Schwangerschaftsbedingte Lebererkrankung: Genetische Studie deckt bisher unbekannte Faktoren auf

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Die Ergebnisse einer neuen Studie eröffnen neue Ansätze für die Erforschung schwangerschaftsbedingter Lebererkrankungen. Sie weisen außerdem den Weg hin zu neuen Strategien, um ICP-Risikogruppen zu identifizieren, die Diagnose und die Therapie zu verbessern sowie die Früherkennung damit verbundener Erkrankungen zu unterstützen.

Die intrahepatische Schwangerschafts-Cholestase (ICP) gilt als die häufigste Lebererkrankung, die Frauen während der Schwangerschaft entwickeln und ist gekennzeichnet durch eine Störung des normalen Gallenabflusses aus der Leber. In einer kürzlich publizierten Studie einer international besetzten Arbeitsgruppe hat sich ein starker Zusammenhang zwischen der genetischen Veranlagung für eine ICP und der Fähigkeit des Körpers zur Regulierung von Gallensäuren sowie zum Stoffwechsel von Lipiden und Cholesterin ergeben.

Betroffen von einer ICP sind etwa 0,2 bis zwei Prozent aller Schwangeren, wie die finnische Universität Tampere in einer Mitteilung erklärt – von dort stammt der Erstautor der Studie, Jaakko Tyrmi. Der Postdoktorand ist auch mit der Universität Oulu (ebenfalls Finnland) assoziiert. Typischerweise trete die ICP nach der 30. Schwangerschaftswoche auf. Da starker Juckreiz an den Handflächen und Fußsohlen das häufigste Symptom darstellt, lasse sich die Erkrankung oft im Rahmen der routinemäßigen Schwangerschaftsvorsorge erkennen. Die Diagnose wird durch erhöhte Leberenzymwerte und eine erhöhte Konzentration von Gallensäuren im Blut bestätigt. Obwohl die Erkrankung nach der Entbindung meist abklingt, ist sie mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen verbunden, darunter Frühgeburt und Totgeburt.

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass bestimmte genetische Faktoren eine wichtige Rolle bei der Anfälligkeit für ICP spielen. Allerdings bestand für viele der zugrundeliegenden biologischen Mechanismen bislang Unklarheit. Neues Licht darauf wirft nun die aktuelle Studie von Tyrmi et al.: Für diese verknüpften die Autoren umfangreiche genetische Daten zu mehr als 4700 Frauen mit einer ICP-Vorgeschichte mit denen einer Kontrollgruppe (mehr als 436.000 Frauen). Die Schwangeren stammten aus Finnland, Island, Estland und Dänemark.
„Wir haben insgesamt 26 genetische Regionen identifiziert, die mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen – darunter zehn, die bislang noch nicht beschrieben wurden. Die in diesen Regionen lokalisierten Gene beeinflussen, wie die Leber Gallensäuren, Fette und Cholesterin verarbeitet. Dies stützt die Annahme, dass die zugrundeliegende Ursache von ICP eine Störung des Leberstoffwechsels ist, die durch hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft ausgelöst wird“, erklärt Tyrmi.

ICP-Risiko steht auch mit anderen Erkrankungen in Zusammenhang

Neben der Identifizierung neuer genetischer Risikofaktoren für ICP untersuchten die Forschenden weitere Erkrankungen, die mit dieser Störung assoziiert sind. Es zeigte sich, dass Frauen mit einer Vorgeschichte von ICP ein erhöhtes Risiko für Leber- und Gallengangserkrankungen aufwiesen, darunter steatotische Lebererkrankung, Gallensteine ​​und Entzündungen der Gallengänge. Auch das Risiko für bestimmte Autoimmunerkrankungen – wie etwa Morbus Crohn – sowie für Schilddrüsenerkrankungen und Typ-2-Diabetes waren bei ICP-Patientinnen erhöht.

„Unsere Analysen deuteten zudem auf eine mögliche gemeinsame genetische Grundlage von ICP und Pankreatitis“, berichtet Tyrmi. „Das bedeutet, dass dieselbe genetische Veranlagung das Risiko für beide Erkrankungen erhöhen könnte. Dies ist eine neue Erkenntnis, über die nach unserer Kenntnis bisher noch nicht berichtet wurde. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um diesen Zusammenhang besser zu verstehen.“