Stärkere Wahrnehmung von Stressoren beim Krankenhauspersonal seit Pandemiebeginn

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Anhand einer anonymen Online-Befragung von Gesundheitsberuflern in einem US-amerikanischen Lehrkrankenhaus hat eine Arbeitsgruppe untersucht, ob und wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Work-Life-Balance ausgewirkt hat.

Konkret ging es dabei um die Wahrnehmung von Konflikten zwischen Berufs- und Privatleben einerseits und der Absicht zu kündigen, Arbeitsstunden zu reduzieren und Aufstiegschancen wahrzunehmen andererseits vor und nach Beginn der COVID-19-Pandemie.

Die Forschenden stellten fest, dass die Wahrnehmung von Stressoren im Zusammenhang mit der Work-Life-Balance bei Frauen stärker ausgeprägt war als bei Männern, dass Frauen mit Kindern am stärksten betroffen waren, und dass die Wahrnehmung von Stressoren durch die COVID-19-Pandemie verschärft wurde.

Von 3088 Beschäftigten im medizinischen Bereich nahmen 1186 (38%) an der Umfrage teil. Davon waren 649 (55%) Frauen und 682 (58%) Weiße. Die Befragten erwiesen sich als repräsentativ für alle Gesundheitsberufler im Krankenhaus, abgesehen davon, dass Frauen über- und Asiatinnen und Asiaten unterrepräsentiert waren (Frauen: 649 [55%] vs. 1368 [44%]; asiatische Abstammung: 259 [22%] vs. 963 [31%]).

Nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie erwogen die Befragten mit höherer Wahrscheinlichkeit als davor zu kündigen oder auf eine Teilzeitbeschäftigung zu reduzieren (Kündigung: 225 [23%] vs. 133 [14%]; p<0,001; Stundenreduzierung: 281 [29%] vs. 206 [22%]; p<0,001). Vor Beginn der COVID-19-Pandemie reduzierten Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit als Männer ihre Beschäftigung auf Teilzeit (153 [28%] vs. 44 [12%]; p<0,001) und zogen seit Beginn der COVID-Pandemie eher sowohl eine Kündigung in Betracht als auch eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit (Kündigung: 154 [28%] vs. 56 [15%]; p<0,001; Stundenreduzierung: 215 [40%] vs. 49 [13%]; p<0,001).

Befragte mit Kindern dachten seit Beginn der COVID-19-Pandemie mit höherer Wahrscheinlichkeit über eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit nach als vor der Pandemie (Kündigung: 159 [29%] vs. 93 [17%]; p<0,001; Stundenreduzierung: 213 [40%] ] vs. 130 [24%]; p<0,001).

Auch Frauen mit Kindern im Vergleich zu Frauen ohne Kinder zogen seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie häufiger als zuvor eine Kündigung (113 [35%] vs. 39 [17%]; p<0,001) in Betracht.

Beschäftigte mit Kindern und Frauen lehnten den Forschenden zufolge Aufstiegschancen in eine Führungsposition sowohl vor der Pandemie eher ab (Beschäftigte mit Kindern vs. ohne Kinder: 297 [32%] vs. 84 [9%]; p<0,001; Frauen vs. Männer: 206 [29%] vs. 47 [13%]; p<0,001) als auch seit Beginn der COVID-19-Pandemie (Beschäftigte mit Kindern vs. ohne Kinder: 316 [34%] vs. 93 [10%]; p<0,001; Frauen vs. Männer: 148 [28%] vs. 51 [14%]; p<0,001).

Fazit
Die Forschenden stellten fest, dass die Wahrnehmung von Stressoren im Zusammenhang mit der Work-Life-Balance bei Frauen stärker ausgeprägt war als bei Männern. Frauen mit Kindern waren am stärksten betroffen, und die Wahrnehmung von Stressoren wurde durch die COVID-19-Pandemie verschärft. (ac)

Autoren: Matulevicius SA et al.
Korrespondenz: Susan A. Matulevicius; [email protected]
Studie: Academic Medicine Faculty Perceptions of Work-Life Balance Before and Since the COVID-19 Pandemic
Quelle: JAMA Netw Open 2021;4(6):e2113539.
Web: https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2021.13539