Postoperative Nierenschäden: Präventives Behandlungsprotokoll kann Auftreten reduzieren

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Ein gezieltes präventives Behandlungsprotokoll senkt bei durch Biomarker identifizierten Hochrisikopatienten das Auftreten einer schweren Nierenschädigung nach großen Operationen deutlich.

Das berichtet ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Münster im Fachjournal „The Lancet“, in dem ihre Studie (BigpAK-2) veröffentlicht wurde.

Die Zeit unmittelbar nach einer Operation sei entscheidend, da Entzündungsreaktionen, Kreislaufveränderungen und die Belastung durch Medikamente die Nieren besonders stark beanspruchen, erklärt Dr. Thilo von Groote, Koordinator und Letztautor der Studie. „Wir konnten zeigen, dass ein engmaschiges, koordiniertes Maßnahmenbündel in diesen ersten Stunden wirksam schützt.“

Dazu gehörten eine präzise Steuerung von Kreislauf und Flüssigkeitshaushalt, die konsequente Überwachung zentraler Nierenparameter und der Verzicht auf nierenschädigende Medikamente. Patienten, die dieser Strategie folgten, entwickelten deutlich seltener schwere postoperative Nierenschäden als diejenigen, die die Standardversorgung erhielten. Gleichzeitig traten keine zusätzlichen Nebenwirkungen auf.

Frühzeitige Identifizierung mittels Biomarker

„Akute Nierenschäden nach Operationen sind ein häufig unterschätztes Problem“, betont Prof. Dr. Alexander Zarbock, leitender Autor der Studie. „Es braucht keine High-Tech-Ausstattung, sondern eine frühzeitige Identifizierung von Hochrisikopatienten mittels innovativer Biomarker sowie ein gut koordiniertes Team, das in den ersten Stunden nach einer Operation aufmerksam handelt. All dies ist einfach und kostengünstig in Krankenhäusern weltweit umsetzbar.“

Die BigpAK-2-Studie ist eine der bislang größten Untersuchungen zur Prävention postoperativer Nierenschäden. Insgesamt wurden an 34 europäischen Kliniken 7873 Patienten vor großen operativen Eingriffen untersucht, von denen 1180 aufgrund klinischer Risikofaktoren und positiven Biomarkern als besonders gefährdet eingestuft wurden. Das Universitätsklinikum Münster fungierte als leitendes Studienzentrum. Die Studienteilnehmer wurden randomisiert entweder der Standardversorgung oder der Interventionsgruppe mit dem präventiven Versorgungsprotokoll zugeteilt. Der Endpunkt der Studie war das Auftreten einer moderaten bis schweren akuten Nierenschädigung innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Operation.

Internationale Leitlinien im Fokus

Für die klinische Praxis sind die neuen Erkenntnisse ein wichtiger Fortschritt, heißt es in der Pressemitteilung. Das Forschungsteam hofft, dass die Ergebnisse Eingang in internationale Leitlinien finden und somit die Versorgung von Millionen Patienten verbessert könne.

Von Groote erhielt für seine Forschung eine finanzielle Förderung im Programm „Clinician Scientist CareerS“ der Medizinischen Fakultät der Universität Münster und der Deutschen Forschungsgemeinschaft.