Schwangerschaftskomplikationen: Kardiovaskuläres Risiko variiert deutlich zwischen betroffenen Frauen

Symbolbild © jirsak/stock.adobe.com

Frauen mit Schwangerschaftskomplikationen haben ein erhöhtes Risiko, vor dem 70. Lebensjahr an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Wie stark dieses Risiko ausfällt, hängt jedoch nicht allein davon ab, ob eine Komplikation aufgetreten ist, sondern auch wann, wie häufig und in welcher Reihenfolge sie im Verlauf der reproduktiven Lebensspanne auftrat.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass Schwangerschaftskomplikationen das Risiko einer vorzeitigen kardiovaskulären Mortalität etwa verdoppeln können. „Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen werden oft nicht ausreichend erkannt oder behandelt; daher wurde vorgeschlagen, Schwangerschaftskomplikationen als Risikomarker zu nutzen, um gefährdete Frauen zu identifizieren. Unsere früheren Arbeiten haben ergeben, dass das Risiko einer Frau für einen vorzeitigen Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit der Anzahl der Schwangerschaften mit Komplikationen steigt. Dennoch fragen viele Studien und Leitlinien lediglich ab, ob eine Frau jemals eine Komplikation hatte“, berichtet Aditi Singh, Doktorandin am Institut für globale öffentliche Gesundheit und Primärversorgung der Universität Bergen und Hausärztin in der Gemeinde Askvoll.

Gemeinsam mit Kollegen des National Institute of Environmental Health Sciences, der Stanford University School of Medicine und der Universität Bergen untersuchte Singh, wie Anzahl, Abfolge und Art von Schwangerschaftskomplikationen im Verlauf der reproduktiven Geschichte einer Frau mit einem vorzeitigen Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängen. „Wir haben untersucht, ob das Herz-Kreislauf-Risiko je nach Gesamtzahl der Schwangerschaften einer Frau variiert und ob Komplikationen in der ersten oder in einer späteren Schwangerschaft auftraten“, so Singh.

Singh und ihr Team verknüpften Daten aus dem norwegischen Geburtenregister und dem Todesursachenregister aus dem Zeitraum von 1967 bis 2020. Sie analysierten Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor dem 70. Lebensjahr bei rund einer Million Frauen mit vollständig dokumentierter Schwangerschaftshistorie und untersuchten sechs Schwangerschaftskomplikationen: Präeklampsie, Schwangerschaftsbluthochdruck, Plazentaablösung, Frühgeburt, perinatalen Verlust sowie die Geburt eines Kindes, das für das Gestationsalter zu klein war – sowohl einzeln als auch als kombinierten Wert.

Zwei Frauen, eine Komplikation, sehr unterschiedliche Herz-Kreislauf-Risiken

Die Studie ergab, dass Frauen, deren erste Schwangerschaft mit Komplikationen verlief und die keine weiteren Schwangerschaften hatten, das höchste Risiko aufwiesen – etwa das 3,3-Fache im Vergleich zu Frauen mit zwei oder mehr unkomplizierten Schwangerschaften. Frauen, die sowohl in der ersten als auch in einer späteren Schwangerschaft eine Komplikation erlebten, hatten ein 2,4-fach erhöhtes Risiko, unabhängig davon, ob es sich bei der späteren Komplikation um dieselbe oder eine andere Art handelte. „Dies wird in Studien, die sich jeweils nur auf eine einzelne Schwangerschaftskomplikation konzentrieren, oft übersehen“, erläutert Singh.

Frauen, bei denen die einzige Komplikation erst in einer späteren Schwangerschaft auftrat, hatten ein moderat erhöhtes Risiko (etwa das 1,7-Fache), während Frauen, deren erste Schwangerschaft kompliziert verlief, deren spätere Schwangerschaften jedoch unkompliziert waren, das niedrigste Risiko aufwiesen (etwa das 1,4-Fache). Selbst Frauen, die nie Komplikationen hatten, aber nur eine Schwangerschaft durchliefen, wiesen ein erhöhtes Risiko auf – etwa 1,8-mal höher im Vergleich zu Frauen mit zwei oder mehr unkomplizierten Schwangerschaften.

„Zwei Frauen, die beide eine Schwangerschaftskomplikation erlebt haben, können sehr unterschiedliche langfristige kardiovaskuläre Risiken aufweisen. Solche Unterschiede werden nicht sichtbar, wenn man Frauen lediglich danach gruppiert, ob sie jemals eine Schwangerschaftskomplikation hatten“, betont Singh.

Eine Gruppierung der Frauen allein nach dem Kriterium, ob jemals eine Schwangerschaftskomplikation aufgetreten war, ergab ein 1,7-fach höheres Risiko für einen vorzeitigen kardiovaskulären Tod im Vergleich zu Frauen ohne Komplikationen. „Etwa ein Drittel der Frauen hatte wesentlich höhere Risiken, als die einfache Ja-Nein-Einteilung vermuten ließ, während die übrigen zwei Drittel niedrigere Risiken aufwiesen“, so Singh.

Auswirkungen auf die kardiovaskuläre Gesundheit von Frauen

Die Autoren weisen darauf hin, dass sich aus der Beobachtungsstudie keine kausalen Schlussfolgerungen ableiten lassen. Offen bleibt, ob Schwangerschaftskomplikationen selbst zur Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen beitragen oder ob sie vielmehr eine bereits bestehende, bislang unerkannte kardiovaskuläre Gefährdung sichtbar machen.

Unabhängig davon liefere die individuelle Schwangerschaftsanamnese wertvolle Informationen für die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung. Die Identifikation und Nachsorge dieser Frauen stelle daher ein wichtiges zukünftiges Handlungsfeld dar.

(lj/BIERMANN)

Ebenfalls interessant zum Thema Schwangerschaftskomplikationen:

Neuer Immunschalter im Uterus könnte Schwangerschaftskomplikationen erklären