DKOU 2019: Sprunggelenkverletzungen immer ärztlich abklären lassen23. Oktober 2019 Benita Kuni sprach im Rahmen des DKOU vor Medienvertretern über leitliniengerechte Diagnostik und Therapie sowie über die Prävention von Sprunggelenkverletzungen. Foto: hr, Biermann Medizin Sprunggelenkverletzungen gehören zu den häufigsten des Bewegungsapparates. Unzureichend behandelt können sie etwa eine dauerhafte Gelenkinstabilität oder Arthrose zur Folge haben. Sie sollten deshalb vom Facharzt abgeklärt und leitliniengerecht versorgt werden, wie Prof. Benita Kuni im Rahmen des diesjährigen DKOU vor Medienvertretern hervorhob. Das Sprunggelenk ist besonders verletzungsgefährdet: „Bereits wenige Grad Abweichung von der normalen Gelenkstellung können ausreichen, um eine Verletzung auszulösen. Risikosituationen sind insbesondere Sprunglandungen, schnelle Richtungswechsel und das Laufen auf unebenem Gelände“, sagt Prof. Benita Kuni, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie am Ortho-Zentrum Karlsruhe. Sprunggelenkverletzungen seien Routine in Klinik und Praxis. So liegt die Inzidenz in Schweden bei 71 bis 187 Sprunggelenkverletzungen pro 100.000 Personen und Jahr, in anderen Ländern zwischen bei 220 bis 700. Hohe Dunkelziffer für Sprunggelenkverletzungen Kuni führte an, dass in Umfragen 70 Prozent der Allgemeinbevölkerung berichteten, im Laufe ihres Lebens mindestens eine Sprunggelenkverletzung erlitten zu haben. „Die Dunkelziffer für solche Verletzungen liegt sicher höher”, hob Kuni hervor, „da viele Patienten mit leichteren Verletzungen gar nicht erst zum Arzt gehen.” In der Mehrzahl kommt es durch das typische Umknick-Trauma zu einer Zerrung. Brüche des oberen Sprunggelenks sind bei Erwachsenen die häufigsten Frakturen am Unterschenkel. „Jede Verletzung des Sprunggelenkes gehört in kompetente fachärztliche Hände“, betont die Expertin. „Das Ausmaß der Verletzung sollte immer minutiös untersucht werden.“ Prävention von erneuten Verletzungen und Folgeschäden Je nach Schweregrad können auch Röntgen und weitere bildgebende Verfahren nötig werden. Der Sprunggelenkkomplex sollte zur Ausheilung einer Kapsel-Bandverletzung ausreichend lange mit einer geschnürten, semirigiden Orthese stabilisiert werden. Nach einer Fraktur, aber auch bei einer weiterbestehenden Gelenkinstabilität, besteht das Risiko, einen vorauseilenden Gelenkverschleiß zu entwickeln. Kuni verwies auch auf das hohe Risiko einer erneuten Verletzung, das im ersten Jahr nach einer Sprunggelenkverletzung doppelt so hoch sei. Auch wenn es nicht immer möglich ist, das Gelenk vollständig und anatomisch korrekt wiederherzustellen, sollte doch alles getan werden, um Folgeschäden möglichst gering zu halten. Dazu gehört auch, die Risikofaktoren für eine Verletzungsanfälligkeit des Sprunggelenks zu minimieren: Übergewicht abbauen, neuromuskuläres Training sowie die Korrektur von Gelenkfehlstellungen und Instabilitäten durch Einlagen, Orthesen, Eigenübungen und Physiotherapie. Ein tägliches koordinatives Training – etwa auf einem Balanceboard – könne sinnvoll sein, so Kuni. Die Evidenz solch einer Sekundärprävention sei durch Studien gut belegt. Enge Verzahung von Klinik und Niederlassung notwendig „Die Überprüfung des Heilungsverlaufs und der Akzeptanz einer Hilfsmittelversorgung sollte engmaschig erfolgen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen“, resümierte Kuni. Voraussetzung dafür ist für die Expertin „eine enge Vernetzung zwischen den Notfallambulanzen, den Hausärzten und den niedergelassenen Fachärzten für Orthopädie und Unfallchirurgie”. Diese sei wesentlich, um sowohl die umfassende Erstversorgung als auch eine angemessene Anschlussbehandlung sicherzustellen“ Außerdem machte sich die Expertin auch für eine Primärprävention nicht nur im Profisport stark, ähnlich den Programmen, die es für die Prävention von Rückenschmerzen bereits gibt. „Angesichts der Häufigkeit dieser Verletzungen, halte ich das für sinnvoll”, betonte Kuni. (red/ja)
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