Promotionspreis für Forschung zu Rhabdoidtumoren bei Kindern

Prodekan Prof. Hallmann (r.) übergab Dr. Julius Dag Mertins den Möller-Promotionspreis (Foto: FZ/Tronquet)

Für die Erforschung von Rhabdoidtumoren ist Julius Dag Mertins von der Medizinischen Fakultät der Universität Münster mit dem Maria-Möller-Promotionspreis ausgezeichnet worden. Mit seiner Arbeit konnte er einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung zielgerichteter Therapien leisten.

Rhabdoidtumoren sind genetische Erkrankungen, die auf Mutationen im Erbgut beruhen. „In der Regel treten diese Tumoren daher bereits im frühen Kindesalter auf, mit einer Häufung zwischen der Geburt und dem dritten Lebensjahr“, erklärte der aus dem Ruhrgebiet stammende Mertins. Im Fokus steht das Gen hSNF5, das bei rund 98 Prozent der erkrankten Kinder als einziges Veränderungen aufweist. Dieses mutierte Gen führt zu einer Fehlfunktion des SWI/SNF-Komplexes, der maßgeblich die Transkription reguliert. Die Folge ist eine Kettenreaktion, die mehrere Signalwege in der Zelle stört.

Durch die verminderte Funktion des SWI/SNF-Komplexes erhöht sich die Aktivität seines Gegenspielers – die des Chromatin-Komplexes der Polycomb-Gruppe (PRC2). „Zwischen beiden besteht in Rhabdoidtumoren ein dynamisches Gleichgewicht, das nun erheblich gestört ist und dadurch die Tumorentstehung fördert“, erklärte der 28-jährige Mediziner.

In seiner Doktorarbeit am münsterschen Institut für molekulare Tumorbiologie untersuchte Mertins das Zusammenspiel der Histonmethylase, einer aktiven Untereinheit des Polycomb2-Komplexes und der DNA-Methylierung im Erbgut bei der Entstehung von Rhabdoidtumoren. Die Frage, die sich der Nachwuchsforscher stellte: Was passiert, wenn Histon- und DNA-Methylierung beispielsweise durch Medikamente unterdrückt werden? Die Antwort: Die Tumoren wachsen deutlich langsamer und entwickeln sich teilweise sogar zurück, wenn beide Mechanismen gleichzeitig ausgeschaltet werden. „Durch eine Hemmung beider Mechanismen könnten Tumorzellen gezielt abgetötet werden, mit weniger Nebenwirkungen für das gesunde Gewebe“, hofft der Studienautor für die Zukunft.