Patentanmeldung zur Gewinnung von Mikroglia29. April 2020 Dr. Mona Mathews-Ajendra, Wissenschaftlerin an der Life & Brain GmbH: Sie ist Co-Leiterin der Gruppe für iPSC-basierte Zellmodellierung im IMI-finanzierten PHAGO-Konsortium. (© Jesuthas Ajendra) Die Life & Brain GmbH, ein Translationsunternehmen des Universitätsklinikums Bonn, hat beim Europäischen Patentamt eine Patentanmeldung für eine verbesserte Technologie zur Gewinnung menschlicher Mikroglia aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSCs) eingereicht. „Mikrogliazellen spielen bei zahlreichen neurologischen und insbesondere bei der Alzheimer’schen Erkrankung eine wichtige Rolle. Entsprechend groß ist der Bedarf. Unsere Technologie sollte es ermöglichen, große Mengen dieser Zellen im industriellen Maßstab für Forschungsinstitutionen und die Pharmaindustrie zu produzieren“, sagte Prof. Oliver Brüstle, Geschäftsführer von Life & Brain. Bindeglied zwischen Nerven- und Immunsystem Um die Funktion der Mikroglia zu klären, untersuchen Forscher im Rahmen von PHAGO, einem von der Initiative für innovative Medikamente (IMI) finanzierten gesamteuropäischen Projekt, genetisch unterschiedliche induzierte pluripotente Stammzellen. Sie werden aus dem Blut von Alzheimer-Patienten gewonnen und daraus Mikroglia erzeugt. Mit der iPSC-Technologie programmieren die Forscher die Blutzellen in ein quasi embryonales Stadium zurück, indem sie die Aktivität spezieller Gene (Transkriptionsfaktoren) angeregen. Anschließend werden diese „Alleskönner“-Zellen in Mikroglia ausdifferenziert. „Es wird angenommen, dass Mikrogliazellen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und dem Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit spielen“, sagt Prof. Harald Neumann vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie des Universitätsklinikums Bonn, der das PHAGO-Projekt koordiniert. Life & Brain, das im PHAGO-Konsortium an iPSC-Modellen arbeitet, setzt für das neue Verfahren besondere Materialien innerhalb eines Bioreaktorprozesses ein. „Diese Zellkulturtechnik ist technisch anspruchsvoll, da sie letztendlich die normale Entwicklung dieser Zellen während der menschlichen Embryonalentwicklung nachstellen muss“, erkärt Dr. Mona Mathews, die die neue Methode federführend entwickelt hat. „Das Verfahren erleichtert die biomedizinische Forschung und könnte langfristig die Entwicklung eines immuntherapeutischen Ansatzes zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen unterstützen“, sagt Ira Hermann, Leiterin des Business Developments bei Life & Brain. Im Rahmen des PHAGO-Projekts wurden bereits 40 verschiedene iPSC-Linien von Spenderpatienten erzeugt, die mehrere verschiedene genetische Mutationen im TREM2- oder CD33-Gen tragen. Diese Zelllinien stehen der Forschung zur Verfügung und sind über die Europäische Bank für induzierte pluripotente Stammzellen (EBiSC), eine weitere europäische Initiative im Rahmen von IMI, erhältlich. Über PHAGO Ziel von PHAGO ist es, das Verständnis der Biologie der beiden angeborenen Immunrezeptorgene TREM2 und CD33/SIGLEC3 sowie ihrer biologischen Netzwerke und Wege zu verbessern. Außerdem sollen neue Therapieansätze gesucht werden, die darauf abzielen, die Immunfunktionsstörung bei der Alzheimer-Krankheit zu beeinflussen. Um dies zu erreichen, bringt PHAGO Experten aus Industrie und Wissenschaft zusammen.
Mehr erfahren zu: "Den Energiequellen aggressiver Hirntumoren auf der Spur" Den Energiequellen aggressiver Hirntumoren auf der Spur Seit Juli 2026 erforscht Dr. Sina Neyaziam Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg, wie aggressive Hirntumoren bei Kindern ihren Stoffwechsel umprogrammieren, um zu wachsen und zu überleben. Ziel ist es, die metabolischen Schwachstellen […]
Mehr erfahren zu: "„Gute“ Immunzellen helfen bei der Regeneration von Rückenmarksverletzungen" „Gute“ Immunzellen helfen bei der Regeneration von Rückenmarksverletzungen Ein Forschungsteam hat den Mechanismus entschlüsselt, wie bei Zebrafischen Schäden am Rückenmark vollständig heilen. Bestimmte Immunzellen regulieren die Entzündung herunter, damit die Nervenregeneration ermöglicht wird.
Mehr erfahren zu: "Mit Magnetfeldern gegen Parkinson?" Mit Magnetfeldern gegen Parkinson? Einem internationalen Team ist es gelungen, mit Hilfe eines Magnetfelds die Aktivität von tief im Schädel liegenden Hirnstrukturen gezielt zu beeinflussen. Dazu injizierten die Forschenden magnetische Nanoplättchen in die entsprechende […]