Prävalenz der Infertilität nach Hodenkrebstherapie geringer als erwartet

Onkologische Behandlungen haben nur begrenzte Auswirkungen auf die Fertilitätsprognose bei Patienten mit Hodenkrebs. Das zeigt eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus der Schweiz.

Um die Fertilität zu erhalten, empfehlen die meisten Leitlinien, dass Ärzte ihre Patienten vor Beginn einer gonadotoxischen Therapie über die Kryokonservierung von Spermien beraten. Doch wie stark wirkt sich die Therapie tatsächlich auf die Fertilität aus? Eine Gruppe von Urologen, Gynäkologen und Reproduktionsmedizinern wollte es jetzt genauer wissen und durchsuchte die Datenbanken Medline, Embase und Cochrane systematisch bis Dezember 2022. Für die Metaanalyse schlossen sie Studien aus, bei denen die Behandlung nicht näher spezifiziert war, die seltene Tumoren zum Thema oder <10 Patienten in der Ergebnisbewertung hatten. Zum Outcome Infertilität zählten sie Azoospermie, ausbleibende Vaterschaft oder die Verwendung von Kryokonservierung.

Die qualitative Analyse beinhaltete 30 Studien mit insgesamt 13.718 Männern, die einseitigen Hodenkrebs überstanden hatten. Die Behandlung umfasste aktive Überwachung nach einseitiger Orchiektomie (32,7%), Strahlentherapie (23,1%), Standard- oder Niedrig­dosis-Chemotherapie (33,7%) und Hochdosis-Chemotherapie (1,4%). In 17 Studien wurden nach der Behandlung durchgeführte Spermiogramme ausgewertet. Die quantitative Synthese umfasste 23 Studien und ergab eine gepoolte Prävalenz der Infertilität von 14% (95%-KI 9–21). Azoospermie trat bei 8% (95%-KI 6–12) auf. Bei Patienten mit guter Prognose, die eine Standardtherapie erhielten, betrug die Prävalenz der Unfruchtbarkeit nur 4% (95%-KI 2–10).

Kryokonservierung weiter empfohlen

„Diese erste Metaanalyse der Prävalenz der Infertilität liefert bislang die beste Schätzung der Fertilitätsprognose für Männer nach Hodenkrebstherapie“, erklären Janna Pape vom Inselspital Bern und ihre Kollegen. Trotz der geringen Prävalenz der Unfruchtbarkeit empfehlen die Autoren aufgrund der Unsicherheit der nachfolgenden Therapie und des Mangels an umfassenden Längsschnittdaten zu individuellen Behandlungseffekten weiterhin eine Kryokonservierung von Spermien.

(ms)