Postoperative Schmerzen: Optimierung der numerischen Bewertungsskala

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Schmerz ist nicht linear. Dieser Umstand sollte nach Ansicht von Schmerzmedizinern aus Graz (Österreich) und Jena bei der Anwendung der numerischen Bewertungsskala (NRS) zur Beurteilung von Schmerzen berücksichtigt werden.

Die Einschätzung der Studienautoren beruht auf der retrospektiven Analyse des internationalen postoperativen Schmerzregisters QUIPS. In ihre Untersuchung inkludierten sie 346.892 erwachsene Patienten in den Altersgruppen 18–20 Jahre (1,6%), 21–30 Jahre (6,7%), 31–40 Jahre (8,3%), 41–50 Jahre (13,2%), 51–60 Jahre (17,1%), 61–70 Jahre (17,3%), 71–80 Jahre (16,4%), 81–90 Jahre (3,9%) und >90 Jahre (0,2%). Von den Patienten waren 55,7% weiblich und 38% hatten präoperative Schmerzen.

Die Wissenschaftler analysierten 3 Schmerzitems (Bewegungsschmerz, schlimmster Schmerz, geringster Schmerz) mit 4 verschiedenen IRT-Modellen: dem Partial-Credit-Modell (PCM), dem generalisierten Partial-Credit-Modell (GPCM), dem Rating-Skalen-Modell (RSM) und dem Graded-Response-Modell (GRM). Um das am besten passende Modell zu ermitteln, verglichen sie Fit-Indizes (liefern eine globale Beurteilung der Modellschätzungen; niedrigere Fit-Indizes weisen auf eine bessere Modell­anpassung hin). Außerdem führten sie Untergruppenanalysen für Geschlecht und Altersgruppen durch.

Nach Zusammenlegung der höchsten und der zweithöchsten NRS-Antwortkategorie schnitt das GRM in allen Untergruppen besser ab als die anderen Modelle (niedrigstes Bayes’sches Informationskriterium). Die Wissenschaftler fanden überlappende Kategorien in den Grenzkurven der Kategorien für stärkste und geringste Schmerzen sowie insbesondere für höhere Schmerzbewertungen. Die Breite der Antwortkategorien unterschied sich je nach Schmerzintensität. Es ergaben sich ähnliche Ergebnisse für Frauen, Männer und alle Altersgruppen.

Fazit
„Die Antwortkategorien auf der NRS sind geordnet, haben aber unterschiedliche Breiten“, fassen Stijic et al. ihre Resultate zusammen. Die Autoren plädieren dafür, die NRS für Schmerzen ordinal und nicht als Intervallskala zu verwenden. Ihnen zufolge könnte die Methode der Item-Response-Theorie (IRT), welche die Zusammenhänge zwischen einem zu testenden Merkmal und dem in einem Test tatsächlich beobachtbaren Antwortverhalten beschreibt, hilfreich sein, die mangelnde Linearität der Schmerzeinschätzung mit der NRS zu überwinden. (ah)

Autoren: Stijic M et al.
Korrespondenz: Alexander Avian; [email protected]
Studie: Numeric rating scale for pain should be used in an ordinal but not interval manner. A retrospective analysis of 346,892 patient reports of the quality improvement in postoperative pain treatment registry
Quelle: Pain 2023 Oct 18.
Web: https://doi.org/10.1097/j.pain.0000000000003078