Studie untersucht die biologischen Ursachen von Angsterkrankungen10. Februar 2026 Seit der Corona-Pandemie haben Angststörungen vor allem bei jungen Frauen deutlich zugenommen. (Foto: © terovesalainen – stock.adobe.com) In jüngster Zeit berichteten Studien über eine deutliche Zunahme von Angststörungen bei jungen Menschen. Ein internationales Forscherteam hat nun die genetischen Risikofaktoren für die Störung untersucht und dabei starke Überschneidungen zu anderen psychischen Erkrankungen gefunden. Etwa jeder Vierte leidet irgendwann in seinem Leben an einer Angsterkrankung. Dazu zählen die Panikerkrankung, die generalisierte Angsterkrankung, aber auch Phobien vor konkreten Objekten oder Situationen. Trotz der weiten Verbreitung sind die biologischen Grundlagen von Angstzuständen nach wie vor kaum verstanden. In der bislang größten genetischen Studie zu Angsterkrankungen, die in „Nature Genetics“ veröffentlicht wurde, analysierte ein internationales Team unter der Leitung von Forschenden der Texas A&M University (USA), der Dalhousie University (Kanada), des King’s College (UK) und des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) genetische Daten aus 36 unabhängigen Stichproben mit mehr als 120.000 Menschen mit diagnsotizierter Angsterkrankung. Die Kontrollgruppe umfasste fast 730.000 Menschen ohne Angsterkrankungen. Auf diese Weise identifizierten die Forschenden im Rahmen des Psychiatric Genomic Consortium 58 genetische Varianten, die mit Angstzuständen in Verbindung stehen und von denen die meisten zuvor noch nicht identifiziert worden waren. Polygenes Risiko für Angsterkrankungen Die Ergebnisse zeigen, dass Angsterkrankungen nicht durch ein einzelnes „Angstgen“ verursacht werden, sondern durch zahlreiche genetische Varianten im gesamten Genom beeinflusst werden, von denen jede einen kleinen Beitrag leistet. Dieses Muster spiegelt wider, was auch bei anderen komplexen psychischen Erkrankungen wie Depressionen beobachtet wurde. Die Forschenden fanden starke genetische Überschneidungen zwischen Angsterkrankungen und verwandten Erkrankungen und Merkmalen wie Depressionen, Neurotizismus, posttraumatischer Belastungsstörung und Suizidversuchen, was ein Grund sein kann, warum diese Erkrankungen so häufig gemeinsam auftreten. „Dies ist ein spannender Fortschritt in der Angstgenetik. In einer Zeit, in der die Angstzustände bei jungen Menschen rapide zunehmen, ist es von entscheidender Bedeutung, unser Verständnis dafür zu vertiefen, was Menschen biologisch anfällig macht. Ich hoffe, dass Daten wie diese mit der Zeit dazu beitragen können, besonders anfällige Personen zu identifizieren, um frühzeitig eingreifen zu können“, erklärte Prof. Thalia Eley vom King’s College London. Bekannte und bislang unbekannnte Signalwege Insbesondere bestätigte die Studie Gene, die an der GABAergen Signalübertragung beteiligt sind und damit die Gehirnaktivität regulieren. GABA ist bereits Zielstoff mehrerer bestehender Medikamente gegen Angstzustände, was übereinstimmende Hinweise auf Gehirnschaltkreise und Neurotransmittersysteme liefert, von denen seit Langem vermutet wird, dass sie an Angstzuständen beteiligt sind. Den Forschenden zufolge sprechen die Ergebnisse zwar nicht für den Einsatz von Gentests zur Diagnose von Angstzuständen, doch die Identifizierung spezifischer Gene und biologischer Signalwege, die zu psychischen Problemen beitragen, könnte helfen, besser zu verstehen, wie Angstzustände entstehen. Damit könnten die Ergebnisse letztendlich zur Entwicklung neuer Behandlungsmethoden oder zur Verbesserung bestehender Therapien beitragen. „Die Ergebnisse der Studie liefern auch Hinweise auf die Rolle einer Reihe bisher unbekannter molekularer Signalwege in der Ätiologie von Angstzuständen, die über den GABAergen Signalweg hinausgehen. Sie bilden die Grundlage für zukünftige Studien in Zellkulturen, Tiermodellen und am Menschen, die zu einem besseren Verständnis der Neurobiologie von Angstzuständen und damit zu innovativen und individualisierten Therapien beitragen werden“, erklärt Prof. Jürgen Decker, Senior-Professor am Lehrstuhl für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
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