Risikobewertung bei HPV-bedingtem Oropharynxkarzinom21. April 2026 Foto: kitsawet/stock.adobe.com Eine aktuelle US-amerikanische Studie zeigt, wie zirkulierende tumorassoziierte DNA (ctDNA) personalisierte Behandlungsstrategien bei HPV-bedingtem Oropharynxkarzinom unterstützen könnte. Bei 104 an einem Zentrum in den USA behandelten Patienten mit HPV-assoziiertem Plattenepithelzellkarzinom des Oropharynx variierten der Studie zufolge die ctDNA-Spiegel erheblich, beeinflusst durch Tumorbiologie und Patientenfaktoren. Für das Team um Jack L. Birkenbeuel vom Wexner Medical Center der Ohio State University in Columbus (USA) zeigt ihre Arbeit, dass die Bestimmung der ctDNA dabei helfen könnte, residuale Erkrankung zu erkennen. Außerdem könnten die ctDNA-Spiegel in Kombination mit der Tumorpathologie eine verfeinerte Risikostratifizierung ermöglichen, so die Einschätzung der Autoren. Die Studie ist in „JAMA Otolaryngology – Head and Neck Surgery“ veröffentlicht. Prä- und postoperative ctDNA-Spiegel analysiert Im Rahmen ihrer Studie haben Birkenbeuel et al. untersucht, wie sich die ctDNA-Spiegel bei Patienten mit HPV-bedingtem Oropharynxkarzinom vor und nach der Operation veränderten. Zur Messung der ctDNA nutzten sie einen blutbasierten Test. Die Autoren analysierten insbesondere welchen Einfluss Tumorbiologie und Patientenfaktoren hatten. „Wir wissen, dass mehr als 90 Prozent der Rachenkrebsfälle durch HPV verursacht werden“, erklärte Dr. Catherine Haring, eine auf Kopf-Hals-Tumoren spezialisierte HNO-Ärztin und Assistenzprofessorin in der Abteilung für Otolaryngologie – Kopf- und Hals-Chirurgie am College of Medicine der Ohio State University. Die Krebsart spreche zwar gut auf die Therapien an, allerdings beeinflussten Strahlen- und Chemotherapie die Lebensqualität der Betroffenen negativ. „Verbesserte Biomarker könnten uns helfen, die Behandlung besser anzupassen, um unnötige Nebenwirkungen zu reduzieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass Patienten die notwendige Therapie erhalten,“ ergänzte Haring. Schlechtere Nierenwerte und höheres Tumorstadium mit höheren ctHPVDNA-Leveln assoziiert In ihre retrospektive Kohortenstudie schlossen die Autoren 104 Erwachsene ein, die zwischen September 2021 und April 2025 wegen eines HPV-assoziierten Oropharynxkarzinoms behandelt worden waren, darunter 20 Frauen und 84 Männer. Die Patienten waren im Mittel 59 Jahre alt. Die Mehrheit hatte Tumoren im Frühstadium, die in den Tonsillen lokalisiert waren. Alle Patienten wurden operiert, zusätzliche Therapien (Strahlen- und/oder Chemotherapie) wurden basierend auf pathologischen Risikofaktoren empfohlen. Die zirkulierende tumorassoziierte HPV-DNA (ctHPVDNA) wurde bei allen Patienten vor der Operation getestet und bei 74 Patienten auch nach der Operation (vor Beginn der Strahlentherapie). Eine multivariable negative binomiale Regressionsanalyse der Daten konnte zeigen, dass sowohl eine höhere geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR; relative Rate [RR] 1,05; 95%-KI 1,0 –1,09) als auch ein höheres pathologisches N-Stadium (RR 12,3; 95%-KI 2,65–57,5) unabhängig mit höheren präoperativen ctHPVDNA-Spiegeln assoziiert waren, perineurale Invasion (PNI; RR 0,23; 95%-KI 0,07–0,83) und pathologische extranodale Extension (pENE; RR 0,11; 95%-KI 0,04–0,28) hingegen mit niedrigeren. Test auf ctHPVDNA „muss im Kontext interpretiert werden“ Bei 15 von 74 (20,2%) Patienten mit HPV-bedingtem Oropharynxkarzinom konnte ctHPVDNA postoperativ nachgewiesen werden. Für diese Patientengruppe zeigte sich eine Assoziation mit mehr als vier positiven Lymphknoten (Odds ratio [OR] 4,86; 95%-KI 1,39–19,49), höheren präoptertiven ctHPVDNA-Spiegeln (1,17; 95%-KI 1,04–1,36), PNI (OR 2,95; 95%-KI 0,51–15,51) und pENE (OR 3,38; 95%-KI 0,84 –13,29). Drei der 15 Patienten (20%) mit nachweisbarer ctHPVDNA nach der Operation erlitten ein Rezidiv. Der Anteil an Rezidiven unter den 59 Patienten ohne nach der Operation nachweisbare ctHPVDNA fiel mit 13,6% (n=8) geringer aus. Unter den Patienten, bei denen postoperativ keine ctHPVDNA nachweisbar war, traten 4 lokoregionale Rezidive bei jenen auf, die eine leitliniengerechte adjuvante Therapie abgelehnt hatten. „Wir stellten fest, dass die ctDNA-Spiegel vor der Behandlung durch die Tumorbiologie und die Nierenfunktion beeinflusst werden“, so Haring. „Die postoperative ctDNA spiegelt sowohl verbleibende Tumorerkrankung als auch die Ausgangswerte der Tumor-DNA wider. Das bedeutet, dass der Test im Kontext interpretiert werden muss. Ein positives Ergebnis nach der Operation kann auf ein höheres Risiko hinweisen, aber ein negatives Ergebnis bedeutet nicht immer, dass ein Patient frei von Erkrankung ist“ ordnete die Korrespondenzautorin die Studienergebnisse ein. Zusätzliche Informationsebene als Ergänzung zur Pathologie bei HPV-bedingtem Oropharynxkarzinom Praktisch bedeute dies, dass die Messung der ctHPVDNA-Spiegel nach der operativen Behandlung bei HPV-bedingtem Oropharynxkarzinom eine zusätzliche Informationsebene liefern kann. Diese helfe das Risiko eines Patienten – in Kombination mit Standard-Pathologiebefunden – besser einzuschätzen, so Haring. Damit ist die ctHPVDNA ein vielversprechender postoperativer Marker zur Risikoabschätzung. Der Wert bleibt aber eine Ergänzung pathologischer Befunde. Zukünftige Forschung wird sich darauf konzentrieren, die Sensitivität von ctDNA-Tests zu verbessern und sie in multifaktorielle Risikomodelle zu integrieren, die Biomarkerdaten mit traditionellen klinischen und pathologischen Risikofaktoren kombinieren, um die Versorgung von Patienten mit HPV-bedingtem Oropharynxkarzinom weiter zu personalisieren. (ja/BIERMANN)
Mehr erfahren zu: "Hitzeschutz: Nur fünf Prozent der Patientenzimmer sind klimatisiert" Hitzeschutz: Nur fünf Prozent der Patientenzimmer sind klimatisiert Laut einer Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstitutes im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) können 59 Prozent der deutschen Kliniken kein einziges Patientenzimmer kühlen. Bei den restlichen 41 Prozent gelingt dies im […]
Mehr erfahren zu: "Riech- und Geschmacksstörungen sind nicht mehr typisch für akute SARS-CoV-2-Infektion" Riech- und Geschmacksstörungen sind nicht mehr typisch für akute SARS-CoV-2-Infektion Nach dem Ende der Corona-Pandemie sind Hyposmie und Hypogeusie bei Kindern nicht mehr pathognomonisch für eine akute SARS-CoV-2-Infektion. Eine aktuelle Querschnittsstudie zeigt, dass auch andere Atemwegsinfekte ähnliche objektive Defizite verursachen.
Mehr erfahren zu: "Umfrage: Osteopathie-Allianz sieht Auftrag für berufsgesetzliche Regelung bestätigt" Umfrage: Osteopathie-Allianz sieht Auftrag für berufsgesetzliche Regelung bestätigt Laut einer Befragung im Auftrag der Osteopathie-Allianz sind osteopathisch und schulmedizinisch versorgte Patienten deutlich zufriedener als vergleichbare ausschließlich schulmedizinisch behandelte Patienten.