Opioide: Nach kleineren bis mittleren Eingriffen mehr Schaden als Nutzen

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Die Metaanalyse einer Forschungsgruppe der McGill University in Montreal (Kanada) mit 47 inkludierten Studien (n=6607 Patienten) ging der Frage nach, wie sinnvoll der Einsatz von Opioiden bei kleineren bis mittleren Eingriffen im Vergleich zu Nichtopioid-Analgetika nach Entlassung aus dem Krankenhaus ist.

Hintergrund der Studie ist, dass die exzessive Verschreibung von Opioiden in diesem Setting zur bekannten Opioid-Krise beigetragen hat, obwohl der Nutzen für die patientenberichtete Schmerzintensität nicht klar ist.

In die systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aufgenommen wurden randomisierte, kontrollierte Studien, die in einem Multidosis­regime die Wirkung von Opioiden und Nichtopioid-Analgetika bei Patienten (≥15 Jahre alt) nach Entlassung verglichen. Bei 30 Studien handelte es sich um kleinere elektive Eingriffe (63% zahnärztliche Operationen) und bei 17 Studien um Eingriffe von mittlerem Ausmaß (47% orthopädische und 29% allgemeinchirurgische Eingriffe).

Als primäre Endpunkte fungierten die selbstberichtete Schmerzintensität am Tag 1 nach der Entlassung (standardisiert auf einer visuellen Analogskala [VAS] von 0–10 cm) sowie Erbrechen bis zu 30 Tage nach Entlassung. Darüber hinaus bewerteten die Studienautoren die Schmerzintensität zu weiteren Zeitpunkten, die Schmerzinterferenz, andere unerwünschte Ereignisse, das Risiko der Unzufriedenheit und die erneute Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen.

Im Vergleich zu einer opioidfreien Analgesie führte die Verschreibung von Opioiden nicht zu einer Verringerung der Schmerzen am 1. Tag nach der Entlassung (gewichteter mittlerer Unterschied 0,01 cm auf der VAS; 95%-KI –0,26 bis 0,27; mäßige Sicherheit) oder zu anderen postoperativen Zeitpunkten (mäßige bis sehr geringe Sicherheit). Die Verschreibung von Opioiden war mit einem erhöhten Risiko für Erbrechen (RR 4,50; 95%-KI 1,93–10,51; hohe Sicherheit) und anderen unerwünschten Ereignissen, einschließlich Übelkeit, Verstopfung, Schwindel und Schläfrigkeit, verbunden (hohe bis mittlere Sicherheit). Die Opioide hatten keinen Einfluss auf andere Endpunkte.

Fazit
Der in „The Lancet“ publizierten Metaanalyse zufolge scheinen bei Entlassung verordnete Opioide nicht nur keine Reduktion der Schmerzintensität herbeizuführen, sondern sich mit Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Schwindel im Gegenteil sogar negativ auf die kürzlich operierten Patienten auszuwirken. Einschränkend weisen die Studienautoren jedoch darauf hin, dass sich die Analyse größtenteils auf Studien minderer Qualität stützt und Patienten mit größeren und komplexen Operationen nicht berücksichtigt. Vor diesem Hintergrund fordern sie, die Forschung auf diesem Gebiet auszuweiten. (ah)

Autoren: Fiore JF et al.
Korrespondenz: Julio F Fiore; [email protected]
Studie: Opioid versus opioid-free analgesia after surgical discharge: a systematic review and meta-analysis of randomised trials
Quelle: Lancet 2022;399(10343):2280–2293.
Web: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(22)00582-7