Pränatale und postnatale Feinstaubbelastung erhöhen das Hypertonie-Risiko

Die Schwangerschaft ist eine sensible Phase für Schäden durch Feinstaub. (Foto: © OHishi_Foto – stock.adobe.com)

Luftverschmutzung vor und kurz nach der Geburt erhöht bei Kindern das Risiko für Bluthochdruck. Darauf die deuten die Ergebnisse einer vom NIH finanzierten Studie in den USA.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Hypertonie bei Kindern um fast 80 Prozent zugenommen, insbesondere in Ländern mit höheren Adipositasraten wie den Vereinigten Staaten. Da die Ursachen für Bluthochdruck bei Erwachsenen oft in der Kindheit liegen, untersuchten die Forscher des „Environmental influences on Child Health Outcomes“(ECHO)-Programmes, ob eine frühe Exposition gegenüber Luftverschmutzung im Freien den Blutdruck bei Kindern beeinflussen kann.

Wie beeinflussen Luftschadstoffe den Blutdruck von Kindern?

Als Mitverursacher von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Erwachsenen sind Luftschadstoffe wie Feinstaub (PM2,5) und Stickstoffdioxid (NO2) bekannt. Ihre Auswirkungen auf den Blutdruck von Kindern sind jedoch weniger gut verstanden – auch weil frühere Studien sich oft auf einzelne Standorte beschränkten. Die aktuell Studie nutzte Daten aus mehreren Kohortenstandorten in den Vereinigten Staaten, um diese Zusammenhänge besser zu klären.

Dazu analysierten die Forscher Daten von 4863 Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren aus 20 ECHO-Kohortenstudienstandorten. Sie schätzten die Exposition gegenüber Luftverschmutzung im Freien an den Wohnorten der Teilnehmer während jedes Trimesters der Schwangerschaft, während der gesamten Schwangerschaft und während der ersten zwei Lebensjahre des Kindes. Der Blutdruck der Kinder wurde während der Studienbesuche gemessen und mit den typischen Werten für Kinder gleichen Alters, Geschlechts und gleicher Größe verglichen. Der Blutdruck wurde als hoch eingestuft, wenn er zu den obersten zehn Prozent dieser Werte gehörte.

Frühe Schwangerschaft als sensible Phase

PM2,5-Exposition und höherer Blutdruck: Kinder, die vor und nach der Geburt höheren PM2,5-Werten ausgesetzt waren, hatten im Durchschnitt im Alter zwischen 5 und 12 Jahren einen höheren Blutdruck.

Die frühe Schwangerschaft als sensible Phase: Eine höhere PM2,5-Exposition während des ersten Trimesters war mit einem ausgeprägteren systolischen Blutdruck und einer höheren Wahrscheinlichkeit für Bluthochdruck im Kindesalter verbunden, was darauf hindeutet, dass die frühe Schwangerschaft eine besonders sensible Phase sein könnte.

NO₂ und Blutdruck: Eine höhere NO₂-Exposition der Mutter während der Schwangerschaft war mit einem leicht niedrigeren Blutdruck bei Kindern verbunden. Dieser Zusammenhang war während der Mitte bis zum Ende der Schwangerschaft, insbesondere im zweiten Trimester, am stärksten und war nicht mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck verbunden.

Der Zeitpunkt ist entscheidend: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Zeitpunkt der Schadstoffexposition während der Schwangerschaft wichtig sein könnte, um deren Auswirkungen auf die kardiovaskuläre Gesundheit von Kindern zu verstehen.

Schon geringe Feinstaubkonzentrationen sind schädlich

„Diese Ergebnisse ergänzen die wachsende Zahl von Belegen dafür, dass die Exposition gegenüber Feinstaubbelastung in der frühen Kindheit die kardiometabolische Gesundheit von Kindern beeinträchtigen kann, selbst bei relativ geringen Konzentrationen“, erklärte die Autorinder Studie, Dr. Yu Ni von der San Diego State University. „Die unerwarteten Ergebnisse in Bezug auf Stickstoffdioxid deuten darauf hin, dass weitere Untersuchungen erforderlich sind, um zu verstehen, wie sich diese Art der Luftverschmutzung auf den sich entwickelnden Körper von Kindern auswirken kann und ob andere Umweltfaktoren, wie Verkehrslärm, eine Rolle spielen könnten.“