Strahlentherapie beim Oropharynxkarzinom personalisieren? Auf die Gene kommt es an

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Bestimmte Patienten mit HPV-positivem Oropharynxkarzinom könnten von niedrigeren Strahlendosen profitieren: Wie eine aktuelle Studie zeigt, lässt sich die Strahlentherapie beim Oropharynxkarzinom mithilfe der Tumor-Genomik personalisieren.

Das internationale Studien-Team konnte Patienten mit HPV-positivem Oropharynxkarzinom identifizieren, die von niedrigeren Strahlendosen profitieren könnten. Die im „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlichte Studie baut auf eine wachsende Zahl von Belegen dafür auf, dass die Strahlenbehandlung mithilfe der Tumor-Genomik personalisiert werden kann. Dadurch könnte sich, nach Einschätzung der Autoren, die Strahlentherapie beim HPV-positivem Oropharynxkarzinom von der Norm – eine Dosis für alle – hin zu einer genomisch angepassten Strahlendosis (GARD) verschieben, bei der die Strahlung auf die gewünschte Wirkung abgestimmt wird.

Die derzeitige Standardstrahlendosis für das HPV-positive Oropharynxkarzinom beträgt 70 Gray (Gy), womit Heilungsraten zwischen 80 und 95 Prozent erreicht werden können. Als Folge der Behandlung können aber auch langanhaltende Nebenwirkungen wie Schluck- und Atemprobleme auftreten. Bisher sind Versuche, die Strahlendosis zu senken (z.B. auf 60 Gy), in klinischen Studien gescheitert. Es gibt keine bewährten Strategien zur Deeskalation der Dosis.

Tumor-Genetik als Schlüssel, um patientenspezifische Reaktion vorherzusagen

„In diesem Bereich herrscht das Gefühl, dass wir feststecken“, erklärt der Hauptautor der Studie, Dr. Jacob Scott, DPhil, Strahlentherapeut an der Cleveland Clinic, Cleveland (USA). „Alle Erkenntnisse deuten darauf hin, dass niedrigere Dosen wirken sollten, aber klinische Studien konnten dies nicht nachweisen. Wir wollten fragen: Könnte die fehlende Komponente die Genetik sein?“ Das Team wandte sich dem GARD-Modell zu, das Scott in Zusammenarbeit mit dem Strahlentherapeuten Javier Torres-Roca, MD, vom Moffitt Cancer Center entwickelt hatte.

GARD nutzt die Genexpression des Tumors, um die minimale Strahlendosis zu berechnen, die zur Bekämpfung des Krebses erforderlich ist. Im Gegensatz zu Modellen, die sich nur auf klinische Merkmale wie Tumorgröße oder Rauchergeschichte stützen, integriert GARD Genomdaten von zehn Strahlenempfindlichkeitsgenen, um die patientenspezifische Reaktion vorherzusagen.

Scott und Torres-Roca hatten GARD zuvor für mehrere Krebsarten validiert. Um zu prüfen, ob GARD bei HPV-positiven Kopf-Hals-Krebserkrankungen eingesetzt werden kann, schlossen sich Dr. Scott und Dr. Torres-Roca mit der Kopf-Hals-Onkologin Dr. Lisa Licitra von der Fondazione IRCCS Istituto Nazionale dei Tumori in Mailand, Italien, zusammen.

Strahlentherapie beim Oropharynxkarzinom personalisieren – mit dem GARD-Modell

Die Analyse der Daten von 191 Patienten in der Datenbank bestätigte, dass höhere GARD-Werte mit verbesserten Überlebenschancen verbunden waren – auch dann, wenn die Patienten die gleiche Strahlendosis erhielten. Anschließend wandten die Forscher GARD retrospektiv auf Teilnehmer einer erfolglosen klinischen Studie aus dem Jahr 2024 an, in der 60 Gy anstelle von 70 Gy getestet wurden. Während die Gesamtüberlebensrate bei 60 Gy etwas niedriger war (96–98 % vs. 99 %), ergab die GARD-Analyse, dass etwa 22 Prozent der Patienten wahrscheinlich auch bei einer niedrigeren personalisierten Dosis hervorragende Ergebnisse erzielt hätten.

„Dies ist ein entscheidender Kontext für die Planung der nächsten Welle klinischer Studien“, betont Licitra. „Es zeigt, dass die Genetik uns dabei helfen kann, die richtigen Patienten für reduzierte Dosen auszuwählen.“ Das sei vorher nicht möglich gewesen.

Ergebnisse entscheidend für weitere klinische Studien

„Diese Arbeit baut direkt auf fast zwei Jahrzehnten Forschung zu Strahlenempfindlichkeit und Genomik auf“, fügt Torres-Roca hinzu. „Wir haben gezeigt, dass die Integration der Genomik in die Radioonkologie nicht nur machbar, sondern auch unerlässlich ist, wenn wir die Grenzen der Einheitsdosierung überwinden wollen.“

Das Team hofft, dass diese Ergebnisse den Weg für neue klinische Studien ebnen werden, die GARD in die Entscheidungsfindung vor Beginn der Behandlung integrieren. „Wir haben bereits offene Studien, in denen GARD bei anderen Krebsarten eingesetzt wird“, erklärt Scott. „Nach unserem Kenntnisstand ist dies einer von nur zwei Ansätzen, mit denen die Strahlendosis für Patienten erfolgreich gesenkt werden konnte. Wir sind kurz davor, den heiligen Gral der Radioonkologie zu erreichen und zu einer wirklich personalisierten Behandlung überzugehen.“

(ja/BIERMANN)