RNA als Übeltäter: Genetische Ursache für neonatalen Diabetes aufgedeckt17. April 2026 Neonataler Diabetes ist in der Regel genetisch bedingt und tritt innerhalb des ersten Lebensjahres auf. Symbolbild: praisaeng/stock.adobe.com Ein britisches Forschungsteam hat zwei neue Gene als Ursache eines neonatalen autoimmunen Diabetes identifiziert. Das Besondere daran: Die Gene kodieren nicht für Proteine, sondern RNA-Moleküle. Bis vor Kurzem konzentrierte sich die Forschung hauptsächlich auf Krankheitsursachen in kodierenden Genen – also solchen, die Proteine produzieren. Ein Forschungsteam unter Leitung der University of Exeter (Großbritannien) hat nun herausgefunden, dass DNA-Veränderungen in zwei nichtkodierenden Genen ursächlich für neonatalen bzw. frühkindlichen Diabetes sind. Die Studie ist im „American Journal of Human Genetics“ veröffentlicht. RNA-Gene als Krankheitsursache Neonataler Diabetes ist eine seltene Form von Diabetes, die in den ersten sechs Lebensmonaten auftritt und genetisch bedingt ist. Ein Programm der University of Exeter bietet weltweit kostenlose Gentests für Kinder mit Verdacht auf genetische Diabetesformen an. Im Rahmen dieses Programms wurden 19 Kinder identifiziert, die an einer Autoimmunerkrankung litten, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Beta-Zellen angreift – ähnlich dem Typ-1-Diabetes. Mithilfe der Genomsequenzierung fanden die Forschenden heraus, dass Veränderungen in den Genen RNU4ATAC oder RNU6ATAC bei diesen Kindern die Ursache für autoimmunen neonatalen Diabetes waren. Diese Gene kodieren nicht für Proteine sondern kleine RNA-Moleküle (small nuclear RNA, snRNA), die katalystische Komponenten des Speißosoms darstellen. Als solche beeinträchtigen die identifizierten Genvarianten rund 800 andere Gene, von denen viele mit dem Immunsystem in Verbindung stehen. … und potenzieller Therapieansatz? Laut Studienleiterin Prof. Elisa De Franco von der University of Exeter Medical School unterstreiche dies die Bedeutung dieser Gene und ihr Potenzial, Krankheiten beim Menschen auszulösen. „Bis zu die Hälfte der Menschen mit seltenen Erkrankungen leben derzeit ohne Diagnose. Die Erforschung der nicht-proteinkodierenden DNA könnte betroffenen Familien endlich Antworten liefern“, erklärt die Wissenschaftlerin. Ko-Erstautor Matthew Johnson sieht in den Ergebnissen zudem einen Erkenntnisgewinn bezüglich der Krankheitsentstehung. Er ergänzt: „Dieser Befund deutet an, dass eines oder mehrere dieser 800 Gene eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Autoimmun-Diabetes spielen. Darin stecken nicht nur neue biologische Erkenntnisse sondern auch potenzielle Angriffspunkte für Medikamente gegen herkömmlichen Typ-1-Diabetes.“ (mkl/BIERMANN)
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