Schmerzen: Bei Frauen häufig unterschätzt14. Februar 2022 © RFBSIP – stock.adobe.com (Symbolbild) Die Beurteilung von Schmerzen durch medizinisches Personal kann systematischen Verzerrungen aufgrund von Geschlecht, Ethnizität und anderen kontextuellen Faktoren unterliegen. Zwei Experimente unter Leitung von Tor D. Wager, Professor für Neurowissenschaften am Dartmouth College in Hanover (New Hamphire, USA), sollten den Einfluss des Geschlechts von Schmerzpatientinnen oder -patienten auf die Wahrnehmung von Schmerzen durch Laien untersuchen. In beiden Experimenten konnte ein Einfluss von Geschlechtsstereotypen festgestellt werden, der dazu führt, dass die Schmerzen bei Patientinnen eher unterschätzt werden. Eine solche geschlechtsspezifische Verzerrung bei der Schmerzeinschätzung könnte ein Hindernis für eine wirksame Schmerzbehandlung von Patientinnen und Patienten darstellen. Daher sehen die Studienautoren hierin einen potenziellen Interventionspunkt für Pflege- und Klinikpersonal. An der ersten Untersuchung nahmen 50 Probanden teil. Die Studiengruppe präsentierte ihnen kurze Videoclips mit Gesichtsausdrücken von weiblichen und männlichen Patienten mit chronischen Schulterschmerzen. Die Probanden sollten anhand dieser die Schmerzintensität der Patienten einschätzen. Eine mehrstufige lineare Modellierung ergab, dass die Betrachter die Schmerzen der Patientinnen im Vergleich zu denen der Patienten unterschätzten, nachdem sie für die von den Patienten selbst angegebenen Schmerzen und die Schmerzmimik kontrolliert wurden. Das zweite Experiment mit 200 Probanden bestätigte diese Ergebnisse. Zusätzlich ergab dieses Experiment, dass die schmerzbezogenen Geschlechterstereotypen der Wahrnehmenden eine Verzerrung der Schmerzeinschätzung vorhersagten. Insbesondere die Überzeugung, dass Frauen im Vergleich zu Männern ihre Schmerzen typischerweise ausdrücken, war ein Prädiktor. Weiterhin schätzten die Probanden es für Patientinnen als relativ wahrscheinlicher ein, von einer Psychotherapie zu profitieren, während ihrer Auffassung nach männliche Patienten eher von Schmerzmedikamenten profitieren würden. In beiden Experimenten betrug die Effektgröße der geschlechtsspezifischen Verzerrung durchschnittlich 2,45 Punkte auf einer Schmerzskala von 0–100. Fazit In beiden Experimenten konnte ein Einfluss von Geschlechtsstereotypen festgestellt werden, der dazu führt, dass die Schmerzen bei Patientinnen eher unterschätzt werden. Eine solche geschlechtsspezifische Verzerrung bei der Schmerzeinschätzung könnte ein Hindernis für eine wirksame Schmerzbehandlung von Patientinnen und Patienten darstellen. (ah) Autoren: Zhang L et al. Korrespondenz: Tor Wager; [email protected] Studie: Gender Biases in Estimation of Others’ Pain Quelle: J Pain 2021;22(9):1048–1059. Web: https://doi.org/10.1016/j.jpain.2021.03.001
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