Signifikante Symptomlinderung: Fäkaler Mikrobiom-Transfer beim Reizdarm

Vor dem Hintergrund der Annahme, dass das Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome [IBS]) auch durch eine Dysbiose im Darm verursacht werden kann, hat eine norwegische Arbeitsgruppe in einer doppelblinden, monozentrischen, randomisierten und Placebo-kontrollierten Studie untersucht, ob betroffenen Patienten mit einem fäkalen Mikrobiom-Transfer (FMT) geholfen werden kann.

Ihr Ergebnis: Eine FMT führte zu einer signifikanten Linderung der IBS-Symptome. Jedoch, so räumen die Studienautoren in der Zeitschrift „Lancet Gastroenterology & Hepatology“ ein, müssten ihre Resultate noch in größeren, multizentrischen Untersuchungen bestätigt werden. Eingeschlossen in die Analyse wurden IBS-Patienten mit Diarrhoe oder Diarrhoe und Obstipation nach der Definition der Rom-III-Kriterien, die laut dem IBS Severity Scoring System (IBS-SSS) an einem moderaten bis schweren IBS litten (IBS-SSS-Score ≥175).

Die in die Studie aufgenommenen Patienten im Alter zwischen 18 und 75 Jahren wurden in Allgemeinarztpraxen in Nord-Norwegen rekrutiert. Die Studienteilnehmer erhielten nach Randomisierung entweder einen aktiven (50–80 g Fäzes gemischt mit 200 ml isotonischer Kochsalzlösung und 50 ml 85%-iges Glycerol platziert im Zäkum) oder einen Placebo-FMT. Eine aktive Behandlung erhielten 55 Patienten, eine Scheinbehandlung 28.

Ein Ansprechen auf die Behandlung zeigten 3 Monate später 36 (65 %) der Probanden unter aktiver Therapie sowie 12 (43 %) der Patienten, die nur eine Scheinbehandlung erhalten hatten (p=0,049). Ein Patient im Studienarm mit aktivem FMT litt vorübergehend an Übelkeit und Schwindel und wurde nach der Behandlung für einige Stunden im Krankenhaus beobachtet, wie die Wissenschaftler um Erstautor Dr. Peter Holger Johnsen vom University Hospital of North Norway in Harstad berichten.

Jeweils ein Patienten in jeder Gruppe hatte auf dem Heimweg nach der Behandlung eine Stuhl­inkontinenz-Episode. Selbstlimitierende vorübergehende Bauchschmerzen hatten nach der Behandlung ein Patient in der Gruppe mit aktivem FMT sowie 2 Patienten in der Gruppe mit Schein-FMT. Schwere Nebenwirkungen, die dem FMT hätten zugeordnet werden können, traten keine auf.

Quelle
Johnsen PH et al. Lancet Gastroenterol Hepatol 2018;3(1):17–24.
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