Starke Muskeln, gesundes Herz: Krafttraining schützt Frauen vor kardiovaskulären Erkrankungen

Die in die Studie eingeschlossenen Frauen waren im Durchschnitt zwischen 48 und 67 Jahre alt. (Symbolfoto: ©Nomad_Soul/stock.adobe.com)

Frauen, die Krafttraining betreiben, haben möglicherweise ein geringeres Risiko für schwere Herzerkrankungen, insbesondere in Kombination mit Ausdauertraining. Zu diesem Ergebnis gelangt eine prospektive Kohortenstudie unter mehr als 115.000 US-Amerikanerinnen.

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind nach wie vor die weltweit häufigste Todesursache, weshalb leicht zugängliche Präventionsstrategien wichtiger denn je sind. Ausdaueraktivitäten wie zügiges Gehen, Joggen, Radfahren und Schwimmen tragen nachweislich zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei. Der Effekt von Krafttraining ist in diesem Zusammenhang weniger etabliert.

„Trotz seiner nachgewiesenen gesundheitlichen Vorteile wird Krafttraining als Präventionsstrategie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft übersehen, und seine Auswirkungen auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – insbesondere bei Frauen mittleren Alters und älteren Frauen – sind nach wie vor unzureichend erforscht“, sagt Dr. Tianyue Zhang, Wissenschaftlerin am Institut für Ernährung der Harvard T.H. Chan School of Public Health (USA). Zhang ist Hauptautorin einer kürzlich veröffentlichten Studie, die sich mit dem Thema Krafttraining zur kardiovaskulären Prävention befasste. „Eine zentrale Frage lautet: Inwieweit ergänzt das Krafttraining die alleinige aerobe Aktivität?“, fasst Zhang den Hintergrund der Untersuchung zusammen, deren Ergebnisse jüngst im „Journal of the American College of Cardiology“ (JACC) veröffentlicht wurden.

Die Studie zeigt, dass man die Herzgesundheit besser versteht, wenn man die Bewegungsgewohnheiten insgesamt betrachtet, anstatt sich nur auf einzelne Verhaltensweisen zu konzentrieren. Demnach kann Krafttraining für Frauen zusätzliche gesundheitliche Vorteile mit sich bringen, wenn es in einen aktiven Lebensstil integriert wird.

Krafttraining senkt Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen

Die Forscher analysierten eine prospektive Kohorte von 117.025 Frauen aus der Nurses’ Health Study (NHS) und der NHS II mit einem anfänglichen Durchschnittsalter von 66,8 Jahren bzw. 48,1 Jahren. Das Krafttraining wurde alle vier Jahre erfasst. Die Fernsehzeit diente als primärer Maßstab für sitzendes Verhalten und wurde als durchschnittliche Anzahl der Stunden pro Woche erfasst, die zu Hause im Sitzen vor dem Fernseher verbracht wurden. Der primäre Endpunkt waren neu auftretende schwere kardiovaskuläre Erkrankungen, definiert als nicht tödlicher oder tödlicher Myokardinfarkt, Schlaganfall, koronare Bypass-Operation oder perkutane Koronarintervention (PCI).

In beiden Kohorten war ein höheres Maß an Krafttraining mit einem geringeren Risiko für schwere kardiovaskuläre Erkrankungen, insbesondere für einen Myokardinfarkt, verbunden. Für den Schlaganfall zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang. Frauen, die zwei oder mehr Stunden Krafttraining pro Woche absolvierten, wiesen im Vergleich zu Frauen, die kein Krafttraining betrieben, ein um 20 Prozent geringeres Risiko für schwere kardiovaskuläre Erkrankungen und ein um 44 Prozent geringeres Risiko für einen Myokardinfarkt auf. Jede zusätzliche Stunde pro Woche war mit einem um fünf Prozent geringeren Risiko für schwere kardiovaskuläre Erkrankungen und einem um 14 Prozent geringeren Risiko für einen Myokardinfarkt verbunden. Diese Zusammenhänge schwächten sich nach Bereinigung um den Body-Mass-Index und kardiometabolische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte zwar etwas ab, blieben aber deutlich erkennbar.

Zusätzlicher Effekt bei Kombination von Kraft- und Ausdauertraining

Krafttraining bot sogar einen zusätzlichen Nutzen bei Frauen, die ebenfalls aerobe Aktivitäten ausübten. In dieser Untergruppe wiesen Frauen, die zusätzlich zu 150 Minuten aerober Aktivität wöchentlich zwei oder mehr Stunden Krafttraining absolvierten, ein um 45 Prozent geringeres Risiko für einen Herzinfarkt auf als Frauen ohne körperliche Aktivität, und die Zusammenhänge hinsichtlich schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen veränderten sich geringfügig. In einer integrierten Analyse der Bewegungsmuster, bei der Krafttraining, aerobe Aktivität und Fernsehzeit gemeinsam berücksichtigt wurden, wiesen Frauen, die alle drei Empfehlungen erfüllten, im Vergleich zu denen, die einige oder keine der Empfehlungen erfüllten, das geringste Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkte und Schlaganfälle auf.

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Krafttraining bei einer ohnehin schon aktiven Bevölkerung mit einer zusätzlichen Senkung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist, die über die allgemeine aerobe Aktivität hinausgeht“, sagte Zhang. „Neben aeroben Aktivitäten und der Reduzierung von sitzendem Verhalten könnte Krafttraining ein wichtiger Bestandteil von Strategien im Bereich der öffentlichen Gesundheit zur kardiovaskulären Prävention bei Frauen sein.“

Zu den Einschränkungen der Studie zählen die Abhängigkeit von selbst angegebenen Daten zum Krafttraining, der potenzielle Einfluss nicht gemessener Faktoren sowie die begrenzte Vielfalt der Teilnehmerinnen. Den Forschern gelang es zudem nicht, die Auswirkungen der Art des durchgeführten Krafttrainings vollständig von der Gesamtmenge des von den Teilnehmerinnen absolvierten Krafttrainings zu trennen.

„Wir befürworten schon seit langem Krafttraining, und diese Studie liefert überzeugende Belege, die diese Botschaft untermauern“, sagt Dr. Harlan M. Krumholz, Chefredakteur des JACC und Harold H. Hines, Jr.-Professor an der Yale School of Medicine. „Es sollte Teil einer ausgewogenen Gesundheitsroutine sein, um die Funktionsfähigkeit und Langlebigkeit zu fördern.“

(ah/BIERMANN)

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