PIMS tritt nach COVID-Impfung nur selten auf4. März 2022 Foto: © Bernard Chantal – stock.adobe.com Bei Kindern und Jugendlichen, die mindestens eine COVID-19-Impfstoffdosis erhalten hatten, sind Fälle des Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) selten. So lag die Melderate für PIMS-Fälle ohne Anzeichen einer SARS-CoV-2-Infektion laut einer in der Zeitschrift “The Lancet Child & Adolescent Health” veröffentlichten Beobachtungsstudie bei 0,3 Fällen pro einer Million geimpfter Personen in dieser Altersgruppe. Obwohl kein direkter Vergleichswert zur Verfügung steht, ergab die Untersuchung, dass die PIMS-Rate bei geimpften Kindern und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 20 Jahren in den USA wesentlich niedriger ist als zuvor veröffentlichte Schätzungen bei ungeimpften Personen im Alter von 12 bis 20 Jahren, die sich zwischen April und Juni 2020 mit SARS-CoV-2 infiziert hatten. “Im Rahmen der umfassenden Bemühungen zur Überwachung der COVID-19-Impfstoffsicherheit in den Vereinigten Staaten hat das CDC Fälle von PIMS bei geimpften Kindern genau beobachtet. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass PIMS-Fälle nach einer COVID-19-Impfung selten sind und dass die Wahrscheinlichkeit, an PIMS zu erkranken, bei Kindern, die nicht geimpft sind und an COVID-19 erkranken, viel größer ist. Die COVID-19-Impfung wird in den Vereinigten Staaten für alle Kinder ab fünf Jahren zur Vorbeugung von COVID-19 empfohlen”, sagte Dr. Anna R. Yousaf von den U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). PIMS ist eine seltene Erkrankung im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion, die erstmals im April 2020 festgestellt wurde. Man geht davon aus, dass PIMS eine Überreaktion des Immunsystems ist, die etwa zwei bis sechs Wochen nach einer SARS-CoV-2-Infektion bei Kindern und Jugendlichen auftritt. Die Symptome umfassen Fieber, Hautausschlag, Augenrötung und gastrointestinale Symptome (z. B. Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit) und können zu Multiorganversagen führen. In den USA ist die Meldung möglicher PIMS-Fälle nach einer Impfung im Rahmen der COVID-19-Impfstoff-Notfallgenehmigung vorgeschrieben. In dieser Studie wurden PIMS-Fälle bei Kindern und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 20 Jahren untersucht, die während der ersten neun Monate der Einführung der COVID-19-Impfung in den USA (14. Dezember 2020 bis 31. August 2021) gemeldet wurden. Ein Team aus Fachärzten und Epidemiologen untersuchte 47 Berichte über mögliche PIMS-Erkrankungen, die zu einem beliebigen Zeitpunkt nach einer COVID-19-Impfdosis auftraten. Von diesen 47 Berichten erfüllten 21 die CDC-PIMS-Kriterien. Diese wurden in Fälle mit und ohne Nachweis einer früheren oder aktuellen SARS-CoV-2-Infektion durch Labortests unterteilt. Die Fallzahlen wurden anhand der nationalen Impfstoffüberwachungsdaten der CDC über die Anzahl der Personen im Alter von zwölf bis 20 Jahren in den USA berechnet, die eine oder mehrere COVID-19-Impfstoffdosen erhalten hatten. Von den 21 PIMS-Fällen lagen für 15 Hinweise auf eine frühere oder kürzliche SARS-CoV-2-Infektion vor, für sechs dagegen nicht. Mehr als 21 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren hatten eine oder mehrere Dosen des COVID-19-Impfstoffs erhalten, was einem gemeldeten Fall pro einer Million geimpfter Personen in dieser Altersgruppe entspricht. Die Melderate von PIMS bei Personen ohne Anzeichen einer SARS-CoV-2-Infektion lag bei 0,3 Fällen pro einer Million geimpfter Personen. Die Autoren betonen, dass sie nicht feststellen können, ob die Impfung in diesen seltenen Fällen zur PIMS-Erkrankung beigetragen hat. Da PIMS zum ersten Mal während der Pandemie festgestellt wurde, gibt es keine Basisrate von entzündlichen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen mit unbekannter Ursache, um eine Basiszahl von Fällen zu schätzen, die unabhängig von einer COVID-19-Infektion oder Impfung in einem beliebigen Neunmonatszeitraum auftreten könnten. Es ist möglich, dass einige der identifizierten Fälle andere unerkannte entzündliche Erkrankungen hatten, die zufällig nach der Impfung auftraten. Bei drei der 15 Personen mit früherer SARS-CoV-2-Infektion wurde PIMS außerhalb des typischen Zeitraums von zwei bis sechs Wochen (14–42 Tage) diagnostiziert, in dem eine spätere PIMS-Erkrankung am wahrscheinlichsten ist. Bei diesen drei trat PIMS 105 Tage, 191 Tage bzw. 238 Tage nach ihrem positiven SARS-CoV-2-Test auf. Alle 21 Personen wurden ins Krankenhaus eingeliefert, 12 davon auf eine Intensivstation, und alle wurden nach Hause entlassen. Das Durchschnittsalter betrug 16 Jahre, 13 waren männlich und acht weiblich. Alle an der Studie beteiligten Personen mit PIMS hatten den Impfstoff von Pfizer-BioNTech erhalten, den einzigen COVID-19-Impfstoff, der in den USA für die Verwendung bei Personen unter 18 Jahren während des Studienzeitraums zugelassen war. Elf Personen hatten eine Dosis und zehn Personen zwei Dosen des Impfstoffs vor Ausbruch der PIMS-Erkrankung erhalten. Die mittlere Zeitspanne zwischen Dosis und Krankenhausaufenthalt betrug acht Tage bei den Personen, die eine, und fünf Tage bei denen, die zwei Dosen erhalten hatten. “Wie bei der COVID-19-Erkrankung sind Kliniker und Forscher noch dabei, etwas über PIMS zu lernen. Unsere Untersuchung macht deutlich, wie schwierig es ist, PIMS zu diagnostizieren, wie wichtig es ist, alternative Diagnosen in Betracht zu ziehen, und wie wichtig es ist, die PIMS-Erkrankung zu überwachen”, sagte Yousaf. Die Autoren weisen auf einige zusätzliche Einschränkungen ihrer Studie hin. So sei es möglich, dass einigen der identifizierten PIMS-Fälle andere entzündliche Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen zugrunde lagen, da es keinen definierten Test zur Diagnose von PIMS gibt. Ebenso sei es möglich, dass einige Fälle von COVID-19 falsch klassifiziert worden seien. Bei Kindern verlaufe die Infektion oft mild oder asymptomatisch, und bei milderen Infektionen sei es weniger wahrscheinlich, dass Antikörper gebildet werden. Beides könne dazu führen, dass frühere Infektionen unentdeckt blieben. Es sei auch möglich, dass nicht alle Fälle von PIMS nach einer Impfung in das Überwachungssystem eingegeben wurden, wodurch die Zahl der Fälle zu niedrig angegeben worden sei. In einem Kommentar schreibt Dr. Mary Beth Son vom Boston Children’s Hospital, USA, die nicht an der Studie beteiligt war: “Die Ergebnisse sind insgesamt recht beruhigend. Berichte über PIMS nach einer COVID-19-Impfung traten nur bei einer von einer Million Personen im Alter von zwölf bis 20 Jahren auf, die eine oder mehrere Dosen eines COVID-19-Impfstoffs erhalten hatten. Bei 15 (71 %) der 21 Personen mit PIMS lagen Labornachweise für eine vorangegangene SARS-CoV-2-Infektion vor, was Zweifel an der Zuordnung aufkommen lässt. Dieser zeitnahe Bericht ist angesichts der anhaltenden, weit verbreiteten Übertragung der Omicron-Variante (B.1.1.529) von besonderem Interesse für Gesundheitsdienstleister, Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger. … Da die Pandemie weiterhin eine Herausforderung für unsere globale Gemeinschaft darstellt und die COVID-19-Impfstoffe weiterhin einer intensiven Prüfung unterzogen werden, ist der Bericht von Yousaf und Kollegen eine willkommene Ergänzung der wachsenden Literatur, die die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfung gegen SARS CoV-2 unterstützt.”
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