Rhabdomyosarkom: PET-Scan als schonende Alternative zur Knochenmarkpunktion

Prof. Simone Hettmer erklärt, wie FDG-PET-Scans eine schmerzhafte Bestimmung des Krankheitsstadiums bei Rhabdomyosarkomen in den meisten Fällen überflüssig machen können. (Foto: © Universitätsmedizin Halle)

Ein PET-Scan erkennt bei Patienten mit Rhabdomyosarkom einen Befall des Knochenmarks mindestens so zuverlässig wie eine Knochenmarkpunktion. Das zeigt eine Studie der Universitätsmedizin Halle sowie von Forschenden aus den Niederlanden, Italien und den USA. Dadurch könnte den meisten Betroffenen – meist Kindern und Jugendlichen – eine schmerzhafte Gewebeentnahme erspart bleiben.

Im Kindesalter sind Rhabdomyosarkome für rund 60 Prozent aller Weichteiltumoren verantwortlich. Sie bestehen aus unreifem, bösartigem Muskelgewebe und können sich auch auf das Knochenmark ausbreiten. Für die Therapieplanung ist es entscheidend, einen möglichen Befall des Knochenmarkds rechtzeitig zu erkennen.

„Bisher gilt die Knochenmarksprobe als Goldstandard, um festzustellen, ob sich der Tumor bereits bis ins Knochenmark ausgebreitet hat. Dieses Verfahren ist jedoch schmerzhaft und liefert nur Aussagen zur Punktionsstelle, sodass ein ungleichmäßiger Knochenmarkbefall eventuell übersehen werden kann“, erklärt Kinderonkologin Prof. Simone Hettmer, Letztautorin der Studie und Direktorin der Universitätsklinik und Poliklinik für Pädiatrie I an der Universitätsmedizin Halle. Gemeinsam mit internationalen Kollegen suchte sie deshalb nach alternativen Möglichkeiten im Bereich der Bildgebung.

PET-Scan erkennt Knochmarkbefall zuverlässig

In die Studie flossen Daten von mehr als 300 Patienten mit Rhabdomyosarkom ein, bei denen neben der üblichen Probenentnahme des Knochenmarks eine Positronen-Emissions-Tomographie (PET) durchgeführt wurde, bevor sie eine Chemotherapie oder einen chirurgischen Eingriff erhielten. Die Hälfte der Teilnehmenden war zwischen einem und zehn Jahren alt.

Konkret zeigte die Studie: Drei Viertel der untersuchten Patienten hatten keinen Knochenmarksbefall. Bei dem verbleibenden Viertel zeigten sowohl die Probenentnahme als auch die PET-Bildgebung in rund 70 Prozent der Fälle übereinstimmend einen Befall an, während sich 30 Prozent der positiven Diagnosen ausschließlich auf die FDG-PET-Bildgebung stützten. Nur in einem einzigen Fall lieferte allein das bisherige Standardverfahren der Probenentnahme einen korrekten positiven Befund, der durch PET nicht erkannt wurde.

Die Ergebnisse sind für die klinische Praxis von großer Bedeutung: „Beim Rhabdomyosarkom kann FDG-PET einen Knochenmarksbefall genauso gut erkennen wie die Probenentnahme“, fasst Hettmer zusammen.

Probennnahme bei positivem PET-Befund

Die Forschenden empfehlen aufgrund ihrer neuen Daten eine Anpassung der bisherigen Diagnostik. „FDG-PET sollte künftig der erste Schritt sein. Zeigt die PET-Bildgebung keine Metastasen im Knochenmark, könnte man auf die Knochenmarksproben verzichten“, erklärt Hettmer. Die Autoren empfehlen zudem, bei auffälliger PET-Bildgebung trotzdem eine Probenentnahme im Knochenmark oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchzuführen. Ein MRT kann mögliche Veränderungen der Gewebestruktur, die typisch für einen Tumor wären, in den zuvor eingegrenzten, auffälligen Bereichen ebenfalls bestätigen.

Denn obwohl FDG-PET einen tatsächlichen Befall sicher diagnostizieren könne, könnten laut Hettmer andere Ursachen zu einem positiven Bildgebungsbefund führen. Dazu gehören Verletzungen oder Entzündungen. Positive FDG-PET-Befunde lieferten somit zunächst einen dringenden Verdacht, der abgeklärt werden sollte, um Fehldiagnosen auszuschließen. „Hinter den Daten dieser Studie steht das Schicksal von Menschen, meist Kindern und ihren Familien. Wenn wir zukünftig eine schmerzhafte Untersuchung vermeiden können, ohne die Qualität der Diagnostik zu beeinträchtigen, ist das ein wichtiger Gewinn für die Patientinnen und Patienten. Unsere Ergebnisse zeigen, dass dies in drei Vierteln der Fälle möglich wäre“, betont Hettmer.