Chronische Schmerzen: Betroffene rauchen und vapen mit fast doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit15. April 2026 Foto: Ljupco Smokovski/stock.adobe.com Neue Erkenntnisse zum Rauch- und Vaping-Verhalten von Patienten mit chronischen Schmerzen könnten sowohl deren Behandlung verbessern als auch zu einer Optimierung von Entwöhnungsmaßnahmen führen. Die Studie, die auf einer Analyse des US-amerikanischen National Health Interview Survey (NHIS) aus den Jahren 2014 bis 2023 basiert, wurde kürzlich im „American Journal of Preventive Medicine“ veröffentlicht. Teufelskreis von Schmerzempfinden und Rauchen „Viele Menschen geraten in einen Teufelskreis: Schmerzen verleiten zum Rauchen, Rauchen verstärkt die Schmerzen – und das macht es extrem schwer, damit aufzuhören“, erläutert Prof. Jessica Powers, Assistenzprofessorin für Psychologie an der University of Kansas (USA). Sie ist eine der Autorinnen der neuen Untersuchung. Sie erklärt, dass Tabak zwar kurzfristig schmerzlindernd wirken könne, er aber langfristig negative Auswirkungen habe. Er könne das Problem sogar verschlimmern und das Risiko für chronische Schmerzen erhöhen.“ Laut Powers, die auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Cofrin Logan Center for Addiction Research & Treatment des KU Life Span Institute tätig ist, wächst das Verständnis des Zusammenhangs zwischen chronischen Schmerzen und Substanzgebrauchsstörungen und Sucht. „In unserem Fall zeigen viele Daten, dass Menschen mit chronischen Schmerzen deutlich häufiger Tabak konsumieren – Zigaretten, E-Zigaretten und andere Nikotin- oder Tabakprodukte“, erklärt die Forscherin. Sie analysierte gemeinsam mit Kollegen Antworten von mehr als 195.600 US-Amerikanern, die über einen Zeitraum von zehn Jahren befragt worden waren. Das zentrale Ergebnis: Chronische Schmerzen gehen häufiger mit Rauchen und Vaping einher. Falsche Bewältigungsstrategie „Rauchen verschlimmert in der Regel alles“, betont Powers. „Wir beobachten Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Als Schmerzpsychologin spreche ich in der direkten Arbeit mit Patienten darüber, dass Rauchen oft als Bewältigungsstrategie für eine gedrückte Stimmung dient, die mit ihrem Leiden einhergeht – die Unfähigkeit, das Haus zu verlassen oder wichtige Dinge zu erledigen. Diese Bewältigungsstrategie verschlimmert die Situation meist nur.” Es entstehe ein Teufelskreis. Powers ergänzt: „Wir wissen, dass die Raucherquoten insgesamt sinken, was erfreulich ist. Diese Ergebnisse zeigen jedoch, dass der Rückgang bei Menschen mit chronischen Schmerzen nicht so schnell vonstattengeht.“ Diese Menschen rauchten etwa doppelt so häufig Zigaretten und konsumierten andere Tabakprodukte, einschließlich E-Zigaretten, und verwendeten oft mehrere Produkte gleichzeitig, erklärt die Psychologin. Dabei gebe es Hinweise darauf, dass Nikotin und dessen Wirkung auf das Schmerzempfinden dieses sogar verschlimmern können. Je häufiger und stärker die Schmerzen, desto wahrscheinlicher der Tabakkonsum Die Daten zeigen laut Powers auch, dass häufigere oder stärkere Schmerzen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Tabakkonsum einhergehen. „Man kann das auf zwei Arten betrachten“, erklärt sie. „Rauchen kann Schmerzen verschlimmern und die Wahrscheinlichkeit für chronische Schmerzen mit hoher Last erhöhen. Gleichzeitig greifen Menschen mit stärkeren Schmerzen eher zu Zigaretten, um damit fertigzuwerden.“ Wenn beispielsweise ein Besuch bei den Enkelkindern oder die Ausübung bedeutungsvoller Aktivitäten beeinträchtigt würden, verstärke sich eine ohnehin schon negative Stimmungslage. „All das kann den Zigarettenkonsum als Bewältigungsmechanismus weiter verstärken.“ Powers nennt als wichtigste Erkenntnis ihrer Studie für Ärzte und politische Entscheidungsträger, dass Menschen mit chronischen Schmerzen vernachlässigt werden. „Wir wissen, dass die Raucherquoten insgesamt sinken, was erfreulich ist“, formuliert sie. „Aber diese Ergebnisse zeigen, dass der Rückgang bei Menschen mit chronischen Schmerzen nicht so schnell vonstattengeht.“ Die Studienautorin ist überzeugt, dass die neuen Forschungsergebnisse künftig klinische Interventionen für Menschen mit chronischen Schmerzen, die mit dem Rauchen aufhören möchten, verbessern werden. „Ziel meiner Forschung ist die Entwicklung von Raucherentwöhnungsprogrammen, die das Schmerzmanagement bei Menschen mit chronischen Schmerzen integrieren“, sagt Powers. „Wir verfügen über hervorragende Schmerztherapien und wirksame Raucherentwöhnungsprogramme, aber wir müssen sie miteinander kombinieren.“ Mehr zum Thema Rauchen und Vapen sowie chronischer Schmerz: Neuer Review: Vaping verursacht wahrscheinlich Krebs Patientenbefragung: Krebs überlebt – Schmerzen bleiben DGIM fordert konsequente Einschränkungen für Tabak-, Nikotin- und Vape-Produkte
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