RKI: Zwischenbilanz zum Aufbau der nationalen Diabetes-Surveillance29. Juni 2019 Foto: © putilov_denis, AdobeStock Hat sich die Früherkennung von Diabetes mellitus verbessert? Wie entwickelt sich die Zahl der Diabetespatienten in den kommenden 25 Jahren? Welches Potenzial haben Daten von Geokodierungsdiensten, um das Diabetesrisiko besser einschätzen zu können? Neue Ergebnisse und Perspektiven der Diabetes-Surveillance sind das Schwerpunkthema der aktuellen Ausgabe des Journal of Health Monitoring 2/2019. Surveillance (Überwachung) bedeutet im Public-Health-Kontext die systematische und fortlaufende Erhebung, Zusammenführung und Analyse von Gesundheitsdaten. „Diabetes steht mittlerweile als eine der weltweit häufigsten chronischen Krankheiten im Fokus internationaler Aktionspläne“, sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI). „Eine nationale Diabetes-Surveillance ist daher als Grundlage für fundierte Entscheidungen der Politik, aber auch für Forschung und Praxis unverzichtbar“, unterstreicht Wieler. Typ-1-Diabetes tritt meist schon im Kindesalter auf. Typ 2 dominiert das Diabetesgeschehen im Erwachsenenalter, wichtige Risikofaktoren sind neben genetischen Faktoren vor allem ein höheres Lebensalter und vermeidbare Gesundheitsrisiken wie Adipositas, körperliche Inaktivität und Tabakkonsum. In Deutschland haben 9,2 % der Erwachsenen Diabetes (7,2 % bekannter Diabetes und 2,0 % unerkannter Diabetes). Daten aus dem RKI-Gesundheitsmonitoring zeigen, dass Diabetes in der niedrigen Bildungsgruppe häufiger ist als in höheren Bildungsgruppen. „Hier liegt eine große Herausforderung für Gesundheitsförderung und Primärversorgung“, unterstreicht Wieler. Abgenommen hat über alle Bildungsgruppen die Häufigkeit des unerkannten Diabetes, bei vergleichsweise konstanter Gesamtzahl. Dies werten die RKI-Wissenschaftler als möglichen Hinweis auf eine verbesserte Früherkennung. Bislang fehlten in Deutschland standardisierte, über die Zeit vergleichbare Schätzungen zu Häufigkeit (Prävalenz) und Neuerkrankungsrate (Inzidenz) von Typ-1-Diabetes bei Erwachsenen und Gesamtschätzungen über alle Altersgruppen. Für Typ-1-Diabetes ergab eine aktuelle Schätzung die Gesamtzahl von 341.000 Erwachsenen für das Jahr 2016. Typ-2-Diabetes ist bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland mit knapp 760 Personen im Jahre 2016 nach wie vor eine seltene Erkrankung. Das RKI hat auch Projekte gefördert, um Datenquellen hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit und Nutzbarkeit für die Surveillance zu überprüfen. Auf Basis der Fallpauschalenbezogenen Krankenhausstatistik (DRG-Statistik) wurden zum Beispiel Trends bei Amputationen ausgewertet. Der festgestellte Rückgang ist möglicherweise zum Teil auf eine Verbesserung der Versorgung von Diabetespatienten zurückzuführen. Im Jahr 2016 waren bei Erwachsenen in Deutschland fast 8.000 Amputationen bei Diabetes zu verzeichnen. Amputationen der unteren Extremität gelten als potenziell vermeidbar, da Diabetes bei angemessener Versorgung gut kontrolliert werden kann. Auf Basis von Daten nach der Datentransparenzverordnung wurde hochgerechnet, dass die Anzahl von Personen mit Diabetes von 2015 bis 2040 allein aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung relativ gesehen um etwa 21 % steigt. Unter Berücksichtigung weiterer Faktoren liegen die Schätzungen noch weit höher.
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