Studie: Smartphone-Nutzung hebt die Stimmung

Mit dem Smartphone in der Hand steigt bei Jugendlichen die Stimmung. (Foto: © Lithiumphoto- stock.adobe.com)

Kinder und Jugendliche berichten laut einer aktuellen Studie eine bessere Stimmung, wenn sie ihr Smartphone benutzen –  je länger, desto besser die Stimmung. Dies könnte den Forschenden zufolge ein Hinweis darauf sein, dass die Geräte zur Stimmungsregulierung verwendet werden.

Die negativen Auswirkungen der Smartphone-Nutzung auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sind ein viel diskutiertes Thema in der Wissenschaft und der Gesellschaft. Trotz intensiver Debatten und Studien ist es jedoch bisher schwierig, fundierte und eindeutige Aussagen zu treffen. Nun deutet eine Studie im Fachblatt „Plos One“ darauf hin, dass die Nutzung von Smartphones mit einer besseren Stimmung bei Zwölf- bis 17-Jährigen einhergehen könnte – je länger die Nutzung, desto besser die Stimmung, so die Studie.

Im Rahmen der Untersuchung rekrutierten Forschende der University of Wisconsin-Madison, USA, unter anderem über die Facebook-Plattform Probandinnen und Probanden zwischen zwölf und 17 Jahren, von denen insgesamt 253 in die Analyse aufgenommen wurden. Die Kinder und Jugendlichen wurden regelmäßig über ihr Smartphone befragt, ob und wie lange sie gerade ihr Smartphone benutzen und wie ihre Stimmung ist, beziehungsweise vor der Nutzung war. Diese Art der Datenerhebung wird Ecological Momentary Assessment (EMA) genannt. Dabei machen Personen spontan Angaben über ihren aktuellen Zustand, indem sie beispielsweise angerufen werden oder eine Nachricht auf ein mobiles Endgerät erhalten. Dadurch werden retrospektive Aussagen vermieden, bei denen Erinnerungsverzerrungen auftreten können. Auf der anderen Seite kann die Methode zu Ermüdungseffekten oder Reaktivität führen.

In der aktuellen Studie wurde lediglich erfasst, ob die Probanden das Handy gerade benutzen, allerdings nicht, was sie daran machen. Die Befragung erfolgte 30-mal in einem Zeitraum von sechs Tagen, bei der die Jugendlichen innerhalb einer Stunde einen kurzen Fragebogen ausfüllen mussten. Die Forschenden analysierten daraufhin, wie stark die berichtete Stimmung der Teenager mit der Nutzung allgemein und der Nutzungsdauer der Smartphones zusammenhängt. Demnach berichteten die Probanden eine bessere Stimmung, wenn sie ihr Smartphone nutzten. Die Stimmung besserte sich zudem, je länger sie ihr Smartphone nutzten.

Die gute Stimmung während der Nutzung kann als positive Konsequenz interpretiert werden, könnte aber auch ein Warnzeichen sein: Die Forschenden schlussfolgern, dass ihre Ergebnisse Hinweise darauf geben, dass Smartphones zur Stimmungsregulierung verwendet werden könnten, was eine Komponente von Suchtverhalten ist. Sie könnten demnach als Bewältigungsstrategie für unangenehme Situationen verwendet werden.

Die von den Autoren genannte Mood-Management-Theorie biete eine geeignete theoretische Grundlage, um die Befunde der Studie zu erklären, ordnet Prof. Kathrin Karsay, Assistenzprofessorin für Unterhaltungsforschung am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien, Österreich, ein. „Wir wissen zudem, dass Jugendliche unterhaltsame und hedonistische Medieninhalte bevorzugen, weshalb diese Theorie naheliegend ist. Allerdings liefert die Studie keinen Hinweis darauf, welche Apps oder Inhalte die Teilnehmer*innen auf ihrem Handy genutzt haben, und somit bleiben Erklärungsversuche recht vage“, relativiert die Forscherin. Dazu komme, dass die Mood-Managament-Theorie aus den 1980er-Jahren stamme und sich das Medienangebot seither drastisch verändert hat.

„In Zeiten permanenter Konnektivität via Smartphones entstehen neue Herausforderungen. Der schnelle und wiederholte Griff zum Handy bei Langweile, schlechter Stimmung oder anderen unangenehmen Gefühlen, kann dazu führen, dass andere Aufgaben vernachlässigt werden – Stichwort: Prokrastination. Schuldgefühle (,Jetzt habe ich wieder so viel Zeit am Handy verschwendet‘) können diese positive Stimmung gegebenenfalls wieder mindern oder aufheben“, gibt Karsay zu bedenken.

„Aus der Forschung zur Verhaltenssucht – besonders mit dem Fokus auf Gaming – ist bekannt, dass Motive wie Eskapismus Nutzungsmotive darstellen, die besonders suchtfördernd sein können. Dass die Smartphone-Nutzung zunächst die Stimmung verbessern kann, ist nicht besonders überraschend. Schwierig wird es aber, wenn die Nutzung des Smartphones als dauerhafter Bewältigungsstil eingesetzt wird. Dies kann aber anhand der Studie nicht überprüft werden“, kommentierte Christian Montag, Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, die Studienergebnisse.