Resistenzen beim Neuroblastom überwinden

Neuroblastom-Krebszellen vor (l.) und nach (r.) der Chemotherapie. Die schwarzen Fäden sind das innere Gerüst der Zelle, das während der Behandlung zerfällt. (Quelle: © Garvan Institute)

Ein bereits zugelassenes Medikament könnte die Überlebenschancen von Kindern mit rezidiviertem Neuroblastom verbessern. Darauf deuten die Ergebnisse eines australischen Forschungsteams am Tiermodell hin.

Derzeit versterben etwa neun von zehn jungen Patienten mit rezidiviertem Neuroblastom. Ein Wissenschaftlerteam des Garvan Institutes of Medical Research in Sydney (Australien) hat nun eine Wirkstoffkombination gefunden, die die zellulären Abwehrmechanismen umgehen kann, die diese Tumoren entwickeln und zu einem Rezidiv führen.

Am Tiermodellen konnten Associate Professor David Croucher und sein Team zeigen, dass ein bereits für andere Krebsarten zugelassenes Medikament den Tod von Neuroblastomzellen über alternative Wege auslösen kann, wenn die üblichen Wege blockiert sind. 

Warum Behandlungen nicht mehr wirken

Während Patienten mit einer risikoarmen Form des Neuroblastoms eine sehr gute Prognose haben, wird bei etwa der Hälfte der Patienten die hochriskante Form des Tumors diagnostiziert. Von diesen Hochrisikopatienten sprechen 15 Prozent nicht auf die Erstbehandlung an. Und auch bei der Hälfte derjenigen, die darauf ansprechen, tritt der Krebs erneut auf.

Die Forscher gingen zunächst der Frage nach, warum Neuroblastome resistent gegen Behandlungen werden. Dazu untersuchten sie im Labor gezüchtete Neuroblastomzellen und verglichen Tumorproben derselben Kinder zum Zeitpunkt der Diagnose und nach dem Wiederauftreten ihres Krebses. So konnten sie die Veränderungen verfolgen, die auftreten, wenn der Krebs eine Resistenz entwickelt.

Dabei entdeckten sie, dass viele Standard-Chemotherapeutika auf denselben zellulären „Schalter“, den JNK-Signalweg, angewiesen sind, um den Tod der Krebszellen auszulösen. Bei rezidivierten Tumoren funktioniert dieser Schalter oft nicht mehr, was bedeutet, dass die Behandlungen nicht mehr wirksam sind.

Vielversprechendes Medikament identifiziert

Auf der Suche nach Behandlungen, die nicht auf diesen zellulären Schalter angewiesen sind, um den Zelltod auszulösen, untersuchte das Team eine große Sammlung von FDA-zugelassenen Medikamenten mit pädiatrischen Sicherheitsdaten, um diejenigen zu finden, die schnell für den klinischen Einsatz übernommen werden könnten. So identifizierten sie Romidepsin, ein Medikament, das derzeit zur Behandlung bestimmter Lymphome eingesetzt wird, als besonders wirksam gegen Neuroblastomzellen, unabhängig davon, ob der JNK-Signalweg funktioniert oder nicht.

In Zusammenarbeit mit dem Children’s Cancer Institute testete das Team anhand von Tiermodellen mit rezidiviertem Neuroblastom, ob die Zugabe von Romidepsin zur Standard-Chemotherapie die Resistenz überwinden kann.

In ihren Modellen stellten sie fest, dass die neue Kombination das Tumorwachstum reduzierte und die Überlebenszeit im Vergleich zur Standardbehandlung allein verlängerte, was auf eine geringere Resistenz gegenüber der Behandlung hindeutet. Außerdem erzielte die Standard-Chemotherapie in Kombination mit Romidepsin in niedrigeren Dosen die gleiche krebszerstörende Wirkung wie die Chemotherapie allein in höheren Dosen. Dies eröffnet die Möglichkeit, die Nebenwirkungen bei zukünftigen Behandlungen zu reduzieren – ein wichtiger Aspekt bei der Behandlung von Kleinkindern.

Nächste Schritte: Auf dem Weg zur klinischen Anwendung

Obwohl die Laborergebnisse vielversprechend sind, sind laut Croucher weitere Forschungen erforderlich, bevor diese Erkenntnisse in die Patientenversorgung umgesetzt werden können. Sein Team konzentriert sich nun darauf, die Kombinationsbehandlungspläne und Verabreichungsmethoden im Hinblick auf Sicherheit und Wirksamkeit zu optimieren.

„Dies ist ein großer Schritt nach vorne, aber die nächste Herausforderung wird darin bestehen, diese Erkenntnisse in die klinische Praxis umzusetzen“, erklärt der Forscher. „Wir nutzen diese Daten als Proof of Principle, um die besten Methoden für die Verabreichung dieser Behandlungen zu entwickeln.“