S2k-Leitlinie zur vaginal-operativen Geburtshilfe veröffentlicht30. Januar 2024 Foto: © Gorodenkoff/stock.adobe.com Die neue AWMF-Leitlinie* zur vaginal-operativen Geburtshilfe behandelt eine der häufigsten geburtshilflichen Interventionen. Dargelegt werden Empfehlungen, die als Grundlage und Rückhalt für die indikationsgerechte Entscheidung zur sowie Durchführung der vaginal-operativen Geburt dienen sollen. Bis zu 10% aller Geburten werden vaginal-operativ beendet. Ziel dieser Geburtsmethode ist es, die Rate der Interventionen möglichst gering zu halten. Dabei sind sowohl Begründungen als auch Methoden verschieden. Die federführenden Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) sowie Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) haben nun eine Leitlinie zur vaginal-operativen Geburtshilfe erstellt, um möglichst evidenzbasierte Empfehlungen zu Indikationen und Techniken dieser Art von Geburtshilfe geben zu können. Zudem sollen anhand der Handlungsempfehlung die kindlichen und mütterlichen Therapieergebnisse optimiert werden. „Da die Verteilung von Kaiserschnitten und vaginal-operativen Geburten in den einzelnen Einrichtungen sehr unterschiedlich gewichtet ist, sollte bei der Indikationsstellung zur vaginal-operativen Geburt insbesondere das Ziel verfolgt werden, die Eingriffsrate in ihrer Gesamtheit zu senken“, kommentiert Prof. Harald Abele, Department für Frauengesundheit Tübingen. Indikationen für eine vaginal-operative Geburtshilfe Die Notwendigkeit der vaginal-operativen Geburtshilfe ergibt sich meistens erst im Verlauf der Geburt. Dementsprechend soll der Blick im Vornherein aber auch während der Geburt sowohl auf mütterliche als auch auf kindliche Risiken gerichtet werden sowie auf Auswirkungen der Maßnahmen auf das Geburtserleben. Die Autoren der Leitlinie stellen Voraussetzungen und Maßnahmen dar, die die Zahl der vaginal-operativen Geburten reduzieren können. Dazu gehören eine kontinuierliche 1:1 Hebammenbetreuung in der aktiven Geburtsphase, der Zeitpunkt des Mitschiebens und Mitpressens sowie die mütterliche Mobilität und eine aufrechte Geburtsposition bei Geburten. Zudem werden in der aktualisierten Handlungsempfehlung Voraussetzungen für eine vaginal-operative Geburt dargestellt, zu denen neben den Bereichen der vaginalen Untersuchung und der Vorbereitung der Gebärenden auch die Vorbereitungen der Fachkräfte zählen. Zentrale Punkte sind dabei beispielsweise die Positionierung des kindlichen Kopfes in der Beckenmitte oder beim Beckenausgang sowie die personellen Ressourcen zur Versorgung von Mutter und Kind. Des Weiteren sind die situationsgerechte Aufklärung und Einverständniserklärung der Gebärenden über den Eingriff und mögliche Alternativen wichtig. Auch bei Niedrig-Risiko-Schwangeren sei es ratsam, frühzeitig und weitreichend zuKomplikationen, Interventionen und Handlungsempfehlungen zu informieren und aufzuklären. Dokumentiertes, informiertes Gespräch ist 1. Wahl Die Autoren gehen auch auf juristische Aspekte ein. Dies vor dem Hintergrund, dass die deutsche Rechtsprechung zunehmend strengere Anforderungen an die Medizin stellt. Sobald im Einzelfall eine physiologische vaginale Geburt unwahrscheinlich wird, sollte ein dokumentiertes, informiertes Gespräch mit der Gebärenden geführt werden. Schriftliche ärztliche Aufklärungen in akuten Situationen sollten nicht die Regel sein. Weiterhin sei wichtig, dass die Wünsche der Gebärenden dem Geburtsteam vorab bekannt sind und wenn möglich auch berücksichtigt würden. Zusätzlich sollte das Geburtsteam während der Geburt kontinuierlich mit den Gebärenden kommunizieren, um ihnen zu ermöglichen, die Entscheidungen im Geburtsprozess nachvollziehen zu können. Klassifizierungen der forceps- und vakuum-assistierten Methoden Die Wahl des Instruments sollte stets der klinischen Situation und dem individuellenErfahrungsniveau angepasst sein. Klassifiziert werden forceps- oder auch Geburtszangenassistierte und vakuum-assistierte Geburten. Während bei forceps- oder auch zangenassistierten Geburten zwischen forceps aus Beckenmitte, Beckenboden oder Beckenausgang unterschieden werden, wird bei vakuum-assistierten Geburten die exakte Beschreibung des klinischen Untersuchungsbefundes, die Rotation des Kopfes oder das Tiefertreten des Kopfes während der Wehe beim Pressversuch zur Kategorisierung herangezogen. Die Technik mit der Geburtszange ist eine effektive Methode der vaginal-operativen Geburt, um eine rasche Geburtsbeendigung mit einer hohen Erfolgschance zu erzielen. Die vakuumassistierte Geburt gilt als sichere Methode der vaginal-operativen Geburt. Beide Methoden werden in der Leitlinie ausführlich erläutert. Detailliert beschrieben werden unter anderem Frühgeburten, Zwillingsschwangerschaften oder die vaginal-operative Geburtshilfe bei Beckenendlage. Aber auch mögliche Komplikationen und Maßnahmen zum Wohl von Mutter und Kind finden Erwähnung. An der Erstellung der insgesamt 142 Seiten umfassenden Handlungsempfehlung waren 18 Autoren aus verschiedenen Fachgesellschaften beteiligt. Finanziert wurde die S2k-Leitlinie vom DGGG-Leitlinienprogramm. *Hinweis der DGGG: Leitlinien sind Handlungsempfehlungen. Sie sind rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.
Mehr erfahren zu: "Studie zu Schwangerschaftsübelkeit deckt sechs neue genetische Zusammenhänge auf" Studie zu Schwangerschaftsübelkeit deckt sechs neue genetische Zusammenhänge auf Eine neue Studie identifizierte insgesamt zehn Gene, die mit der schwersten Form der Schwangerschaftsübelkeit, der Hyperemesis gravidarum, in Verbindung stehen. Sie liefert Hinweise auf zugrundeliegende biologische Mechanismen und potenzielle neue […]
Mehr erfahren zu: "Krebsmedikament könnte IVF-Erfolgsrate bei Frauen mit geringer ovarieller Reserve verbessern" Krebsmedikament könnte IVF-Erfolgsrate bei Frauen mit geringer ovarieller Reserve verbessern Forscher haben herausgefunden, dass die zusätzliche Gabe von Letrozol (einem häufig in der Brustkrebstherapie eingesetzten Medikament) zu einem Standard-Hormonprotokoll der In-vitro-Fertilisation (IVF) die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt bei Frauen mit eingeschränkter […]
Mehr erfahren zu: "Tuberkulose in Schwangerschaft und Wochenbett möglicherweise unterschätzt" Tuberkulose in Schwangerschaft und Wochenbett möglicherweise unterschätzt Das Risiko für Tuberkulose in Schwangerschaft und Wochenbett wird offenbar deutlich unterschätzt. Eine Modellierungsstudie zeigt ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, insbesondere bei Frauen mit HIV.