Smartphone-App hilft bei vorzeitigem Samenerguss

Wenn der Samenerguss zu früh erfolgt, kann das für Betroffene sehr belastend sein. Grafik: GoodIdeas – stock.adobe.com

Eine Smartphone-App, welche die psychologischen Ursachen vorzeitiger Ejakulation angeht, kann betroffenen Männern helfen, den Samenerguss hinauszögern. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die deutsche Urologen beim diesjährigen Kongress der European Association of Urology (EAU) am 14. März 2026 in London (Großbritannien) vorstellten.

Die CLIMACS-Studie ist die erste Studie, die einen digitalen Ansatz zur Behandlung vorzeitiger Ejakulation zu Hause untersucht. Die in der Studie getestete App vermittelt Männern verschiedene therapeutische Techniken, Tipps und Übungen, die von Urologen und Psychologen entwickelt wurden, und bietet ihnen zudem evidenzbasierte Informationen zu diesem Problem.

Das angeleitete Training soll Männern helfen, ihre Erregung zu steuern und den Zeitpunkt des Samenergusses besser zu kontrollieren. Es umfasst Achtsamkeitsübungen, Übungen zur Steigerung des Erregungsbewusstseins und kognitive Verhaltenstherapie sowie praktische Übungen zur Verbesserung der Ejakulationskontrolle, wie beispielsweise die Start-Stopp-Technik.

Vorzeitiger Samenerguss ist ein belastendes Problem im Liebesleben. Betroffene Männer ejakulieren typischerweise schneller als gewünscht, innerhalb von 60 Sekunden nach dem Eindringen. Bis zu 30 % der Männer sind betroffen, und da das Thema stark stigmatisiert ist, suchen nur 9 % der Männer ärztliche Hilfe.

Die Ursachen für vorzeitigen Samenerguss sind komplex und umfassen Beziehungsprobleme sowie psychische Faktoren wie Angstzustände, Stress und Depressionen. Viele Männer leiden unter Sorgen und Versagensängsten, was sich auf ihre Beziehungen auswirken kann. Die gängigsten Behandlungsmethoden, wie Tabletten oder Cremes, lindern jedoch lediglich die Symptome.

Zwölf Wochen angeleitete Selbstbehandlung

In der CLIMACS-Studie untersuchten die Mediziner, ob die Informationen und therapeutischen Techniken, die Männern mithilfe der Melonga® genannten App vermittelt werden, helfen können, den Samenerguss hinauszuzögern. Die Forscher rekrutierten 80 Männer ohne weitere gesundheitliche Vorerkrankungen für das 12-wöchige Programm. Jeder Teilnehmer füllte einen Fragebogen zu seinen körperlichen und psychischen Erfahrungen beim Geschlechtsverkehr aus und wurde gebeten, die Zeit vom Eindringen bis zum Samenerguss mit einer Stoppuhr zu messen. Nach 12 Wochen erhielten die Männer der Kontrollgruppe – die im Rahmen der Studie keine weitere Unterstützung zur Behandlung ihrer Beschwerden erhalten hatten – Zugang zur App und wurden über 12 Wochen nachbeobachtet. 66 Patienten füllten die Fragebögen vollständig aus.

Bei den App-Nutzern der Studie verdoppelte sich die Gesamtzeit von der Penetration bis zur Ejakulation nach 12 Wochen und verlängerte sich im Durchschnitt um 64 Sekunden (von 61 auf 125 Sekunden). Die Männer der Kontrollgruppe verzeichneten im Durchschnitt lediglich eine Verlängerung um 0,5 Sekunden.

Die App-Nutzer berichteten von einer deutlich verbesserten Kontrolle über ihre Ejakulation, weniger Sorgen im Zusammenhang damit und einer geringeren Belastung ihrer Beziehung. Auch die Lebensqualität im Bereich Sexualität, beispielsweise hinsichtlich Genuss und Selbstvertrauen, verbesserte sich bei den App-Nutzern signifikant, während sich in der Kontrollgruppe keine Veränderung ergab. Nach 12 Wochen gaben 22 % der App-Nutzer an, keine vorzeitige Ejakulation mehr zu haben.

Hilfe für ein schambehaftetes Problem

Der Studienleiter, Dr. Christer Groeben von der Universität Marburg und der Medizinischen Fakultät Heidelberg, erklärte beim Kongress: „Viele Männer mit vorzeitigem Samenerguss suchen keine Hilfe, weil sie sich dafür schämen. Unsere Studie zeigt, dass diese App als Selbsthilfe-Tool für zu Hause Männer dabei unterstützen kann, die Kontrolle über ihren Samenerguss zu verbessern und ein erfülltes Sexualleben zu führen, ohne dabei auf Spontaneität zu verzichten.“

Wie Groeben betont, behandeln die gängigsten rezeptpflichtigen Medikamente lediglich die Symptome, nicht die Ursache. „Daher brechen viele Männer die Therapie nach einer gewissen Zeit ab. Diese Männer bleiben unterbehandelt und leiden unter einer erheblichen psychischen Belastung, die sich negativ auf ihre Beziehungen auswirkt. Der Gang zum Arzt kann ein großer erster Schritt sein. Eine App wie diese kann helfen, diese Hürde zu überwinden, indem sie den vorzeitigen Samenerguss als behandelbar normalisiert.“

Dr. Giorgio Russo, außerordentlicher Professor für Urologie an der Universität Catania (Italien) und Vorsitzender des EAU-Büros für junge Urologen, erklärte: „Es gibt viele Informationen und Fehlinformationen für Männer mit vorzeitigem Samenerguss. Diese App wurde von Urologen und Psychologen entwickelt, um die effektivsten Ratschläge in einer einzigen, leicht zugänglichen und vertrauenswürdigen, evidenzbasierten Ressource zu bündeln. Die Forschung zeigt, dass sie fast ein Viertel der Patienten vollständig heilen kann – ein enormer Fortschritt, da diese Männer bisher ohne Medikamente behandelt wurden. Ich denke, es wäre nun interessant, diese Forschung mit einer größeren Studie zu erweitern und die Auswirkungen eines digitalen Ansatzes auf die Zufriedenheit der Partnerinnen und Partner zu untersuchen, anstatt nur die der Nutzer.“

Die endgültigen Ergebnisse der CLIMACS-Studie, die noch nicht von Fachkollegen begutachtet wurden, werden voraussichtlich im Laufe dieses Jahres veröffentlicht. Die App ist in Irland, Deutschland, Österreich, Luxemburg und Liechtenstein verfügbar.

(ms)