergewinnung gehaltene Tiere könnten eingespart werden. „Für uns ist das Projekt deshalb sowohl ethisch als auch marktwirtschaftlich ein großer Gewinn“, so Eilers. Erster tierversuchsfreier Test in Planung Die Firma plant, sich auf die Herstellung solcher Antikörper zu spezialisieren, zwei Patente sind bereits eingereicht. Für mehr Sichtbarkeit ihrer Technologie will das Startup zunächst den ersten veganen und tierversuchsfreien Schwangerschaftstest auf Basis von Kieselalgen auf den Markt bringen.
Mehr erfahren zu: "Studie zu Schwangerschaftsübelkeit deckt sechs neue genetische Zusammenhänge auf" Studie zu Schwangerschaftsübelkeit deckt sechs neue genetische Zusammenhänge auf Eine neue Studie identifizierte insgesamt zehn Gene, die mit der schwersten Form der Schwangerschaftsübelkeit, der Hyperemesis gravidarum, in Verbindung stehen. Sie liefert Hinweise auf zugrundeliegende biologische Mechanismen und potenzielle neue […]
Mehr erfahren zu: "Krebsmedikament könnte IVF-Erfolgsrate bei Frauen mit geringer ovarieller Reserve verbessern" Krebsmedikament könnte IVF-Erfolgsrate bei Frauen mit geringer ovarieller Reserve verbessern Forscher haben herausgefunden, dass die zusätzliche Gabe von Letrozol (einem häufig in der Brustkrebstherapie eingesetzten Medikament) zu einem Standard-Hormonprotokoll der In-vitro-Fertilisation (IVF) die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt bei Frauen mit eingeschränkter […]
Mehr erfahren zu: "Tuberkulose in Schwangerschaft und Wochenbett möglicherweise unterschätzt" Tuberkulose in Schwangerschaft und Wochenbett möglicherweise unterschätzt Das Risiko für Tuberkulose in Schwangerschaft und Wochenbett wird offenbar deutlich unterschätzt. Eine Modellierungsstudie zeigt ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, insbesondere bei Frauen mit HIV.