PANTIPA-Projekt entwickelt Antikörper gegen Pseudomonas aeruginosa2. September 2026 Foto: Christoph Burgstedt/stock.adobe.com Das DZIF-Projekt PANTIPA hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Nach erfolgreichen präklinischen Arbeiten startet nun die Entwicklung und GMP-konforme Herstellung eines monoklonalen Antikörpers gegen Pseudomonas aeruginosa. Pseudomonas aeruginosa gilt als ein besonders problematischer Erreger, der häufig gegen mehrere herkömmliche Antibiotika resistent ist und schwer behandelbare Infektionen verursachen kann. Insbesondere bei schwerkranken oder immungeschwächten Patientinnen und Patienten kann er lebensbedrohliche Infektionen wie Lungenentzündungen, Wundinfektionen oder Sepsis auslösen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Pseudomonas aeruginosa deshalb zu den Erregern, für die dringend neue Behandlungsmöglichkeiten entwickelt werden müssen. Ein wichtiger Virulenzmechanismus des Erregers ist das Typ-III-Sekretionssystem (T3SS). Über dieses injiziert das Bakterium giftige Proteine direkt in menschliche Zellen, was den Krankheitsverlauf verschlimmern kann. Ein zentrales Bauteil dieses Systems ist das Protein PcrV, das wie ein „Schlüssel“ für den Angriff des Bakteriums wirkt. Eine Blockade von PcrV hemmt die Funktion des T3SS – das Bakterium verliert dadurch einen wesentlichen Teil seiner Virulenz. Antikörper gegen Pseudomonas aeruginosa als vielversprechender Therapieansatz Forschende des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an der Uniklinik Köln haben entdeckt, dass Menschen, die über längere Zeit mit Pseudomonas aeruginosa infiziert sind, besonders wirksame Antikörper gegen PcrV bilden. Auf dieser Grundlage konnten im Labor monoklonale Antikörper (mAbs) isoliert werden, die direkt gegen PcrV gerichtet sind. Im Tiermodell zeigte sich, dass diese Antikörper sowohl die Anzahl der Bakterien als auch die Schäden am Lungengewebe verringerten – ähnlich effektiv wie klassische Antibiotika. Als vielversprechendster Entwicklungskandidat wurde der Antikörper UHC-D9b ausgewählt. „Mit UHC-D9b verfolgen wir einen neuen therapeutischen Ansatz, der nicht das Bakterium selbst angreift, sondern gezielt einen krankmachenden Mechanismus blockiert. Damit schaffen wir die Voraussetzung, eine innovative Antikörpertherapie aus der präklinischen Forschung in die klinische Entwicklung zu überführen“, erklärt Prof. Jan Rybniker von der Uniklinik Köln, der das Projekt gemeinsam mit PD Alexander Simonis leitet. Grundstein für die zweite Projektphase von PANTIPA ist gelegt Das Projekt PANTIPA kann nun den nächsten entscheidenden Schritt Richtung klinischer Entwicklung gehen. In der zweiten Projektphase wird der ausgewählte Antikörper UHC-D9b unter streng kontrollierten Bedingungen (Good Manufacturing Practice, GMP) in Zellkulturen produziert und gegen zahlreiche klinische Pseudomonas-Isolate geprüft, um seine Wirksamkeit gegen unterschiedliche Bakterienstämme zu untersuchen. Für die GMP-Produktion wurde die in der Schweiz ansässige Celonic Group als spezialisierter Entwicklungs- und Herstellungspartner gewonnen. Langfristig soll der Antikörper zwei Einsatzmöglichkeiten bieten: die gezielte Behandlung akuter Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa, etwa bei Lungenentzündung oder Sepsis, sowie den vorbeugenden Schutz besonders gefährdeter Patientinnen und Patienten durch passive Immunisierung.
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