Studie: Zu hohe Bettenauslastung im Krankenhaus führt zu steigender Sterblichkeitsrate9. Januar 2023 Freie Betten können Leben retten. Foto: WR.LILI – stock.adobe.com Ein Zusammenhang zwischen der Bettenauslastung und Sterblichkeitsrate in Krankenhäusern wurde von Forschenden schon länger vermutet. Eine Studie der Universität Basel (Schweiz) liefert nun eine neue Perspektive und zeigt, dass die Kapazitätsgrenze bei kleineren Krankenhäusern deutlich früher erreicht wird. Spätestens seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind wir durch die Medien mit Zahlen zur Bettenauslastung in den Krankenhäusern vertraut. Solange noch Betten frei sind, gibt es keine Probleme, könnte man meinen. Eine Studie der Universität Basel unter der Leitung von Prof. Michael Simon zeigt nun, dass die Sterblichkeitsrate in Kliniken ansteigt, teilweise deutlich bevor die volle Bettenkapazität erreicht ist.Für die Studie haben die Forschenden die Daten von über 1,1 Millionen stationären Fällen aus 102 Schweizer Krankenhäusern ausgewertet. Dies mit dem Ziel, den kausalen Zusammenhang der Bettenauslastung auf die 14-Tage-Sterblichkeitsrate in Krankenhäusern zu untersuchen. Das bedeutet, dass die Fälle bis zu 14 Tage beobachtet wurden, sofern es nicht früher zur Entlassung kam.Der Zusammenhang von Bettenauslastung und Sterblichkeitsrate ist vielschichtig. Zu berücksichtigen sind neben der Auslastung der Betten auch Faktoren wie die Patientenfluktuation innerhalb der einzelnen Kliniken, der durchschnittliche Schweregrad der Erkrankung der Patienten, die am jeweiligen Tag im Krankenhaus aufgenommen werden, sowie deren individuelles Risiko zu versterben. Zusätzliche Variablen sind Begleiterkrankungen sowie Alter und Geschlecht der Patienten. Aber auch die Unterscheidung zwischen Wochentag und Wochenende sowie der Krankenhaustyp wurden einbezogen.Schwellenwert ist bei kleinen Kliniken deutlich niedrigerDie Auslastungsgrenze, ab der das Mortalitätsrisiko zunimmt, ist in jedem Krankenhaus unterschiedlich. Liegt die Bettenauslastung über diesem Wert, steigt das Sterberisiko um rund zwei Prozent pro Tag an. Bei zwei bzw. drei zusätzlichen Tagen mit überhöhter Kapazitätsauslastung steigt die Wahrscheinlichkeit einer 14-tägigen Sterblichkeit im Krankenhaus um 3,2 Prozent bzw. 4,9 Prozent. Der Schwellenwert der einzelnen Einrichtungen lag zwischen 42,1 Prozent und 95,9 Prozent der Bettenbelegung.Diese großen Differenzen sind entscheidend für den Schwellenwert: Je höher die durchschnittliche Bettenauslastung einer Klinik, desto höher liegt der Schwellenwert. Diese Auslastung liegt bei kleinen Häusern bei rund 60 Prozent, während sie in großen Kliniken bei 90 Prozent liegt. Bei einer niederen durchschnittlichen Auslastung kann es zu stärkeren Schwankungen kommen. Diese stark schwankenden Bettenauslastungen führen dazu, dass der Schwellenwert, ab dem die Mortalität steigt, niedriger ist und damit schneller erreicht wird.Gründe für die zunehmende Sterblichkeit bei hoher Auslastung liegen unter anderem daran, dass bestimmte Behandlungen nicht mehr oder erst mit Verzögerung durchgeführt werden können. Zudem bleibt die Anzahl der Ärztinnen und Arzte sowie des Pflegepersonals trotz starken Schwankungen relativ beständig. Abhilfe durch KonzentrationDas Problem kann laut Simon angegangen werden, indem die Auslastungsschwankungen verringert und die Krankenhäuser angemessen mit Personal ausgestattet werden. Die Lösungen sieht er vor allem auf politischer Ebene: „Viele kleine Einheiten sind nur schwierig effizient zu betreiben. Eine Bündelung der Kliniken oder eine engere Zusammenarbeit zwischen den Kliniken führt zu weniger Schwankungen und reduziert damit das Risiko.“(Universität Basel / ms)
Mehr erfahren zu: "Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten" Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten Die große Mehrheit der deutschen Krankenhäuser ist in finanziell prekärer Lage. Die Einsparungen der Bundesregierung werden die Not einer Umfrage unter Klinikchefs zufolge noch vergrößern.
Mehr erfahren zu: "Weltmännertag: Echte Stärke heißt auch, auf sich selbst zu achten" Weltmännertag: Echte Stärke heißt auch, auf sich selbst zu achten Zum Weltmännertag am 3. November weist das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf das Problem hin, dass Männer oftmals nicht genug auf sich selbst achten – mit Folgen für Gesundheit […]
Mehr erfahren zu: "Organspende in Deutschland: Leichter Anstieg, weiterhin großer Bedarf" Organspende in Deutschland: Leichter Anstieg, weiterhin großer Bedarf In Deutschland ist die Zahl der Organspenden in den ersten neun Monaten des Jahres leicht gestiegen. Dies geht aus Zahlen hervor, welche die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) bei ihrem Jahreskongress […]