Steatotische Lebererkrankung: Druck im Leberkreislauf zeigt Risiko für schwere Komplikationen an30. Juni 2026 Abbildung/KI-generiert: toon cartoon/stock.adobe.com Ein internationales Forschungsteam hat untersucht, wie sich das Risiko für schwere Komplikationen bei fortgeschrittener steatotischer Lebererkrankung besser abschätzen lässt. Die Studie zeigt: Entscheidend ist vor allem, wie stark der Druck im Blutkreislauf der Leber bereits erhöht ist. Wird der Schweregrad der Erkrankung berücksichtigt, ist das Risiko für Komplikationen bei alkoholbedingten, stoffwechselbedingten und gemischten Formen der Erkrankung vergleichbar. Die Ergebnisse der Wissenschaftler unter Federführung der Medizinischen Universität Wien wurden aktuell im Journal „Clinical Gastroenterology and Hepatology“ veröffentlicht. Einfachere Einordnung des tatsächlichen Risikos Für die Studie werteten die Forschenden Daten von 696 Patienten aus 17 europäischen Behandlungszentren aus. Alle litten an einer fortgeschrittenen, aber noch stabilen chronischen Lebererkrankung. Das Team verglich drei Gruppen: Patienten mit alkoholbedingter Lebererkrankung, mit Stoffwechsel-bedingter Lebererkrankung und mit einer Mischform. Auf den ersten Blick traten Komplikationen bei alkoholbedingter Lebererkrankung häufiger auf. Die genauere Analyse zeigte jedoch: Das lag vor allem daran, dass diese Patienten zu Beginn bereits stärker erkrankt waren. Wurden Krankheitsstadium und Pfortaderhochdruck berücksichtigt, unterschieden sich die drei Gruppen beim Komplikationsrisiko nicht mehr wesentlich. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die portale Hypertension über das gesamte Spektrum fortgeschrittener steatotischer Lebererkrankungen ein zentraler prognostischer Faktor ist“, erklärt Dr. Benedikt Hofer, Erstautor der Studie. „Das ist klinisch relevant, weil wir damit Patientinnen und Patienten besser nach ihrem tatsächlichen Risiko einordnen können.“ Nicht invasive Tests helfen im klinischen Alltag Die Studie bestätigt laut ihren Autoren auch, dass nicht invasive Tests für die Risikoeinschätzung nützlich sind. Besonders ein Modell, das Lebersteifigkeit, Blutplättchenzahl und Body-Mass-Index kombiniert, konnte über die verschiedenen Krankheitsformen hinweg gut anzeigen, ob ein klinisch relevanter Pfortaderhochdruck vorliegt. Solche Verfahren könnten zur früheren Identifizierung von Patienten mit erhöhtem Risiko beitragen und es ermöglichen, dass sie gezielter betreut werden. „Nicht invasive Tests ersetzen nicht in jeder Situation spezialisierte Untersuchungen, sie können aber die Risikoeinschätzung deutlich erleichtern“, ergänzt Dr. Georg Semmler (Universitätsklinik für Innere Medizin III, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien), einer der Studienleiter. „Gerade bei einer häufigen Erkrankung wie der steatotischen Lebererkrankung ist es wichtig, jene Patientinnen und Patienten früh zu erkennen, die ein erhöhtes Risiko für Komplikationen haben.“ Die Ergebnisse können den Forschenden zufolge dazu beitragen, Patient:innen mit fortgeschrittener Lebererkrankung im klinischen Alltag besser zu beraten. Wichtig ist dabei nicht nur, wodurch die Erkrankung entstanden ist, sondern vor allem, wie weit sie bereits fortgeschritten ist und ob ein relevanter Pfortaderhochdruck besteht.
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