Pandemie: Anhaltender Anstieg von Ess-Störungen und Selbstverletzungen bei Mädchen

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In den ersten beiden Jahren der COVID-19-Pandemie (März 2020 bis März 2022) lag die Rate der diagnostizierten Ess-Störungen bei Mädchen im Alter von 13 bis 16 Jahren im Vereinigten Königreich um 42 Prozent höher als aufgrund früherer Trends zu erwarten gewesen wäre. Dies zeigt eine in „The Lancet Child & Adolescent Health“ veröffentlichte Studie. Die Rate der Selbstverletzungsdiagnosen lag in derselben Kohorte um 38 Prozent höher.

Die Forscher hatten die Gesundheitsakten von mehr als neun Millionen jungen Patienten (männlich und weiblich, im Alter von 10 bis 24 Jahren) aus mehr als 1800 Allgemeinpraxen in Großbritannnien analysiert, um die Diagnoseraten bei der Erstversorgung zu bewerten. Auf der Grundlage von Daten aus den Jahren 2010 bis 2020 errechneten die Forschenden die zu erwartenden Raten von Essstörungen und Selbstverletzungen für den Zeitraum März 2020 bis März 2022 ohne Pandemie. Die tatsächlichen Raten der dokumentierten Diagnosen während der Pandemie verglichen sie dann mit den prognostizierten Werten.

Daraus ergab sich, dass zwischen März 2020 und März 2022 die Rate der Diagnosen von Ess-Störungen bei 13- bis 16-jährigen Mädchen mit 3862 beobachteten Fällen im Vergleich zu 2713 prognostizierten Fällen um 42 Prozent höher war als der prognostizierte Wert, wenn die Pandemie nicht stattgefunden hätte. In der gleichen Kohorte war die Rate der Selbstverletzungsdiagnosen um 38 Prozent höher als erwartet: 9174 beobachtete Fälle im Vergleich zu 6631 prognostizierten Fällen.

Den Autoren zufolge liefert die Studie auch neue Erkenntnisse darüber, wie sich die Pandemie auf bereits bestehende sozioökonomische Unterschiede bei den Raten von Ess-Störungen und Selbstverletzungen auswirkte. Danach waren der Pandemie die höher als erwarteten Raten von Ess-Störungen und Selbstverletzungen bei Mädchen im Alter von 13 bis 16 Jahren weitgehend auf einen Anstieg in weniger benachteiligten Gemeinden zurückzuführen. Die Autoren betonen, dass die Gründe für diese Ergebnisse weiter erforscht werden müssen.

Zudem argumentieren die Forschenden, dass die offensichtliche Zunahme von Ess-Störungen und Selbstverletzungen bei Mädchen im Teenageralter eine langfristige Folge der Pandemie sei, die es noch zu bekämpfen gelte. Sie fordern daher verbesserte Maßnahmen zur frühzeitigen Erkennung von psychischen Problemen, einen rechtzeitigen Zugang zu Behandlungen sowie eine Ausweitung und kontinuierliche Unterstützung durch Hausärzte und psychosoziale Dienste, um das Risiko für anhaltende Probleme im Erwachsenenalter zu verringern.