Protonenpumpeninhibitoren erhöhen bei Säuglingen das Risiko für schwere Infektionen19. Dezember 2023 Eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass Protonenpumpeninhibitoren bei Säuglingen nur bei klarer Indikation eingesetzt werden sollten. (Foto: © Tunatura – stock.adobe.com) Die Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) ist bei Kleinkindern mit einem erhöhten Risiko für schwere Infektionen verbunden. Das zeigt eine französische Studie in „JAMA Pediatrics“. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass PPI durch eine Veränderung der Mikrobiota oder eine direkte Wirkung auf das Immunsystem zu Infektionen führen können. Studien zu dieser Problematik bei Kindern wurden jedoch nur wenige durchgeführt, die zudem widersprüchliche Ergebnisse lieferten. Daher untersuchten Marion Lassalle von der French National Agency for the Safety of Medicines and Health Products (ANSM) und Kollegen die Zusammenhänge zwischen der Einnahme von PPI und schweren Infektionen bei Kindern insgesamt sowie nach Infektionsort und Erreger. Die hierfür notwendigen Daten generierten die Forschenden aus dem Mutter-Kind-EPI-MERES-Register, das aus dem französischen Gesundheitsdatensystem (SNDS) erstellt wurde. Eingeschlossen wurden alle Kinder, die zwischen 2010 und 2018 geboren worden waren und eine Behandlung mit PPIs, Histamin-2-Rezeptor-Antagonisten oder Antazida/Alginate gegen gastroösophagealen Reflux oder andere mit der Magensäure zusammenhängende Störungen erhalten hatten. Die Kinder wurden bis zur Aufnahme ins Krankenhaus wegen einer schweren Infektion, bis zum Ausscheiden aus der Nachbeobachtung, bis zum Tod oder bis zum 31. Dezember 2019 beobachtet. Die Studienpopulation umfasste 1.262.424 Kinder (mediane Nachbeobachtungszeit 3,8 Jahre; Interquartilbereich [IQR] 1,8–6,2), darunter 606.645, die PPI erhalten hatten (53,4 % männlich; medianes Alter bei erstmaliger Medikamentengabe 88 Tage; IQR 44–282). Bei diesen Kindern fanden die Forschenden mithilfe statistischer Methoden ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen insgesamt (adjustierte HR [aHR] 1,34; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,32–1,36). Erhöhte Risiken wurden auch für Infektionen des Verdauungstrakts (aHR 1,52; 95 %-KI 1,48–1,55), des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs (aHR 1,47; 95 %-KI 1,41–1,52), der unteren Atemwege (aHR 1,22; 95 %-KI 1,19–1,25), Nieren oder Harnwege (aHR 1,20; 95 %-KI 1,15–1,25) sowie des Nervensystems (aHR 131; 95 %-KI 1,11–1,54) gefunden. Dies betraf sowohl bakterielle (aHR 1,56; 95 %-KI 1,50–1,63) als auch virale Infektionen (aHR 1,30; 95 %-KI 1,28–1,33). Basierend auf diesen Ergebnissen empfehlen die Autoren, die untersuchten Medikamente nicht ohne klare Indikation einzusetzen. (ej)
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