S3-Leitlinie zum Peniskarzinom erschienen26. August 2020 Leitlinienkoordinator Oliver Hakenberg. Foto: Bertram Solcher / DGU Unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) wurde im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie die erste S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms erstellt. Ziel der Leitlinie ist es, die Versorgung von Betroffenen in frühen und späteren Erkrankungsstadien zu optimieren und somit eine verbesserte Lebensqualität zu erreichen. Zudem wurden in die Behandlungsempfehlungen auch psychoonkologische Maßnahmen integriert. Auf der Grundlage von systematischen Evidenzsynthesen wurde somit erstmalig ein Behandlungsstandard für diese seltene Tumorerkrankung geschaffen.Die Erkrankung beeinflusst die Lebensqualität und Sexualität der Betroffenen. Bereits mit Diagnosestellung sollen die Behandler die Patienten deshalb angemessen aufklären: „Dazu gehört, die Patienten über fertilitätserhaltende Maßnahmen, aber auch über soziale, finanzielle und psychoonkologische Unterstützung zu informieren“, sagt Leitlinienkoordinator Prof. Oliver Hakenberg von der Universitätsmedizin Rostock. Darüber hinaus sollen alle Patienten ein Screening auf psychosoziale Belastungen erhalten.Neben der Patientenaufklärung und psychoonkologischen Aspekten gibt die Leitlinie zudem Behandlungsempfehlungen zu verschiedenen Erkrankungsstadien: „Ist die Erkrankung noch nicht weit fortgeschritten, stehen die lokale Tumorkontrolle und der Organerhalt im Vordergrund“, sagt Hakenberg. Für die Behandlung des Primärtumors stehen verschiedene Therapien zu Verfügung, etwa eine Operation, Laserablation, Strahlentherapie und eine medikamentöse Therapie. Selbst in einem frühen Erkrankungsstadium können sich in den Leistenlymphknoten Mikrometastasen ansiedeln. Aufgrund der schlechten Prognose bei einem Lymphknotenrezidiv sollten deshalb alle Lymphknotenmetastasen entfernt werden. Das metastasierte Peniskarzinom stellt aufgrund der schlechten Prognose und der begrenzten Studiendaten eine besondere Herausforderung dar. „Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung und auch im Falle einer multimodalen Therapie sollte in jedem Fall ein interdisziplinäres Tumorboard zur Therapieentscheidung herangezogen werden“, so Hakenberg.Das Peniskarzinom gehört zu den seltenen Tumorerkrankungen. Laut dem Robert Koch-Institut sind in Deutschland im Jahr 2014 insgesamt 950 Männern neu daran erkrankt. Im gleichen Jahr verstarben 197 Betroffene an einem Peniskarzinom. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem HPV-Infektionen, Vorhautverengungen, eine lange Vorhaut sowie eine mangelhafte Genitalhygiene.An der Erstellung der evidenz- und konsensbasierten S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms waren insgesamt 22 Fachgesellschaften und Organisationen aus Deutschland, Österreich sowie der Schweiz beteiligt. Die Leitlinie ist auf dieser Webseite kostenfrei abrufbar: www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/peniskarzinom/Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert. Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier herunterladen: www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/Auch eine Patientenleitlinie mit laienverständlichen Inhalten zum Thema wird aktuell federführend von der DGU erstellt.
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