Postoperativer Schmerz: Chronifizierung trotz Pharmakotherapie19. Oktober 2021 © amazing studio – stock.adobe.com (Symbolbild) Seit 2013 wurden in der perioperativen Pharmakotherapie nur geringe Fortschritte zur Vermeidung chronischer postoperativer Schmerzen erzielt. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer aktualisierten systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse, die im August in „Anesthesiology“ veröffentlicht wurde. Die Studienautoren führen diesen Umstand auf unzureichende Studiendesigns zurück, welche die Komplexität des multifaktoriellen Problems nicht erfassen würden. Das kanadische Forschungsteam um den Anästhesisten und Studienleiter Prof. Ian Gilron von der Queen’s University in Kingston, (Ontario, Kanada) schloss in den Review doppelblinde, placebokontrollierte RCTs ein, in denen perioperative systemische Medikamente an Erwachsenen untersucht wurden. Studien, in denen die gleiche(n) Substanz(en) in ähnlicher Weise verabreicht wurde(n), fassten sie zusammen. Das primäre Ergebnis war der Anteil derjenigen, die ≥3 Monate nach der Operation über Schmerzen berichteten. Die Autoren identifizierten 70 neue Studien und 40 aus dem Jahr 2013. Die meisten untersuchten Ketamin, Pregabalin, Gabapentin, i.v. Lidocain, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Kortikosteroide. Einige Metaanalysen zeigten eine statistisch signifikante Verringerung der Prävalenz chronischer postoperativer Schmerzen nach der Behandlung mit Pregabalin, i.v. Lidocain und NSAR, jedoch mit unklarer klinischer Relevanz. Metaanalysen mit >3 Studien und >500 Teilnehmern zeigten keine Wirkung von Ketamin auf die Prävalenz jeglicher Schmerzen nach 6 Monaten, sowohl wenn es für ≤24 h verabreicht wurde (RR 0,62; 95%-KI 0,36–1,07; Prävalenz unter Ketamin 0–88% vs. 0–94% unter Placebo) als auch für >24 h (RR 0,91; 95%-KI 0,74–1,12; 6–71% Ketamin vs. 5–78% Placebo). Auch zeigte sich keine Wirkung von Pregabalin auf die Prävalenz von Schmerzen nach 3 Monaten (RR 0,88; 95%-KI 0,70–1,10; 4–88% Pregabalin vs. 3–80% Placebo) oder 6 Monaten (RR 0,78; 95%-KI 0,47–1,28; 6–68% Pregabalin vs. 4–69% Placebo), wenn es >24 h verabreicht wurde. Allerdings zeigte Pregabalin eine Wirkung auf die Prävalenz von mäßigen/starken Schmerzen nach 3 Monaten, wenn es >24 h verabreicht wurde (RR 0,47; 95%-KI 0,33–0,68; 0–20% Pregabalin vs. 4–34% Placebo). Fazit Seit 2013 wurden in der perioperativen Pharmakotherapie nur geringe Fortschritte zur Vermeidung chronischer postoperativer Schmerzen erzielt. Die Studienautoren führen diesen Umstand auf unzureichende Studiendesigns zurück, welche die Komplexität des multifaktoriellen Problems nicht erfassen würden. Da die Studien klein sind und die Art des chirurgischen Eingriffs, die Dosierung, der Zeitpunkt und die Methode der Ergebnismessungen in Bezug auf den jeweiligen akuten Schmerzverlauf sowie der präoperative Schmerzstatus variieren, seien die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren, geben die Studienautoren zu bedenken. (ah) Autoren: Carley ME et al. Korrespondenz: Ian Gilron; [email protected] Studie: Pharmacotherapy for the Prevention of Chronic Pain after Surgery in Adults: An Updated Systematic Review and Meta-analysis Quelle: Anesthesiology 2021;135(2):304–325. Web: https://doi.org/10.1097/ALN.0000000000003837
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